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Ex-Skispringer Roglic fliegt dem Giro-Sieg entgegen

20.05.2019 13:16
Primoz Roglic (hier bei der Tour de France) will beim Giro weiter für Furore sorgen
© getty, Chris Graythen
Primoz Roglic (hier bei der Tour de France) will beim Giro weiter für Furore sorgen

Primoz Roglic fährt beim Giro d'Italia dem ersten Gesamtsieg bei einer großen Landesrundfahrt entgegen. Der Weg in den Radsport war für das ehemalige Skisprung-Toptalent ein ungewöhnlicher.

Ohne gute Nachbarschaft wäre der Giro d'Italia für Primoz Roglic wohl immer unerreichbar geblieben. Der Traum vom Fliegen hatte sich für den Skispringer auf schmerzhafte Weise zerschlagen, und auch das Talent, Berge förmlich hinaufzuschweben, drohte ohne eigenes Rad ungenutzt zu bleiben. "Ich habe mir dann eines von meinem Nachbarn geliehen. Es war kein Renn-, sondern ein normales Straßenrad. Im Wettkampf war das fürchterlich", erinnerte sich Roglic.

Bei Duathlon-Wettkämpfen (Laufen-Radfahren-Laufen, d. Red.) suchte Roglic nach dem unfreiwilligen Ende seines ersten Sportlerlebens eine neue Herausforderung. Eine Windböe hatte den frischgebackenen Junioren-Weltmeister im Training zum Weltcup-Fliegen in Planica von den Brettern geholt, den Anschluss nach ganz oben stellte der Bruchpilot nach dem Unglück im März 2007 nie wieder her.

Der schwere Sturz sollte sich dennoch als großes Glück herausstellen. "Ich wollte der beste Skispringer der Welt werden, der Traum hat sich nicht erfüllt", sagt Roglic: "Deshalb habe ich umgedacht und etwas anderes gemacht."

Über den Duathlon führte sein Weg vor sieben Jahren zum Radsport, das Straßenrad des Nachbarn ersetzte er durch ein eigenes Wettkampf-Bike, nach einem Jahr wurde er Profi - und mittlerweile hat er es auf dem zweiten Bildungsweg zu einem der Weltbesten gebracht. Der Profi vom Team Jumbo-Visma ist nicht erst seit seinem dominanten Erfolg beim Einzelzeitfahren der neunten Etappe am Sonntag erster Anwärter auf den Gesamtsieg beim 102. Giro d'Italia.

Roglic hat eine Karriere wie aus dem Märchenbuch hingelegt. Die Saison 2019 bildet dabei den vorläufigen Höhepunkt. Vor der Italien-Rundfahrt absolvierte der 29-Jährige drei Etappenrennen (UAE Tour, Tirreno-Adriatico und Tour de Romandie) - er gewann sie alle.

Es spricht einiges dafür, dass Roglic - im Vorjahr Gesamtvierter der Tour de France - beim Giro den nächsten Triumph einfährt und erstmals eine große Landesrundfahrt gewinnt. Roglic ist der Konkurrenz schon vor den schweren Bergetappen enteilt - seiner Qualität im Kampf gegen die Uhr sei Dank.

Team als Schwachstelle?

"Der Sieg ist keine Überraschung für mich, es war ein Zeitfahren", sagte Roglic nach dem Erfolg in San Marino, dem zweiten Zeitfahr-Sieg beim Giro 2019: "Aber so lange das Rennen läuft, kann noch so viel passieren. Es ist nicht vorbei, bis wir den Zielstrich in Verona erreichen."

Seine Rivalen, die am Sonntag klar distanziert wurden, müssen sich in den Bergen steigern. Der italienische Hoffnungsträger Vincenzo Nibali (Bahrain-Merida) hat bereits 1:44 Minuten Rückstand. Noch mehr Polster hat Roglic, derzeit noch Gesamtzweiter hinter Valerio Conti (UAE Team Emirates), auf den Briten Simon Yates (Mitchelton-Scott/3:46) oder Miguel Angel Lopez aus Kolumbien (Astana/4:29) herausgefahren. Als Schwachstelle könnte sich für Roglic allerdings sein bereits dezimiertes Team erweisen.

Das Magila Rosa, das Trikot des Gesamtführenden, dürfte Roglic dem Italiener Conti dennoch spätestens in den Bergen wieder entreißen. Es soll nicht der letzte Traum sein, den sich Roglic auf dem Rad erfüllt.

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