Anzeige

Rothenberger reitet trotz Feuer-Inferno bei der DM

13.06.2019 11:24
Sönke Rothenberger ist mit seinem Pferd Cosmo bei der DM auf Medaillen-Jagd
© dpa
Sönke Rothenberger ist mit seinem Pferd Cosmo bei der DM auf Medaillen-Jagd

Das Grauen wird Sönke Rothenberger nicht vergessen. "Das ist etwas, was einen täglich begleitet", sagte der Dressurreiter über das gewaltige Feuer auf der elterlichen Anlage.

Ein Inferno, das am letzten Februar-Tag auf dem Gestüt in Bad Homburg gewütet und "einen Großteil unseres Lebenswerks" zerstört hat, wie es seine Mutter Gonnelien Rothenberger beschreibt.

An diesem Wochenende will Sönke Rothenberger bei den deutschen Dressur-Meisterschaften in Balve seine zwei Titel auf jenem Pferd verteidigen, das er damals eigenhändig gerettet hat: Cosmo. Für fünf Pferde auf der Anlage kam damals jede Hilfe zu spät. Sie starben in den Flammen.

Die Menschen hatten mehr Glück. Sönkes Schwester Sanneke Rothenberger zog sich bei der Rettungsaktion an jenem Morgen Verbrennungen am Oberschenkel und eine leichte Rauchvergiftung zu. Zwei der rund 250 eingesetzten Feuerwehrleute verletzten sich bei den Löscharbeiten leicht. Die Polizei schätzte den Schaden auf der Anlage auf mehrere Millionen Euro.

"Ich bin einfach nur dankbar, dass ich meinen Cosmo noch habe", sagte Sönke Rothenberger, der am 28. Februar mit seiner Schwester Sanneke die meisten Pferde retten konnte. Der sonst manchmal wilde Wallach folgte dem 24-Jährigen ohne Halfter "aus dem brennenden Stall wie ein Lämmchen", berichtete die Mutter. Andere Pferde waren "in ihrer Panik nur schwer dazu zu bewegen, das Inferno zu verlassen".

Die überlebenden Pferde sind seitdem bei einigen befreundeten Familien untergebracht. Cosmo, mit dem Sönke Rothenberger bei EM, WM und Olympischen Spielen schon Gold gewonnen hat, steht auf der Anlage von Ann Kathrin Linsenhoff, der Team-Olympiasiegerin von 1988. "Das ist nur 15 Minuten von zu Hause entfernt, und wir können dort wirklich gut trainieren und unsere Pferde arbeiten", erklärte Sönke Rothenberger.

Nach dem Comeback Ende April beim Turnier in Hagen am Teutoburger Wald steht jetzt in Balve der erste sportliche Höhepunkt des Jahres an. "Ich habe den Anspruch, da anzuknüpfen, wo ich letztes Jahr war", formulierte der Reiter seine sportlichen Ambitionen bei den Titelkämpfen auf der Anlage von Schloß Wocklum. Vor einem Jahr gewann das Paar beide Goldmedaillen - im Grand Prix Special und in der Kür.

Die Konkurrenz ist allerdings stark. Die nationalen Dressur-Meisterschaften haben in Deutschland traditionell Weltklasse-Niveau. Als größte Widersacherin bei Rothenbergers Kampf um die doppelte Titelverteidigung gilt Isabell Werth, die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt.

Zugleich ist das Championat im Sauerland die erste Sichtung für die Europameisterschaft im August in Rotterdam, die zweite folgt beim CHIO in Aachen. "Die Qualifikation für die EM steht hier natürlich im Vordergrund", sagte Rothenberger vor dem ersten Ritt am Freitag im Grand Prix: "Aber wir probieren, mehr zu holen."

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige