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Nach 20 Jahren Eishockey: Goc erfüllt sich Meister-Traum

27.04.2019 10:15
Für Marcel Goc ist die DEL-Meisterschaft erlösend
© getty, Christian Kaspar-Bartke
Für Marcel Goc ist die DEL-Meisterschaft erlösend

Mit den Mannheimer Adlern hat sich Olympia-Kapitän Marcel Goc doch noch den Traum vom ersten Meistertitel seiner langen Karriere erfüllt. Für Rekordtorjäger Michael Wolf endet die Karriere dagegen ohne erneute Titelfeier.

Olympiaheld David Wolf schüttelte immer wieder die goldene Magnumflasche und duschte die Mannheimer Meisterspieler mit Champagner. Aus den überdimensionalen Lautsprechern dröhnte der Partyklassiker "Wahnsinn", 13.600 Fans tobten - und doch fand Marcel Goc mitten im Jubelorkan einen Moment der Besinnung. "Ich habe jetzt 20 Jahre gespielt, und es ist mein erster Meistertitel", sagte der 35-Jährige: "das Warten hat sich gelohnt."

Nach dem sensationellen Olympia-Silber vor 14 Monaten, als er die deutschen Überflieger als Kapitän ins Endspiel von Pyeongchang geführt hatte, trug der langjährige NHL-Stürmer nun Gold um den Hals. Die Medaille der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nach dem dramatischen 5:4 nach Verlängerung im fünften Playoff-Finale gegen den entthronten Serienmeister Red Bull München war der sichtbare Beleg: Goc, der 1999 für seinen Heimatverein Schwenningen seine ersten DEL-Spiele bestritt und in Nordamerika zwölf Jahre lang vergeblich dem Stanley Cup hinterherlief, ist endlich am Ziel.

Erlösender Titel für Goc

"Solche Möglichkeiten hast du nicht oft", gab der Ex-Nationalspieler zu. Der Titel nach so langer Wartezeit sei "befreiend, erlösend". Vor allem, weil auch eine lange Leidenszeit endete. Seit er vor drei Jahren nach Mannheim zurückgekehrt war, warfen ihn immer wieder schwere Verletzungen aus der Bahn, "wenn die Kniescheibe bricht oder ein Kreuzband reißt, da steckst nicht drin. Ich bin den Physios auf die Nerven gegangen."

Goc, in Mannheim in der vierten Reihe vor allem für Defensivarbeit zuständig, hatte mit seiner besten Leistung in den Playoffs maßgeblich dazu beigetragen, dass der DEL-Silberpokal nach drei Jahren in München nach Mannheim zurückkehrte. Mit einem Tor und einer mustergültigen Vorlage hatte er die Mannheimer auf Titelkurs gebracht, ehe die aufopferungsvoll kämpfenden Münchner noch die Verlängerung erzwangen - nach dem "Sudden death" durch Thomas Larkin (74.) aber doch den Thron räumen mussten.

Standing Ovations für Michael Wolf

So verließ auch Michael Wolf nach dem letzten Spiel seiner Karriere das Eis als Verlierer. "Ich war 18 Jahre als Profi unterwegs", sagte der Rekordtorjäger, der nach 327 Treffern in 782 DEL-Spielen die Schlittschuhe an den Nagel hängt, "ich habe es nicht nur aus Spaß gemacht, ich hab's gelebt." Als die Mannheimer Fans den Münchner Kapitän vor der Siegerehrung mit Standing Ovations verabschiedeten, hatte der 38-Jährige Tränen in den Augen: "Das war unerwartet und mir fast unangenehm."

Ohne ihr Aushängeschild müssen die Münchner, die in den vergangenen Jahren das Maß aller Dinge waren, in Zukunft mit dem neuen Meister um die Vorherrschaft in der DEL streiten. Von einer Wachablösung wollten die Adler nach ihrem insgesamt achten Titel aber noch nicht reden. "Man sollte die Füße auf dem Boden lassen", meinte David Wolf: "Wir haben eine tolle Saison gespielt, aber München hat in den letzten drei Jahren Riesengroßes geleistet. Sie vom Thron zu schmeißen, macht natürlich Lust auf mehr, aber es ist noch ein langer Weg dahin."

Adler haben aus den "Fehlern der Vergangenheit gelernt"

Auch Adler-Boss Daniel Hopp wollte noch nicht in die Zukunft blicken. "Wir haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt", sagte der Sohn des SAP-Gründers Dietmar Hopp, der den Mannheimer Traditionsklub mit seinen Millionen-Zuwendungen zum Branchenführer machte - ehe München dank der Red-Bull-Finanzspritzen ihm den Rang ablief.

Nach jahrelangen Enttäuschungen trotz großer Investitionen hatte Hopp im vergangenen Jahr "alles auf den Kopf gestellt" und "den größten Umbruch in der Vereinsgeschichte" ausgerufen - mit schnellstmöglichem Erfolg: "Wenn du Meister wirst, hast du vieles richtig gemacht." Vor allem die Verpflichtung von Trainer Pavel Gross, der zuvor mit Wolfsburg drei Finalserien verloren hatte, war ein Glücksgriff. "Er ist ein Gewinnertyp", meinte David Wolf: "Einer, der für den Erfolg durch die Wand geht."

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