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Nach Derby-Sieg

Kiel stichelt: Kriegt Flensburg die Meisterflatter?

13.05.2019 12:29
Die Kieler hatten gegen Flensburg gut lachen
Die Kieler hatten gegen Flensburg gut lachen

Hochspannung in der Handball-Bundesliga: Kriegt Flensburg doch noch die Meisterflatter? Nach der Derby-Pleite in Kiel ist das Titelrennen plötzlich wieder richtig spannend.

Alfred Gislason nahm das letzte Geschenk des Tages gar nicht so gerne entgegen. "Seit Monaten" werden dem Isländer, dessen Ära beim THW Kiel nach der Saison endet, Präsente zum Abschied überreicht. "Das letzte Mal hier, das letzte Mal da. Das hat schon ein bisschen genervt", sagte der 59-Jährige. Diesmal bekam der Trainer nun "das erste Mal zu Hause" etwas in die Hand gedrückt - ausgerechnet vom großen Titelrivalen. Flensburgs Geschäftsführer Dierk Schmäschke schenkte Gislason nach der Derby-Pleite eine ordentliche Flasche Gin.

Vorher hatte Gislason die Geschenke der Flensburger in Form von vergebenen Möglichkeiten nur zu gerne angenommen. Und so könnte der Erfolgstrainer bald einen guten Grund haben, die hochprozentige Spirituose zu öffnen - das Titelrennen in der Handball-Bundesliga ist jedenfalls plötzlich wieder richtig spannend. "Unser Ziel war es, noch ein bisschen Spaß im Kampf um die Meisterschaft zu haben", sagte Gislason nach dem 20:18 gegen den Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt: "Jetzt ist dieser kleine Funken Hoffnung da."

Und die DHB-Pokalsieger aus Kiel hoffen vor allem, dass der Rivale aus dem Norden jetzt die Meisterflatter bekommt. "Flensburg hat jetzt den Druck", stichelte Kiels überragender Torwart Niklas Landin, nachdem der THW nach Pluspunkten mit Flensburg gleichgezogen hatte. Das Team von Maik Machulla hat aber eine Partie weniger gespielt. Gegen Melsungen, Stuttgart, Berlin und den Bergischen HC darf sich der Titelverteidiger nun keinen Ausrutscher mehr erlauben. "Wir haben es noch in der eigenen Hand", sagte Schmäschke trotzig.

Doch in Kiel hoffen sie, dass sich Geschichte wiederholt. In der Vorsaison verspielten die Rhein-Neckar Löwen auf der Zielgeraden noch einen komfortablen Vorsprung - und stolperten unter anderem gegen Melsungen. Nutznießer war Flensburg, diesmal jagen die Zebras.

Pekeler setzt Flensburg unter Druck

"Ich habe das selber erlebt. Mit den Löwen einen Vorsprung gehabt und dann gegen Melsungen verloren", sagte Nationalspieler Hendrik Pekeler, der vor der Saison nach Kiel gewechselt war, und eröffnete das Psychoduell mit Flensburg: "Die müssen jetzt jedes Spiel gewinnen. Und dann wollen wir mal sehen, ob die das können." Ein Unentschieden kann sich die SG allerdings noch erlauben.

Die Flensburger wollen den Rückschlag jetzt "schnell abhaken" und sich auf ihren "Job konzentrieren", sagte Schmäschke. Und Machulla bangt zwar um den Ausfall seines Kapitäns Tobias Karlsson (Rückenverletzung), glaubt aber weiter an das ganz große Ziel. Sie wären gerne einen "größeren Schritt gegangen", halten aber die "Meisterschaft weiter in eigenen Händen. Nun müssen wir bis zum Ende die ganze Runde drehen."

Für Kiel steht nun am Freitag und Samstag aber erst einmal das Final Four im EHF-Pokal im eigenen Wohnzimmer an. "Die nächste Riesen-Sache", sagte Kiels Sportlicher Leiter Viktor Szilagyi. Und vielleicht verabschiedet sich Gislason am Ende ja noch einmal mit einem Triple.

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