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Magnussen entschuldigt sich bei seiner Crew

"Genug ist genug": Zoff am Haas-Teamfunk

10.06.2019 07:51
Mit Kevin Magnussen gehen in Kanada die Emotion am Teamradio durch
© Dan Mullan, getty
Mit Kevin Magnussen gehen in Kanada die Emotion am Teamradio durch

Kevin Magnussen und das Haas-Team sorgten am Rennsonntag in Kanada unfreiwillig für Unterhaltung. Der Funkverkehr des Dänen mit seinem Team offenbarte die schwierige Situation, in der sich die US-Truppe auf dem Circuit Gilles-Villeneuve befand. Teamchef Günther Steiner reichte es schließlich, er griff am Funk selbst durch und sprach ein Machtwort.

"Das ist die schlimmste Erfahrung, die ich jemals in einem Rennauto hatte", funkte Magnussen in Rennrunde 55. Zu jenem Zeitpunkt lag der Haas-Pilot aussichtslos auf dem 18. Platz zwischen den beiden Williams-Piloten. "Niemand ist glücklich mit dieser Pace. Die Jungs waren die gesamte Nacht wach, um das Auto zu reparieren", antwortete sein Renningenieur.

"Ich weiß, ich weiß, aber ...", reagierte Magnussen. "Natürlich ist das ätzend", entgegnete sein Ingenieur - doch länger wollte Steiner nicht zuhören. Der Teamchef ergriff schließlich selbst das Wort: "Es reicht jetzt." Doch das wollte Magnussen zuerst nicht verstehen: "Was heißt das?", fragte er zurück.

"Für uns ist das auch keine schöne Erfahrung. Es reicht jetzt aber. Genug ist genug", antwortete der Südtiroler. Danach wurde es still am Teamfunk. Magnussen fuhr das Rennen auf dem 17. Rang mit zwei Runden Rückstand ins Ziel. Zum zweiten Mal in Serie verpasste er die Top 10.

Nach dem Rennen entschuldigte er sich für seine Aussage am Teamfunk: "Jungs, es tut mir leid. Ich weiß, ihr seid genauso frustriert wie ich es bin. Es tut mir sehr leid, ihr habt alle super gearbeitet - wie immer", so Magnussen.

Magnussen entschuldigt sich bei seiner Crew

"Es ist sehr schwierig, die Emotionen unter Kontrolle zu halten", gibt er nach dem Rennen zu. "Das war keinesfalls ans Team gerichtet. Sie haben das gesamte Wochenende tolle Arbeit gemacht", versucht er, den Funkspruch zu relativieren.

Magnussens Malheur begann bereits am Samstag, als er am Ende von Q2 in die Wall of Champions krachte und dabei das Auto zerstörte. Seine Mechaniker mussten den VF-19 bis in die frühen Morgenstunden reparieren, er startete aufgrund mehrerer Komponentenwechsel aus der Boxengasse.

"Ich habe im Qualifying einen Fehler begangen und sie haben es geschafft, mir ein komplett neues Auto für das Rennen aufzubauen", bedankt er sich bei seiner Mannschaft. Er habe einfach keine Pace und mit den Reifen große Probleme ghabt.

"Da ist es schwierig, nicht enttäuscht zu sein. Ich weiß, dass es das gesamte Team ist. Wir verdienen so viel mehr." Teamchef Steiner spricht von einem "Desaster-Wochenende", das in Q2 begonnen hat und erst mit Rennende vorbei war.

Steiner: "Manchmal muss man streng sein"

"Er hat realisiert, dass der Funkspruch ziemlich schlimm war", weiß Steiner. Nach dem Rennen habe er sich umgehend bei den Teammitgliedern entschuldigt. "Jeder ist natürlich frustriert. Die Jungs haben bis 3 Uhr in der Früh gearbeitet. Wir sitzen da und man ist Letzter und Vorletzter", schildert er die missliche Lage.

"Das motiviert einen natürlich nicht und man braucht auch keine Diskussionen drüber, wie schlimm die Lage ist. Ich wollte einfach verhindern, dass die Jungs noch niedergeschlagener sind als nötig. Nach dem Rennen - ich weiß nicht, ob er es erklärt hat - aber er wollte nicht kritisch sein", glaubt ihm Steiner.

"Er hat einfach versucht, die Situation zu erklären, ohne jemandem die Schuld in die Schuhe zu schieben. Wenn man aber auf der anderen Seite des Teamfunks ist, weiß man das nicht. Ich konnte es verstehen, aber die Jungs nicht, weil sie nicht das große Ganze im Bild haben." Deshalb griff Steiner schließlich selbst ein.

Er wollte verhindern, dass Magnussen seine Crew indirekt verletzt. "Ich habe gemeint, wenn er noch einmal etwas sagt, dann muss ich darauf reagieren. Dann hat er noch einmal gesprochen, dann hat der Renningenieur geantwortet. Aber ich will keine offene Diskussion über das Teamradio führen. Ich wollte das stoppen."

Ganz nach seinem Credo: "Manchmal muss man einfach streng sein. Ich weiß, wann ich sie einfangen muss. Ich kenne diese Jungs ziemlich gut. Das müssen wir nicht in der Öffentlichkeit austragen." Natürlich könne er die Frustration verstehen, aber Steiner wollte eine öffentliche Diskussion verhindern.

"Es gibt sehr viele Menschen, die enttäuscht davon sind, wie wir auf der Strecke abschneiden. Die müssen nicht dauernd daran erinnert werden. Wenn man es einmal sagt, okay, aber wenn man das dauernd vorbringt, dann reicht es", bleibt er hart.

"Wir haben das lange genug besprochen. Wir alle wissen es. Deshalb habe ich eingegriffen. Ich denke, in der Hitze des Gefechts wollte er das Team gar nicht kritisieren. Er war einfach in einer schlechten Situation und wollte das mitteilen."

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