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"Können nichts dagegen tun ..."

Mercedes verteidigt sich gegen Langeweile-Vorwurf

13.05.2019 14:24
In Barcelona feierten Hamilton und Bottas den fünften Doppelsieg in Serie
© getty, Charles Coates
In Barcelona feierten Hamilton und Bottas den fünften Doppelsieg in Serie

Laut den nackten Zahlen ist die Formel-1-Saison 2019 nach den ersten fünf Rennen die einseitigste aller Zeiten. Mercedes feierte in den ersten fünf Grands Prix fünf Doppelsiege - das schaffte in der Geschichte der Königsklasse noch kein Team zuvor. Seit 2014 haben die Silberpfeile jeden Titel geholt, den es zu gewinnen gab. Und momentan scheint die Dominanz größer denn je zu sein.

Dieser Leistung gebührt Respekt. Doch wie immer, wenn ein Team in irgendeinem Sport dominiert, kommt auch Kritik auf. Von einigen Fans heißt es, Mercedes mache die Formel 1 zu vorhersehbar und langweilig. Auch Teamchef Toto Wolff wurde mit dieser These bereits mehrfach konfrontiert. "Ich bin in einer unangenehmen Situation", verrät der Österreicher.

Er korrigiert jedoch gleich: "Eigentlich ist die Position nicht unangenehm sondern ziemlich klar, denn wir versuchen einfach, so gut wie möglich zu performen." Wolff sieht zwar auch die andere Seite und weiß: "Als Fan möchtest du natürlich Abwechslung und Unvorhersehbarkeit." Gleichzeitig stellt er jedoch klar: "Für uns kann das aber kein Ziel sein."

Horner hat Verständnis für Wolffs Situation

Zuspruch erhält er ausgerechnet von Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "[Für Spannung zu sorgen] ist nicht dein Job, wenn du ein Team leitest. Du bist für den Speed der Autos verantwortlich", erklärt er. Horner weiß, wovon er spricht. Zwischen 2010 und 2013 dominierte Red Bull die Formel 1 so, wie Mercedes es heute tut. Viermal in Folge wurden die Bullen damals Weltmeister.

Horner erinnert sich zurück und erklärt, dass die Titel in den Jahren 2010 und 2012 die beiden schönsten gewesen seien, weil die Entscheidung jeweils erst im letzten Rennen fiel. Trotzdem stellt er noch einmal klar: "Wenn man ein Team leitet, dann ist man [nur] für das Team verantwortlich." Und nicht dafür, dass es spannend ist. Muss sich Mercedes für den aktuellen Erfolg also wirklich rechtfertigen?

"Für mich ist diese Frage schwierig zu beantworten", grübelt Wolff, als man ihm die Frage stellt, ob die Formel 1 aktuell spannend sei. "Wir versuchen als Gruppe, jeden Tag und jedes Jahr besser zu werden", erklärt er und ergänzt: "Jeder bei Mercedes strengt sich an und ist sehr motiviert, unsere Ergebnisse aus den vergangenen Jahren zu übertreffen. Das ist unser Hauptziel, das treibt uns jeden Tag an."

Sechster Titel? Wolff bleibt skeptisch

"Wir können aus unserer Position gar nicht infrage stellen, ob Leistungen wie in den ersten [fünf] Rennen gut oder schlecht für die Formel 1 sind. Wir können nichts dagegen tun. Wir geben unser Bestes, wir lieben, was wir tun", so Wolff. Er verrät: "Wenn du bei uns durchgehst, siehst du zufriedene Menschen, die Freude an dem haben, was sie tun. Es ist eine gelassene, positive Atmosphäre."

"In der Situation zu sein, fünf Weltmeisterschaften gewonnen zu haben und uns die Möglichkeit erarbeitet zu haben, um eine sechste zu kämpfen, ist ein Privileg. Das hat noch nie jemand geschafft", erinnert er. Zwar schaffte es Ferrari zwischen 1999 und 2004 bereits, sechsmal in Folge die Konstrukteurs-WM zu gewinnen. Im gleichen Zeitraum siegt man aber "nur" fünfmal in der Fahrer-WM.

Mercedes hat als erstes Team die Möglichkeit, sechsmal in Folge beide Titel abzuräumen. Und nach den ersten fünf Saisonrennen 2019 hat kaum einer Zweifel daran, dass es auch so kommen wird. Der größte Skeptiker ist wie so oft Wolff selbst. In Barcelona habe man eines der stärksten Wochenenden gehabt, "das wir seit Jahren hatten." Doch das könne sich ganz schnell wieder ändern.

Reißt die Serie in Monaco?

Auf die Frage, ob er bereits vom sechsten Titel träume, antwortet er mit einem klaren: "Nein." Wolff erklärt: "Man muss bescheiden und mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben. Wir haben [2019] fünfmal eine fantastische Leistung gezeigt und fünf Doppelsiege geholt. Aber wir sehen das nicht als selbstverständlich an. Wir sagen das nicht nur so, es ist wirklich unsere Einstellung."

"Die nächsten beiden Wochen werden eine enorme Herausforderung für uns. In Monaco hatten wir in den vergangenen Jahren nie die Performance", erinnert er. Vor allem 2018 sei Red Bull im Fürstentum "in einer eigenen Liga" gewesen. Tatsächlich konnten die Silberpfeile in Monaco seit 2016 nicht mehr gewinnen. "Wir müssen es Schritt für Schritt angehen", warnt Wolff daher.

Zudem ist die Saison noch lang. Erst fünf von 21 Rennen sind absolviert. Im Hinblick auf Ferrari und Red Bull erklärt Wolff: "Beide Teams haben die richtigen Ressourcen und Werkzeuge, mit denen sie schnell zurückgeschlagen können." In der Konstrukteurs-WM liegen Ferrari und Red Bull aktuell 96 beziehungsweise 130 Punkte zurück. In der Fahrer-WM fehlen Verstappen 46, Vettel 48 Zähler auf Hamilton.

Bestes Team aller Zeiten? Wolff will nicht "arrogant" sein

Etwas Historisches könnte Mercedes bereits in Monaco schaffen, denn sechs Doppelsiege in Folge gab es in der Formel-1-Geschichte noch nie. Wolff will trotzdem nichts davon wissen, dass Mercedes das vielleicht beste Team aller Zeiten sei. Es sei "arrogant", das zu behaupten. "Es liegt nicht an uns, das zu beurteilen. Für uns geht es darum, die Ergebnisse zu holen", stellt er klar.

"In zehn oder 20 Jahren" könne man möglicherweise stolz auf diese Zeit zurückblicken. Aktuell ist das für Wolff und Co. aber noch kein Thema. Denn das Mercedes-Abenteuer in der Formel 1 ist noch lange nicht vorbei. "Das Commitment ist absolut da, weil gerade der Vorstand auch in schwierigen Zeiten zur Formel 1 gestanden ist. 2010, 2011 und 2012 ist es wirklich rückwärts gegangen", erklärt Wolff im 'ORF'.

"Da waren wir teilweise nicht einmal in den Top 10", erinnert er und erklärt: "Jetzt ernten wir die Früchte, auch für die Marke. [...] Die Formel 1 macht für Mercedes Sinn." Ein Ausstieg sei "im Moment" kein Thema. "Was in zehn Jahren ist, wissen wir nicht. Ob wir alle elektrisch oder Hybrid fahren, ob es die Automobilindustrie in der Form noch gibt, wie sie heute ist. Aber kurz- und mittelfristig bleiben wir dabei", so Wolff.

Für die Konkurrenz ist das keine gute Nachricht.

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