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Ludwigshafen schafft sensationelles Handball-Wunder

Flensburg zittert sich zum Titel - Gummersbach in Tränen

09.06.2019 17:00
Die Flensburger feierten die erfolgreiche Titelverteidigung
© Christof Koepsel, getty
Die Flensburger feierten die erfolgreiche Titelverteidigung

Dritter Titel für die SG Flensburg-Handewitt, Platz zwei für Rekord-Champion THW Kiel und der erste Abstieg des Handball-Dinos VfL Gummersbach: Die mit Spannung erwarteten Entscheidungen am oberen und unteren Ende der Tabelle sind am letzten Saisonspieltag endgültig gefallen.

Während Titelverteidiger Flensburg vor 10.043 Zuschauern in Düsseldorf mit einem am Ende hart umkämpften 27:24 gegen den Bergischen HC im Fernduell mit Kiel seinen Zwei-Punkte-Vorsprung ins Ziel rettete, stürzte Gummersbach mit dem 25:25 bei der SG BBM Bietigheim ins Tal der Tränen.

Zum ersten Mal nach 53 Jahren Erstliga-Zugehörigkeit ist das einstige Schwergewicht des deutschen Handballs nur noch zweitklassig. Begleitet wird Gummersbach im Fahrstuhl nach unten von Bietigheim, dagegen retteten sich die Eulen Ludwigshafen mit dem 31:30 durch ein Last-Minute-Tor gegen GWD Minden.

"Es ist das eingetreten, was zu befürchten war", sagte Gummersbachs Klub-Legende Heiner Brand bei "Sky": "Aber man muss die ganze Saison sehen, der VfL ist nicht heute abgestiegen. Dennoch hätten wir auch mit dieser Mannschaft nicht absteigen müssen."

Der Abstiegskampf war an Spannung nicht zu überbieten, da sich beide Partien erst in der letzten Spielminute entschieden. Kurz nach dem Spielschluss in Bietigheim hatte Ludwigshafen im Fernduell noch knapp eine Minute Zeit, das "Handball-Wunder" zu schaffen. Und tatsächlich: 30 Sekunden vor Schluss trafen die Eulen zum 31:30. Nach Abpfiff brach in der Halle riesiger Jubel aus. 

Lauge erneut bester Flensburger Angriffsspieler

Flensburg und Kiel werden den deutschen Handball in der kommenden Saison in der Champions League vertreten in der Hoffnung, beim Final Four 2020 in Köln erstmals nach vier Jahren wieder eine deutsche Mannschaft an den Start zu bringen. Der SC Magdeburg (31:24 bei FA Göppingen), die Rhein-Neckar Löwen mit Rückkehrer Uwe Gensheimer (26:28 beim SC DHfK Leipzig), die MT Melsungen (31:27 gegen den TBV Lemgo Lippe) und die Füchse Berlin (25:27 gegen HSG Wetzlar) starten im EHF-Pokal.

Die Konstellation im Vorfeld des letzten Spieltages war klar. Kiel musste daheim gegen die TSV Hannover-Burgdorf (30:26) auf einen Flensburger Ausrutscher bei den Bergischen Löwen hoffen, um den Zwei-Punkte-Rückstand auszugleichen und aufgrund des besseren Torverhältnisses die 21. Meisterschaft feiern zu können. Doch der alte und nun auch neue Champion von der Flensburger Förde tat dem Nordrivalen diesen Gefallen nicht.

Dreh- und Angelpunkt des Flensburger Spiels war wie so oft in dieser Saison Regisseur Rasmus Lauge. Der 27-Jährige, im Januar mit Dänemark Weltmeister und von den Trainern und Managern der Bundesliga-Vereine zum Spieler der Saison gewählt, zeigte bei seiner Abschiedsvorstellung noch einmal sein ganzes beeindruckendes Repertoire. Lauge machte das Spiel, er glänzte als Anspielstation, er beschleunigte und verlangsamte das Flensburger Spiel, und wenn gar nichts ging, machte er die Tore selbst.

SG-Kapitän Karlsson krönt seine Flensburg-Ära

Lauge wird Flensburg nach vier Jahren verlassen und zum Champions-League-Finalisten Telekom Vészprem wechseln. Auch auf Abwehrchef Tobias Karlsson muss Deutschlands nördlichster Verein künftig verzichten, der 38-jährige Schwede beendet seine Karriere und zieht sich ins Privatleben zurück.

"Es ist einfach unbeschreiblich, ich kann es kaum erklären, wie froh und stolz ich bin", jubelte Flensburgs Tobias Karlsson. Für den Schweden war es ein "traumhaftes Ende" an der Förde, der 38-Jährige beendet seine Karriere und zieht sich ins Privatleben zurück. "Ich bin die ganze Woche nervös gewesen. In der zweiten Halbzeit habe ich wahnsinnige Schmerzen gehabt, aber das ist es wert", sagte Karlsson.

Eine schwere Aufgabe wartet also auf Erfolgstrainer Maik Machulla, der die SG im Sommer 2017 von Erfolgscoach Ljubomir Vranjes übernommen hatte und sie seither zweimal zur Meisterschaft führte.

Auch Gummersbach war Meister, zwischen 1966 und 1991 ging die Schale zwölfmal ins Bergische Land. Diese Zeiten sind längst vorbei, seit Jahren kämpft der VfL gegen die sportliche Bedeutungslosigkeit, nun ist der vorläufige Tiefpunkt erreicht.

Kopfschüttelnd und fassungslos nahm Vereinsikone Brand in seiner Eigenschaft als "Sky"-Experte bei der Meister-Kür der Flensburger in Düsseldorf vor Ort, den Abstieg seines VfL zur Kenntnis. Hansi Schmidt, in den Siebziger Jahren das Gesicht des VfL, sieht die Entwicklung nicht nur negativ: "Vielleicht ist das ja jetzt die Chance für einen richtigen Neubeginn."

Der 34. Spieltag im Überblick: 

SG BBM Bietigheim - VfL Gummersbach 25:25 (14:13)
Tore:
Rentschler (5), Schäfer (5/1), Link (5), Claus (4), Kraus (3), Haller (2), Fischer (1) für Bietigheim - Norouzinezhad Gharehlo (6), Vukovic (4), Sommer (3/1), Baumgärtner (3), Schröter (2), Köpp (2), Schukow (2), Preuss (2), Martinovic (1) für Gummersbach
Zuschauer: 4517 

THW Kiel - TSV Hannover-Burgdorf 30:26 (15:13)
Tore:
Ekberg (7/5), Weinhold (7), Duvnjak (6), Wiencek (3), Zarabec (2), Jacobsen (1), Dahmke (1), Bilyk (1), Pekeler (1), Nilsson (1) für Kiel - Böhm (4), Olsen (4), Brozovic (4), Kastening (4), Häfner (3), Cehte (2), Mavers (1), Thiele (1), Ugalde (1), Johannsen (1/1), Büchner (1) für Hannover
Zuschauer: 10.285 

Die Eulen Ludwigshafen - TSV GWD Minden 31:30 (14:15)
Tore:
Dippe (8/7), Spiler (6), Feld (5), Salger (4), Falk (2), Dietrich (2), Haider (1), Scholz (1), Bührer (1), Stüber (1) für Ludwigshafen - Rambo (8), Staar (6), Korte (3), Padshyvalau (3), Zvizej (3/3), Gullerud (2), Michalczik (2), Strakeljahn (1), Cederholm (1), Mansson (1) für Minden
Zuschauer: 2350

TVB Stuttgart - HC Erlangen 26:28 (14:16)
Tore:
Pfattheicher (8), Schagen (6/2), Häfner (4), Baumgarten (3), Schweikardt (2/1), Schimmelbauer (1), Späth (1), Röthlisberger (1) für Stuttgart - von Gruchalla (7/6), Link (4) Kellner (4), Bissel (3), Schröder (2), Overby (2), Murawski (2), Schäffer (2), Haaß (1), Poser (1) für Erlangen
Zuschauer: 2251

FA Göppingen - SC Magdeburg 24:31 (12:18)
Tore:
Peric (5), Schiller (5/4), Rentschler (4), Zelenovic (4), Ritterbach (2), Sörensen (1), Schöngarth (1), Kozina (1), Sliskovic (1) für Göppingen - Pettersson (7/1), Christiansen (5), Musa (4), Musche (4/1), O'Sullivan (3), Bezjak (3), Mertens (2), Plaza Jimenez (1), Weber (1), Damgaard (1) für Magdeburg
Zuschauer: 4600

DHfK Leipzig - Rhein-Neckar Löwen 28:26 (14:11)
Tore:
Weber (10), Rojewski (6), Jurdzs (4), Wiesmach (4/2), Binder (2), Semper (1), Esche (1) für Leipzig - Sigurdsson (11/2), Kohlbacher (5), Schmid (4/1), Tollbring (2), Lipovina (1), Radivojevic (1), Fäth (1), Taleski (1) für Rhein-Neckar
Zuschauer: 5239

Bergischer HC - SG Flensburg-Handewitt 24:27 (8:13)
Tore:
Gunnarsson (8/5), Gutbrod (6), Petrovsky (3), Baean Gonzalez (2), Babak (2), Boomhouwer (2), Nippes (1) für Bergischer HC - Gottfridsson (6), Röd (5), Zachariassen (4), Lauge (3), Svan (3), Wanne (3/2), Jondal (2/2), Sogard Johannessen (1) für Flensburg
Zuschauer: 10.043 

MT Melsungen - TBV Lemgo Lippe 31:27 (16:13)
Tore:
Allendorf (7), Reichmann (4/1), Maric (4), Danner (3), Birkefeldt (3), Michael Müller (3), Philipp Müller (2), Pavlovic (2), Ignatow (1), Mikkelsen (1/1), Schneider (1) für Melsungen - Hornke (8/5), Zieker (6), Baijens (4), Klimek (3), Guardiola (3), Hübscher (2), Ebner (1) für Lemgo
Zuschauer: 4300 

Füchse Berlin - HSG Wetzlar 25:27 (14:11)
Tore:
Lindberg (8/7), Zachrisson (6), Drux (3), Schmidt (2), Reissky (2), Marsenic (2), Elisson (1), Holm (1) für Berlin - Rubin (7), Holst (5/4), Weissberger (4), Forsell Schefvert (3), Mirkulovski (3), Torbrügge (2), Cavor (2), Frend Öfors (1) für Wetzlar
Zuschauer: 8704

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