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Unruh peilt bei WM die Olympia-Qualifikation an

07.06.2019 14:54
Lisa Unruh ist bei der Bogenschießen-WM am Start
© Unknown Source
Lisa Unruh ist bei der Bogenschießen-WM am Start

Lisa Unruh kämpft in der kommenden Woche mit der deutschen Mannschaft bei der Bogenschieß-WM um die Olympia-Qualifikation. Ihre Silbermedaille von Rio 2016 löste nicht in allen Bereichen den erhofften Boom aus.

Mehr als 7,5 Millionen TV-Zuschauer waren verzückt, als Lisa Unruh am 11. August 2016 sensationell olympisches Silber gewann. Die Bühne für eine Erfolgsgeschichte der Randsportart Bogenschießen schien bereitet. Doch der ganz große Boom blieb aus. In einigen Bereichen herrscht auch drei Jahre nach Rio weiterhin immenser Nachholbedarf.

Wirtschaftlich konnte die 31 Jahre alte Berlinerin ihren Erfolg kaum veredeln: "Zu dem bereits vor Olympia bestehenden Kreis sind leider keine neuen Sponsoren hinzugekommen", sagte Unruh dem Sport-Informations-Dienst (SID). Das liegt vor allem an der fehlenden TV-Präsenz. Wenn es bei den am kommenden Montag beginnenden Bogenschieß-Weltmeisterschaften im niederländischen s'-Hertogenbosch um die Qualifikation zu den Olympischen Spielen in Tokio geht, schauen die TV-Zuschauer wieder einmal in die Röhre.

Gemeinsam mit Michelle Kroppen und Elena Richter peilt Unruh im Teamwettkampf der WM einen Platz unter den ersten Acht an, um den deutschen Bogenschützinnen frühzeitig das Maximum von drei olympischen Quotenplätzen zu sichern. Die zweimalige Hallenweltmeisterin gibt sich zuversichtlich: "Wir schießen sehr harmonisch zusammen. Wir werden das Ding machen." Das "Highlight" einer möglichen ersten WM-Einzelmedaille unter freiem Himmel rücke demgegenüber "eher in den Hintergrund", da ein erfolgreiches Einzelergebnis lediglich einen Quotenplatz zur Folge hätte.

Trainingspensum liegt bei über 40 Stunden pro Woche

Im Hinblick auf die Olympia-Quali hat die durch die Bundespolizei abgesicherte Weltschützin von 2016 ihr Trainingspensum auf über 40 Stunden pro Woche erhöht. Das umfangreiche Wintertraining wurde allerdings erschwert: In Deutschland gibt es keine 70-Meter-Trainingshalle.

Im Zuge des Olympiaerfolges sollte in Berlin bis spätestens Ende 2018 eine solche Halle entstehen, dieses Vorhaben wurde allerdings ohne Angabe von Gründen vor wenigen Monaten wieder verworfen. Dies sei, so Unruh, gerade in den Wintermonaten "ein extremer Nachteil", weil Deutschland "als einziges Land an der Weltspitze weder Halle noch ganzjährig gute klimatische Bedingungen" habe.

Entsprechend schwer ist die Europameisterin von 2007 auch in die aktuelle Saison gestartet. Aufgrund technischer Probleme, kam sie im Weltcup bislang nicht über das Achtelfinale hinaus. "Ich habe die Technik etwas umgestellt. Das hat einige Zeit gedauert. Aber die Formkurve Richtung WM passt", sagte Unruh, deren Freund Florian Kahllund mit dem Männerteam ebenfalls mit ordentlichen Aussichten in die Olympia-Quali geht.

Auch wenn der große Boom ausgeblieben ist, blickt die World-Games-Siegerin von 2017 positiv auf die Entwicklung des Bogensports seit Olympia: "Bogenschießen hat seit meinem Erfolg schon einen kleinen Lauf bekommen. Das Interesse ist merklich gewachsen. Ich war in einigen Fernsehshows eingeladen. Das wäre vorher nie denkbar gewesen." Wenn Unruh auch 2020 in Tokio wieder Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockt, könnte aus dem kleinen Lauf auch schnell ein großer werden.

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