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"Ich bin super enttäuscht"

Kerber und die Blamage von Paris: Wie ein Häufchen Elend

26.05.2019 13:55
Angelique Kerber schied bei den French Open in der 1. Runde aus
© Getty Images
Angelique Kerber schied bei den French Open in der 1. Runde aus

Angelique Kerber ist bei den French Open in Paris bereits in der ersten Runde krachend gescheitert. Ihren lädierten Fuß will sie aber nicht als Ausrede gelten lassen.

Angelique Kerber glich einem Häufchen Elend. Sie warf sich ein Handtuch über die Schultern, packte ihre Schlägertasche und sah zu, dass sie den Ort der Blamage eiligst verließ.

73 Minuten nur hatte ihr Auftritt bei den French Open gedauert, kurz nach Mittag am ersten Turniertag in Paris war der ohnehin etwas vage Traum vom Karriere-Grand-Slam von einer jungen Russin namens Anastasia Potapova regelrecht zerschmettert worden. "Ich bin super enttäuscht", sagte Kerber, "ich habe schon gehofft, dass ich ein bisschen besser spiele."

Lädierter Fuß "soll keine Entschuldigung sein"

Die Weltranglistenfünfte aus Kiel verlor mit 4:6, 2:6, ihre nunmehr fünfte Erstrunden-Niederlage in Roland Garros war eindeutig. Und es war nicht zu übersehen, dass sie im erst vierten Match auf Sand in dieser Saison weit weg war von ihrer Bestform, nachdem sie sich vor fast drei Wochen beim Turnier in Madrid am rechten Sprunggelenk verletzt hatte.

Sie habe den Fuß gespürt, bekannte Kerber, sie mutmaßte auch, die French Open seien ja vielleicht "noch ein bisschen zu früh" gekommen, betonte aber auch: "Das soll keine Entschuldigung sein."

Kerber ein Bild des Jammers

Kerber hatte gegen die French-Open-Debütantin Potapova, die in der Weltrangliste auf Position 81 geführt wird, unübersehbar von Beginn an große Probleme. Die 18 Jahre alte Russin spielte ungemein druckvoll, sie drosch mit vollem Risiko auf den Ball und scheuchte die dreifache Grand-Slam-Siegerin mit ihren peitschenden Grundschlägen über den Platz.

Potapova beging ähnlich viele Fehler wie Kerber, erzielte aber wesentlich mehr direkte Punkte. Die Deutsche haderte, warf frustriert die Hände in die Höhe, schüttelte den Kopf. Sie gab ein Bild des Jammers ab.

Kerber rang ein wenig nach Worten, als sie nach dem Match auch nach der Zusammenarbeit mit ihrem Trainer Rainer Schüttler befragt wurde, der unter der Woche noch seiner Aufgabe als Turnierdirektor in Genf nachkam und erst am Samstagabend angereist war. "Der Zusammenhalt ist da, auch nach Niederlagen", sagte Kerber und beteuerte: "Da ist nichts am Brodeln."

"Ich hätte es auch sausen lassen können"

Mehrfach betonte Kerber anschließend, sie habe wegen ihrer Fußverletzung ohnehin "keine großen Erwartungen" gehabt, sie sei ja froh gewesen, es überhaupt nach Paris geschafft zu haben.

"Ich hätte es auch sausen lassen können, aber das bin ich nicht", schließlich sei sie eine Kämpferin, sagte Kerber. Immerhin, merkte sie ironisch an, habe sie jetzt eben "mehr Zeit als erwartet", um ihren Fuß auszukurieren. "Ich kann mich jetzt darauf freuen, auf Gras zu spielen." Dieser Belag ist ihr ohnehin lieber als die rote Asche.

Glaube an Karriere-Grand-Slam immer noch da

"Paris und ich, das ist eine Geschichte für sich", sagte Kerber zum Abschied. Den Glauben an einen Sieg in Roland Garros und damit nach den Triumphen bei den Australian Open, den US Open (beide 2016) und in Wimbledon (2018) die Vollendung des Karriere-Grand-Slams hat sie aber angeblich noch nicht aufgegeben.

"Der Glaube ist immer noch da", versicherte sie. Überzeugt klangt das nicht. Steffi Graf, die zuletzt 1999 gewann, wird wohl noch lange die letzte deutsche Siegerin in Paris bleiben.

 

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