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Bestürzter Brand nach Abstieg seines VfL Gummersbach

09.06.2019 17:42
Heiner Brand kommentierte den ersten Bundesliga-Abstieg des VfL Gummersbach
© Christof Koepsel, getty
Heiner Brand kommentierte den ersten Bundesliga-Abstieg des VfL Gummersbach

Seit Jahren befindet sich der VfL Gummersbach im Sinkflug. Am Pfingstsonntag hat es den Altmeister und Liga-Dino endgültig erwischt. Für Vereinsikone Heiner Brand ist es "ein großer Verlust".

Heiner Brand hatte den Tag X kommen sehen, er hatte sich vorbereiten können, und rang am Ende dennoch um Fassung. Die Trauer war ihm ins Gesicht geschrieben, als er für die Sky-Zuschauer den Abstieg seiner großen Liebe VfL Gummersbach einordnen sollte. "Es ist das eingetreten, was zu befürchten war", sagte Brand und sprach von einem "großen Verlust für die Handball-Bundesliga".

Nach dem 25:25 bei der SG BBM Bietigheim und dem 31:30 der Eulen Ludwigshafen gegen GWD Minden stand unwiderruflich fest: Der Traditionsklub aus dem Bergischen Land, der Altmeister und Heimatverein einiger der größten deutschen Handballer muss den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Die Bundesliga wird ohne den elfmaligen Europapokalsieger ärmer sein.

"Es ist schwer, Worte zu finden. Meine Mannschaft hat alles reingeworfen. Die Bilder sprechen für sich, man sieht weinende Männer", sagte VfL-Trainer Torge Greve bei "Sky": "Heute hat die Mannschaft es gut gemacht. Die Spiele vorher, als die Mannschaft die Zitterhand bekommen hat, die tun jetzt weh." So sah es auch Brand: "Man muss die ganze Saison sehen, der VfL ist nicht heute abgestiegen."

Allerdings hatte es Gummersbach am Pfingstsonntag selbst in der Hand, das lange Jahre Undenkbare doch noch zu verhindern. Mit einem Sieg hätte der zwölfmalige Meister die Rettung aus eigener Kraft geschafft. Das Remis hätte zum Ligaverbleib nur gereicht, wenn Ludwigshafen nicht gewonnen hätte.

Gummersbach schon seit Jahren im Sinkflug

Zum ersten Mal nach 53 Jahren Erstliga-Zugehörigkeit ist das einstige Schwergewicht des deutschen Handballs nur noch zweitklassig. Begleitet wird Gummersbach im Fahrstuhl nach unten von Bietigheim, die große Geschichte des Klubs, sie half in den schweren Momenten des Abstiegs nicht. "In der Handballwelt wird immer noch über den VfL Gummersbach geredet. Aber davon muss man sich lösen für einen Neuanfang."

Auf einen neuen Anfang im Unterhaus hofft auch der Gummersbacher Kult-Keeper Andreas Thiel, auch wenn er zunächst von einem "harten Brett" sprach. "Der Wiederaufstieg", sagte Thiel dem "SID", nachdem er sich gesammelt hatte, "ist nicht unmöglich. Wir müssen mit Verstand für die nächste Saison eine Mannschaft zusammenstellen. Die Chance zum kompletten Reset ist jetzt da."

Auf den ersten Blick erinnert das Schicksal des tief gefallenen Traditionsklubs, der den deutschen Handball über Jahrzehnte im In- und Ausland geprägt hat, stark an das der Fußballer des Hamburger SV. Mehrfacher deutscher Meister, Europokalsieger, feste Größe in der Eliteliga über ein halbes Jahrhundert: Auch die Hanseaten galten in der Republik als letzte Dinos, bevor sie - um im Bild zu bleiben - am 12. Mai 2018 nach 55 Jahren und am Ende qualvollem Kampf ausstarben.

Der VfL befindet sich seit Jahren im Sinkflug. In den beiden vergangenen Spielzeiten wurde der Ligaverbleib als Tabellen-15. nur mit Ach und Krach gesichert, 2017 waren es gerade mal 19 Törchen, die den Altmeister vor dem Absturz in die 2. Liga bewahrten. Diesmal fehlte ein einziger Treffer.

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