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Hamilton will nicht auf diese Art gewinnen

Vettel kritisiert Buhrufe gegen Hamilton

10.06.2019 07:29
Die rennentscheidende Szene
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Die rennentscheidende Szene

Sebastian Vettel war nach seiner kontrovers diskutierten Fünf-Sekunden-Strafe beim Grand Prix von Kanada stinksauer und wäre beinahe nicht zur Siegerehrung erschienen. Auch mit etwas Abstand konnte der Ferrari-Pilot die Entscheidung am RTL-Mikrofon in keinster Weise nachvollziehen. Wenig später kündigte sein Team an, Protest gegen die Strafe einlegen zu wollen.

Sebastian Vettel war nach der Zieldurchfahrt in Montreal kaum zu bremsen. "Wo soll ich denn hin, das kann doch nicht sein, wo soll ich hin?", schimpfte Vettel im Boxenfunk. Das Rennen hatte er als Erster beendet, wegen Behinderung von Lewis Hamilton aber eine Fünf-Sekunden-Strafe kassiert, die ihn im Klassement hinter den kurz nach ihm ins Ziel gefahrenen Rivalen zurückwarf.

Vettel schiebt die Zwei zu Hamiltons Auto

Seinen Ferrari stellte der "Rennsieger der Herzen" nicht wie gefordert unterhalb des Podiums beim Schild für Platz zwei ab. Stattdessen hechtete Vettel nach dem Wiegen seines Fahrzeugs (an der Waage war er zunächst vorbeigefahren, schob sein Auto dann zurück) von dannen, riss sich den Helm vom Kopf, schwänzte das obligatorische erste Interview und rannte wutentbrannt ins Motorhome seines Teams.

Minuten später kam Vettel zurück in die Boxengasse und verstellte die Aufsteller: Er schob die Nummer zwei vor Hamiltons Auto und stellte die Eins vor den verwaisten Platz, an dem sein Ferrari hätte stehen sollen. Dann überwand sich Vettel und folgte Lewis Hamilton aufs Siegerpodest, wo der Brite eine schöne Geste zeigte: Er schob den Deutschen neben sich aufs oberste Treppchen. Dem Weltmeister war dabei anzusehen, dass er auf diese Art nicht gewinnen wollte.

Buhrufe gegen Hamilton

Auch die Fans waren unglücklich mit den Geschehnissen und pfiffen Hamilton aus, dem Vettel daraufhin zur Seite sprang: "Die Leute sollten Lewis nicht ausbuhen. Er hat gesehen, was passiert ist. Es war keine Absicht dabei, ich habe nur versucht, auf der Strecke zu bleiben. Wenn, dann sollte man die Leute ausbuhen, die diese Entscheidung getroffen haben", rief Vettel den Fans über die Kurs-Lautsprecher zu.

Im "RTL"-Interview bestätigte Vettel später, dass er die Entscheidung der Rennleitung auch mit zeitlichem Abstand nicht nachvollziehen kann. "Ich weiß nicht, wofür ich bestraft wurde. Ich hätte nichts anders machen können", sagte Vettel bei Kai Ebel: "Es ist kein Geheimnis, dass Gras weniger Haftung bringt als Asphalt. Ich war froh, dass ich nicht in die Mauer gerasselt bin und das Auto noch abfangen konnte."

Die entscheidene Szene beschrieb Vettel so:

"Es war ein kleiner Fehler, ich hatte das ganze Rennen über mit der Hinterachse zu kämpfen. Lewis hat viel Druck ausgeübt, ich hatte nicht viel Luft. Ich habe das Heck eingangs der Kurve verloren, musste korrigieren und ausweichen. Ich bin dann übers Gras, die Reifen waren dreckig und hatten keinen Grip."

"Ich weiß nicht, wie es aus Lewis' Sicht aussah. Aber als ich in den Spiegel geschaut habe, nachdem ich das Auto abgefangen habe, war er direkt hinter mir. Hätte er nach innen eingeschnitten, wäre er wahrscheinlich vorbeigefahren. Ich konnte in dem Moment nicht sehen, was hinter mir passiert."

Vettel sagte zudem: "Ich glaube, das ganze Team hat heute den Sieg verdient und in gewisser Weise fühle ich mich auch als Sieger. Wir sind aus gutem Grund als Erster über die Linie gefahren. Es gibt nicht viele Leute, die dem heute widersprechen, aber ein paar leider schon."

Zu denen gehörte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, der Vettels Reaktion aber auch nachvollziehen konnte:

"Die Situation ist für mich ganz schwierig zu beurteilen, weil ich nicht ganz objektiv bin. Es gibt eine Regel, die besagt, dass du eine Wagenbreite Platz lassen musst, wenn du abseits der Strecke warst. Das war so eine Situation, er war neben der Strecke und hat danach diesen Platz nicht gelassen, als er zurückkam und seine Position verteidigt hat. Dass diese Strafe polarisiert, verstehe ich auch."

Hamilton sagte bei "RTL": "Das ist nicht die Art, wie ich Rennen gewinnen möchte. Ich will Rennen durch Überholen gewinnen. Ich war in der Phase schneller als er, ich habe Druck gemacht. Und ich war ganz dicht dran, bevor Vettel den Fehler gemacht hat. Das ging dann alles sehr schnell. Aber die Regel ist, dass du Platz lassen musst, wenn du auf die Strecke zurückfährst. Er hat die Tür zugemacht und ich musste einen Unfall vermeiden."

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