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Tatenlos im Teufelskreis: Kaymer im Niemandsland

16.06.2019 11:24
Martin Kaymer befindet sich im Formtief
© Sam Greenwood, getty
Martin Kaymer befindet sich im Formtief

Die Hoffnung war groß - die Ernüchterung auch. Anstatt ein Top-Resultat zu verzeichnen und den nächsten Schritt aus der Versenkung zu vollziehen, trat Martin Kaymer bei der US Open auf der Stelle.

Als die Stars der Szene im finalen Showdown der 119. US Open um den Triumph kämpften, war Martin Kaymer wieder nur Zuschauer. Tatenlos und voller Wehmut musste der deutsche Golfprofi mit ansehen, wie andere im Rampenlicht standen - und dort genau das machten, was eigentlich er wollte: jubeln, lachen, feiern.

Stattdessen erhielt der ehemalige Weltranglistenerste an der kalifornischen Pazifik-Küste von Pebble Beach die ernüchternde Bestätigung, dass ihm für dauerhaften Erfolg die Konstanz fehlt.

Ein starker Auftakt, ein schwacher zweiter Tag, eine durchschnittliche dritte Runde: Schon vor dem abschließenden Sonntag fand sich Kaymer beim dritten Major der Saison im verhassten Niemandsland des Tableaus wieder.

"Das ultimative Ziel ist es, das Turnier zu gewinnen. Deshalb sind wir hier. Und wenn man es schon einmal geschafft hat, ist die Überzeugung vorhanden, es erneut hinzubekommen", hatte Kaymer, der die US Open 2014 gewonnen hatte, kurz vor dem Turnier im Blog der European Tour geschrieben: "Wenn dann auch noch der Platz zum eigenen Spiel passt, sind die Chancen sehr groß."

Davon war der 34-Jährige nach dem vielversprechenden Start eigentlich ausgegangen, am Donnerstag schien ja auch alles zu passen. "Ich spiele solide und mache keine großen Fehler", sagte er da noch. Das sollte sich jedoch schnell ändern.

Kaymer benötigt Zeit: "Schritt für Schritt"

Vor allem im Kurzspiel auf und neben den Grüns, also genau dort, wo meistens die Entscheidung über Siegen oder Scheitern fällt, attestierten die Statistiken dem Deutschen eklatante Schwächen. Justin Rose etwa, seines Zeichens Olympiasieger, US-Open-Champion (2013) und seit Jahren konstant in den vorderen Regionen der Weltrangliste, hat hier seine Stärken. Nicht umsonst war der Engländer am Sonntag einer von denen, die um den Sieg kämpften.

"Mich aktuell mit ihm zu vergleichen, ist pure Fantasie", gab Kaymer ehrlich zu, wenngleich das der eigene Anspruch sein muss. Und ist: "Natürlich will und kann ich wieder nach vorne kommen. Das geht allerdings nur Schritt für Schritt und benötigt Zeit." Ein kostbares Gut, das Kaymer fehlt.

Die prestigeträchtige British Open, das letzte Major des Jahres, findet nämlich schon in etwas mehr als vier Wochen (18. bis 21. Juli) statt. Weil Kaymers letzter großer Triumph - die US Open - eine gefühlte Ewigkeit zurückliegt und er seither in der Weltrangliste abgestürzt ist, muss er sich dafür erst noch qualifizieren.

Sollte dem Rheinländer das misslingen - eine Überraschung wäre es freilich nicht - könnte er vorerst in der Versenkung verschwinden. Da müsste er dann erneut tatenlos mit ansehen, wie andere im Rampenlicht glänzen.

 

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