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Ex-Weltmeisterin Schäfer verpasst Balkenmedaille

14.04.2019 14:36
Verpasste EM-Medaille am Schwebebalken: Pauline Schäfer
Verpasste EM-Medaille am Schwebebalken: Pauline Schäfer

Ihre Kieferknochen mahlten, der Blick war leer: Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer muss bei europäischen Titelkämpfen weiterhin auf ihre erste Medaille am Schwebebalken warten. Nach einem Sturz und drei gehörigen Wacklern reichte es für die Chemnitzerin in Stettin nur zum sechsten Platz.

Schon beim Aufgang wirkte die 22-Jährige unsicher, diese Nervosität setzte sich während der Übung fort. Ihren Schäfer-Salto konnte die Sportsoldatin gerade noch stehen, doch nach einem gymnastischen Sprung musste sie den lediglich zehn Zentimeter breiten Balken unfreiwillig verlassen.

Schäfer ließ damit eine große Chance auf Edelmetall liegen, denn auch ihre Konkurrentinnen waren alles andere als fehlerfrei. Am Ende setzte sich Alice Kinsella aus Großbritannien vor den Französinnen Mélanie de Jesus dos Santos und Lorette Charpy durch. Mit einem fehlerfreien Vortrag wäre für die gebürtige Saarländerin Rang drei locker möglich gewesen.

Schäfers Teamkolleginnen hatten indes in Polen gar nichts zu bestellen. Allerdings hatten sich auch mehrere Topturnerinnen in Absprache mit dem Verband eine Auszeit genommen, darunter die Stuttgarterin Elisabeth Seitz, WM-Dritte am Stufenbarren, und Sophie Scheder aus Chemnitz, 2016 Olympiadritte am gleichen Gerät.

Herren enttäuschen auf ganzer Linie

Besonders problematisch ist die sportliche Lage bei den Männern. Ein halbes Jahr vor der Heim-WM war die internationale Generalprobe eine Enttäuschung, und Bundestrainer Andreas Hirsch wich kritischen Fragen dazu auch nicht aus.

"Unsere Kaderdecke ist erkennbar dünn. Wir haben da wenig Austauschmöglichkeiten. Und es ist leider auch ein Problem, das wir nicht sofort lösen können", sagte der Chefcoach, der sich von seinen Schützlingen durch einen einwöchigen Trainingslehrgang im Mai zusammen mit der russischen Riege in deren Camp vor den Toren Moskaus mehr Stabilität erhofft.

Tatsächlich hat der Berliner personell wenig in der Hinterhand. Spekuliert werden darf bestenfalls auf ein rechtzeitiges Comeback von Andreas Bretschneider. Der Reckspezialist aus Chemnitz hatte sich im September vergangenen Jahres die Achillessehne gerissen, befindet sich aber mittlerweile wieder im Aufbautraining.

Olympia-Held Toba einziger Lichtblick  

Umso wichtiger, dass zumindest Andreas Toba in der Netto-Arena mit zwölf Übungen ohne Sturz und Rang elf im Mehrkampf aufsteigende Form nachweisen konnte. Nach langer Leidenszeit zog der Hannoveraner folgerichtig auch ein positives Fazit.

"Es macht wieder Spaß und die EM hat mir gezeigt, dass ich in der richtigen Richtung trainiert habe", sagte der "Hero de Janeiro", der seit den olympischen Tagen in Brasilien 2016 immer wieder mit Knieproblemen zu kämpfen hatte.

2020 werden die europäischen Titelkämpfe wieder nach Geschlechtern getrennt ausgetragen. Die EM-Schauplätze sind im Mai kommenden Jahres Paris (Frauen) und Baku (Männer).

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