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"Wäre das mir passiert, dann ..."

Mercedes-Chef Wolff versteht Vettel-Ausraster

10.06.2019 07:15
FIA-Präsident Jean Todt mit Mercedes-Teamchef Toto Wolff in Kanada
© Mark Thompson, getty
FIA-Präsident Jean Todt mit Mercedes-Teamchef Toto Wolff in Kanada

Der Grand Prix von Kanada sorgt besonders nach der Zieldurchfahrt für Gesprächsstoff . Ist die Fünf-Sekunden-Strafe für Sebastian Vettel gerechtfertigt oder nicht? Hat der Deutsche Lewis Hamilton in Runde 48 in der Kurvenkombination 4 und 5 absichtlich zu wenig Platz gelassen, als er von seinem Ausritt durch das Gras zurück auf die Strecke gefahren kam? Selbst Mercedes-Teamchef Toto Wolff sieht ein: "Das war eine 60:40-Entscheidung."

"Wäre das mir passiert, dann hätte ich gegen dieses blöde Schild getreten und es gegen das Auto geworfen", lässt der Mercedes-Teamchef bei "Sky" aufhorchen. Der Wiener gibt zu, dass die Emotionen von Vettel nach dem Rennen verständlich sind. "Emotionen sind da ganz logisch und gut für den Sport."

Er gibt zu, dass die Rennkommissare eine "schwierige Entscheidung" zu treffen hatte, die "sehr kontrovers" sei. Objektiv könne er die Situation allerdings nicht bewerten, schließlich steckt er in Mercedes-Schuhen. "Ich bin natürlich nicht objektiv und es gibt eine Regel, die besagt, dass man Platz lassen muss."

"Strafe im Prinzip richtig"

Im Interview mit "RTL" präzisiert er: "Dann muss man eine Wagenbreite Platz lassen. Das war genau hier [nicht] der Fall. Das war ein bisschen so eine Reaktion, er verliert das Auto, er will die Position schützen und lässt diese Wagenbreite nicht und deswegen ist die Strafe von den Jungs da oben - da sitzt ja auch der Emanuele [Pirro], das sind echte Racer - im Prinzip richtig."

Aus der Sicht des Österreichers geht die Strafe gegen Sebastian Vettel zwar in Ordnung. Er kann aber auch verstehen, dass die Entscheidung "polarisiert". Schließlich war Ferrari drauf und dran den ersten Grand-Prix-Sieg in dieser Saison einzufahren.

Wolff unterstellt Vettel außerdem keine Absicht: "Ich denke, dass er instinktiv gedacht hat, dass er die Position verteidigen muss. Das war einfach ein wenig zu viel des Guten." Nachsatz: "Ist man Ferrari-Fan oder jemand, der gerne hartes Racing sieht, dann würde man wohl gerne Autoscooter-Mentalität sehen."

Wolff nimmt Rennkommissare in Schutz

Martin Brundle, TV-Experte und Ex-Racer, wirft daraufhin Wolff allerdings vor, dass er selbst doch ein Racer sei. Wäre diese Strafe gegen einen Mercedes-Fahrer ausgesprochen worden, dann wäre der Wiener ebenfalls verärgert, unterstellt ihm der Brite.

"Ich denke, die Kommissare müssen unterstützt werden. Emanuele [Pirro] war heute mit dabei, er könnte gar nicht professioneller und erfahrener agieren", kontert Wolff und versucht, die FIA-Kommissare in Schutz zu nehmen und deren Integrität zu wahren.

"Ich denke, sie müssen sich die Zwischenfälle anschauen und das sollte auch respektiert werden. Wir sollten nicht noch mehr zündeln." Von der Strafe an sich war aber sogar der Mercedes-Teamchef "ein wenig" überrascht, wie er zugibt.

Monaco-Strafe für Verstappen "zu milde"

"Weil ich nicht dachte, dass sie eine kontroverse Entscheidung fällen würden. Aber von einem Standpunkt der Regularien aus, haben sie einfach das Papier interpretiert." Das sei jedoch niemals einfach nur eine Schwarz-Weiß-Entscheidung.

"Es hat nie jemand hundert Prozent recht. Ich denke, das ist eine 60:40-Entscheidung für die Strafe. Aber es gibt auch Argumente für die Gegenseite und ich respektiere diese Meinung", versucht Wolff möglichst fair zu argumentieren.

"Wir werden immer eine Entscheidung der Rennstewards akzeptieren. Uns hat die Entscheidung in Monaco auch nicht gefallen, dass Valtteri in die Wand gedrückt worden ist in der Boxengasse und der andere dafür eine Fünf-Sekunden-Strafe ausgefasst hat." Wolff bezeichnet die Strafe für Max Verstappen im Nachhinein als "vielleicht zu milde".

Wolff tritt für weniger Strafen ein

Mercedes wolle aber nicht ständig "umrühren und sich beklagen". "Das ist der sportliche Wettkampf, die Stewards müssen unterstützt werden in ihrer Entscheidungsfindung." Manchmal würden Entscheidungen einfach gegen einen ausfallen und manchmal für einen.

Generell würde sich Wolff weniger Strafen wünschen: "Ich denke, wir alle mögen hartes Racing. Und wenn man sich manchmal berührt, dann ist das die Konsequenz. Aber ich denke: Wir müssen uns auf die Regeln verlassen." Nachsatz: "Wenn wir die Regularien hin zu härterem Racing ändern wollen, bin ich der Erste, der dafür ist. Wird es etwas gefährlicher und aufregender, dann bin ich dabei."

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