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Meinung zum Chaos beim Großen Preis von Kanada

Kommentar zu Vettel: Ein peinliches Schauspiel

11.06.2019 08:16
Sebastian Vettel war nach dem GP von Kanada außer sich
© Dan Istitene, getty
Sebastian Vettel war nach dem GP von Kanada außer sich

Der Zoff um die Fünf-Sekunden-Zeitstrafe und den "gestohlenen Sieg" von Sebastian Vettel beschäftigt am Tag nach dem Großen Preis von Kanada die Motorsport-Welt. Die Rennkommissare an den Pranger zu stellen, ist die bequemste aller Lösungen. Beim Blick auf das große Ganze kann es aber nur zwei Schuldige geben: Sebastian Vettel und Ferrari. Ein Kommentar.

Die Meinungen nach der Fünf-Sekunden-Strafe gegen Sebastian Vettel beim Großen Preis von Kanada gingen weit auseinander. Viele ehemalige Formel-1-Piloten zeigten kein Verständnis für die Entscheidung der Rennkommissare. Einige TV-Experten und Ex-Weltmeister Nico Rosberg sahen es anders und stimmten der Rennleitung zu.

Die Jury als "bösen Buben" hinzustellen, ist letztlich aber nur die einfachste Art, den Schuldigen auszumachen. Mehr "Fingerspitzengefühl" wurde sich an mancher Stelle gewünscht. Fingerspitzengefühl in einer Sportart, in der zu jeder Zeit die Gesundheit der Fahrer auf dem Spiel steht und jeder Fehler fatale Folgen haben kann, wohlgemerkt. Das wäre falsch. Fehler müssen bestraft werden. Ohne Wenn und Aber.

Andere sehen es offenbar als Aufgabe der Formel 1 an, die Weltmeisterschaft spannend(er) zu machen und über einen Fehler der unterlegenen Mercedes-Konkurrenz hinwegzusehen. Auch das ist ein netter Gedanke. Aber auch das widerspräche dem Grundgedanken einer jeden Sportart.

Die bittere Wahrheit ist: Ferrari und Sebastian Vettel haben sich das Dilemma wieder einmal selbst eingebrockt.

Ferrari produziert seit Jahren nichts als Verlierer

Fakt ist: Ferrari spielt seit vielen Jahrzehnten die Hauptrolle in der Manege des Formel-1-Zirkus', kassiert das meiste Geld, hat die besten Voraussetzungen. 

Aus dieser Ausnahmeposition heraus produziert die Scuderia aber seit nunmehr über zehn Jahren nichts als Verlierer. Der Rennstall ist eine einzige Seifenoper geworden, die ihre Darsteller Staffel für Staffel austauscht und hofft, dass sich die Einschaltquote erholt. Dabei machen die Personalrochaden alles nur noch schlimmer.

Hinter der Boxenmauer herrscht Chaos, das zu teils haarsträubenden Fehlern führt. Warum Ferrari zum Beispiel das einzige Top-Team war, das pro Fahrer in Kanada nur einen harten Reifensatz zur Verfügung hatte und dementsprechend keine Erfahrungswerte im Training sammeln konnte, ist eine Frage, die nur die Scuderia selbst beantworten kann. Eben jener Reifen erlaubte Lewis Hamilton seine Aufholjagd und trieb Sebastian Vettel in letzter Konsequenz in den entscheidenden Fehler.

Das Chaos am Kommandostand hat unweigerlich auch Auswirkungen auf die Piloten. Der Ruf hoch angesehener Fahrer und Weltmeister (Alonso, Räikkönen) hat beim Traditionsrennstall gelitten. Sebastian Vettel ist das beste Beispiel.

Der Heppenheimer ist nicht mehr der Fahrer, der er einmal war. In seinen vier Weltmeister-Jahren wirkte er konsequent, unantastbar, fehlerfrei und wie eine gut geölte Maschine. Seit 2014 ist das Geschichte. Mittlerweile verliert Vettel regelmäßig die Nerven. Er macht Fehler, die Lewis Hamilton nicht macht.


Mehr dazu: Die Pannen-Akte von Sebastian Vettel bei Ferrari


Auch in Kanada war es letztlich Vettels Fehler, der zum Eingreifen der Rennkommissare führte. Sein pubertäres Schauspiel nach der Zieldurchfahrt war nicht mehr als ein peinliches und verzweifeltes Schauspiel, um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken.

Die Amerikaner haben ein Sprichwort, das besagt: "Father Time is undefeated". Wortwörtlich trifft dies auf Vettel schon lange nicht mehr zu. Inhaltlich trifft es den Nagel dagegen auf den Kopf. 

Christian Schenzel

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