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Letzter Titel für Deutschlands Tennis-Ikone

Vor 20 Jahren: Steffi Graf gewinnt Hass-Duell in Paris

05.06.2019 20:03
Steffi Graf gewann bei den French Open 1999 ihren letzten Titel
© Unknown Source
Steffi Graf gewann bei den French Open 1999 ihren letzten Titel

Vor genau 20 Jahren gewann Steffi Graf ihren letzten großen Titel. In einem packenden Finalduell bei den French Open schlug Deutschlands beste Tennis-Spielerin aller Zeiten die aufmüpfige Schweizerin Martina Hingis. Das Match ging als echtes Hass-Duell in die Geschichte ein.

Die damals erst 18 Jahre alte Hingis hatte die ihre prominente Kontrahentin bereits Monate vor dem Turnier verbal attackiert.

"Die Steffi ist zu lange raus aus den Turnieren, sie wird es nicht mehr schaffen, oben mitzuspielen", tönte Hingis. Und: "Die Zeiten haben sich geändert. Nur die Deutschen können das anscheinend nicht akzeptieren."

Nicht nur wegen der Provokation durch die als Top-Talent gehandelte Schweizerin war Graf in Paris hochmotiviert. Die 29-Jährige stand nach monatelanger Pause wegen einer Knie-OP vor dem Karriere-Ende.

Auf dem Sand von Roland Garros wollte sie es noch einmal allen zeigen. Alleinige Rekord-Grand-Slam-Siegerin war sie bereits, doch Titel Nummer 22 sollte her.

Brisantes Duell bei den French Open zwischen Steffi Graf und Martina Hingis

Und so ging es am 5. Juni 1999 bei zunächst windigen Verhältnissen und nasskalten 14 Grad auf dem Center-Court ins brisante Duell.

Hingis legte los wie die Feuerwehr und sicherte sich den ersten Satz mit 6:4. Grad ließ sich offenbar von der frischer wirkenden Gegnerin beeindrucken.

Doch dann ging Hingis' Temperament mit ihr durch. In Satz zwei stritt sie sich mit Oberschiedsrichterin Georginia Clark über einen nicht gegebenen Punkt, ging sogar hinüber auf Grafs Seite, um ihrem Protest mehr Ausdruck zu verleihen. Laute Pfiffe aus dem Publikum waren die Folge, die Schiedsrichterin nahm ihre Entscheidung aber nicht zurück.

In der Folge blieb die nun vollkommen bockige Hingis trotz Aufforderung durch die Unparteiische auf ihrem Stuhl sitzen, kassierte nach einem Schlägerwurf im ersten Durchgang ihre zweite Verwarnung und einen Strafpunkt.

Zwar fehlten der Favoritin beim Stande von 5:4 schließlich nur noch drei Punkte für den Titelgewinn. Aber Graf war ihrer nun wankenden Gegnerin nervlich überlegen. Die Deutsche fightete sich zurück und entschied den Durchgang für sich - eine große Willensleistung.

Steffi Graf: "Ich kann nicht glauben, dass ich das Turnier gewonnen habe"

Danach lief alles für Graf. Im Entscheidungssatz erspielte sich die gebürtige Mannheimerin ihren ersten Matchball. Hingis servierte arroganterweise von unten, konnte den Matchball unter erneuten Pfiffen von den Rängen abwehren.

Beim zweiten Matchball für Graf versuchte sie den gleichen Trick. Dieser misslang, der Ball flog ins Aus. Als sich Hingis bei der Schiedsrichterin über das angeblich zu laute Publikum beschwerte, rief Graf quer über den Platz: "Wollen wir diskutieren oder können wir einfach nur Tennis spielen?"

Beim folgenden Service xtütete die Grande Dame des deutschen Tennis das Match dank eines Rückhandfehlers der Gegnerin schließlich ein - nach 2:23 Stunden, mit 4:6, 7:5 und 6:2. 

"Ich kann nicht glauben, dass ich das Turnier gewonnen habe. Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden", sagte Graf mit Freudentränen in den Augen.

Hingis hingegen war dermaßen aufgelöst, dass sie zunächst die Siegerehrung boykottieren wollte. Erst ihre Mutter konnte sie in den Katakomben davon überzeugen, doch noch einmal auf den Platz zurückzukehren. "Steffi, du bist ein großer Champion. Ich gratuliere", flüsterte sie ins Mikrofon.

 

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