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"Bisschen überheblich": Warnschuss trotz Draisaitl-Show

26.04.2019 13:14
Leon Draisaitl traf gegen Österreich doppelt
© getty, Martin Rose
Leon Draisaitl traf gegen Österreich doppelt

Erst verzückte Topstar Leon Draisaitl das Publikum, dann verdaddelte die deutsche Nationalmannschaft im Test gegen Österreich den sicher geglaubten Sieg. Das überflüssige 2:3 war zwei Wochen vor dem WM-Start ein Warnschuss.

Als die Leon-Draisaitl-Show gerade in vollem Gange war, hatte die Dramaturgie des Spiels eine unerwartete Wendung vorgesehen. Statt eines klaren Sieges gegen Österreich und Begeisterungsstürmen für den NHL-Topstar gab es ein komplett vermeidbares 2:3 (1:0, 1:1, 0:2) und deshalb durchaus kritische Worte wegen der überaus leichtfertig hergeschenkten Zwei-Tore-Führung.

"30 Minuten waren okay, aber dann haben wir uns selbst in den Fuß geschossen", sagte Bundestrainer Toni Söderholm nach dem fünften WM-Test, der ohne Weiteres auch ein 6:1 hätte bringen können. Kapitän Korbinian Holzer monierte: "Wir müssen uns das selber zuschreiben. Zum Schluss haben wir ein bisschen überheblich gespielt und gemeint, es geht auch so."

Ging es aber nicht, und das Staunen im Publikum über Draisaitls außergewöhnliche Qualität, die sich mit einem Doppelpack (18., 25.) auch zählbar niederschlug, blieb lediglich ein Teilaspekt. "Ihr seht ihn ja nicht so oft wie ich, deswegen hat mich das weniger überrascht", sagte Holzer schmunzelnd, der ebenso wie Draisaitl in der nordamerikanischen Topliga NHL unter Vertrag steht.

Holzer über Draisaitl: "Sehr wichtiger Baustein"

Der Verteidiger der Anaheim Ducks sagte über den herausragenden Stürmer der Edmonton Oilers: "Es ist immer gefährlich, wenn der Leon auf dem Eis ist. Er kreiert Raum und Zeit für die Mitspieler und abschließen kann er auch. Leon ist für uns ein sehr wichtiger Baustein." Söderholm hofft, dass es in Richtung WM "besser und besser wird", denn Draisaitl stand auch bei zwei der drei Gegentore auf dem Eis.

Der 23-Jährige selbst sprach nicht über seine Eindrücke zum ersten DEB-Einsatz seit der WM 2018, er erhielt eine Redepause, er solle erstmal richtig ankommen, hieß es von Seiten des Deutschen Eishockey Bundes (DEB). Anpassungsprobleme auf dem Eis, die Draisaitl zuvor selbst vermutet hatte, waren nicht zu erkennen, er harmonierte offensiv prima mit seinen Sturmpartnern Frederik Tiffels und Marc Michaelis.

Defensivverhalten bereitet Söderholm noch ziemliche Sorgenfalten

Anlass zur Sorge gab das Defensivverhalten des Teams. 13 Gegentreffer hat die DEB-Auswahl in den letzten drei WM-Vorbereitungsspielen hinnehmen müssen, ein inakzeptabler Wert. "Wir geben das Momentum weg, weil wir nicht clever genug sind und den Gegner rein ins Spiel lassen", bemängelte Söderholm und zielte dabei vor allem auf die Reaktion nach eigenen Puckverlusten im Offensivdrittel: "Wir müssen auch immer das Scheibenspiel als defensives Spiel sehen."

Gelegenheit, die Eindrücke zu revidieren, bietet sich am Samstag in Deggendorf im zweiten Duell gegen die Österreicher (20:00 Uhr). "Ich möchte klare Entscheidungen sehen, dass wir entschlossener spielen", forderte Söderholm für den vorletzten WM-Härtetest. Danach folgt am 7. Mai gegen die USA nur noch die Generalprobe für das Turnier in der Slowakei (10. bis 26. Mai), bei dem es am 11. Mai gegen Aufsteiger Großbritannien ernst wird.

"Wir müssen die richtige Balance finden und schnell für klare Verhältnisse sorgen", sagte Holzer, während der dritte NHL-Profi im DEB-Team ganz cool blieb. Das Österreich-Spiel ein Warnschuss? "Ich würde nicht so negativ reden", entgegnete Dominik Kahun von den Chicago Blackhawks. Er findet: "Bis zur WM wird alles gut." Und Leon Draisaitl gewiss noch stärker.

 

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