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"Ist Ronaldo die Athletik, ist Joao Félix die Poesie"

Joao Felix: Vom Porto-Flop zum Fußball-Poeten

18.04.2019 15:09
Erzielte drei Treffer gegen Eintracht Frankfurt: Joao Felix (r.)
© getty, Octavio Passos
Erzielte drei Treffer gegen Eintracht Frankfurt: Joao Felix (r.)

Der jüngste Dreifachtorschütze der Europa-League-Historie wirkt mit seiner schmächtigen Figur und der Zahnspange im Bubi-Gesicht nicht sehr Angst einflößend.

Doch auf dem Rasen lehrt Benfica Lissabons Wunderkind Joao Felix die Gegner das Fürchten. Mit seinem Gala-Auftritt beim 4:2 gegen Eintracht Frankfurt im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League hat der 19-Jährige vor den Augen zahlreicher Scouts seine Extra-Klasse bewiesen und weitere Begehrlichkeiten bei Europas Topklubs geweckt.

"Der portugiesische Fußball kann stolz sein, wieder solch ein Jahrhunderttalent zu haben. Er ist torgefährlich, unglaublich abgeklärt und spielintelligent", lobte selbst Eintracht-Trainer Adi Hütter den überragenden Mann des Abends. "Er ist nicht nur Goalgetter, sonder auch Vorbereiter. Wenn er so weiter spielt, wird er nicht lange bei Benfica bleiben."


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Auch der FC Bayern soll Interesse haben

Auch Rekordmeister Bayern München soll Interesse an Joao Felix haben, dessen Vertrag bis 2023 eine Ausstiegsklausel über 120 Millionen Euro beinhaltet.

Dabei kam seine Karriere nur schleppend in Gang. In der Jugend des FC Porto verlor man schnell den Glauben an den Fußball-Schöngeist: zu schmächtig war das Talent, zu sehr raubten ihm die körperlich überlegenen Kontrahenten den Spaß am Spiel.

Letztlich ließ man ihn 2015 ablösefrei zum Erzrivalen Benfica - ein fataler Irrtum. Nachdem er in den vergangenen Jahren beim Benfica-Unterbau überzeugte, startet Felix seit dieser Saison bei den Profis durch.

Beim Liga-Spiel gegen Boavista Porto gab der Kreativspieler im vergangenen August sein Profidebüt. Beim zweiten Kurzeinsatz in der Liga erzielte Joao Felix auf Anhieb den wichtigen Treffer zum 1:1 gegen Stadt-Konkurrent Sporting, es folgte der erste Startelf-Einsatz (wieder ein Tor). Seit Januar 2019 ist der Edeltechniker fester Bestandteil der ersten Elf.

Leistungsträger bei Benfica

Mit elf Toren und sieben Assists hat Felix großen Anteil daran, dass Benfica die portugiesische Liga nach 29 Spieltagen aufgrund der besseren Tordifferenz vor dem FC Porto anführt.

Dabei zeichnet Felix neben der starken Technik besonders seine Ruhe am Ball aus, wie auch sein ehemaliger Jugendtrainer Joao Tralhao meint: "Für sein Alter ist er schon ein sehr kompletter Spieler. Auch auf emotionaler und mentaler Ebene ist er schon sehr stark."

Darüber hinaus ist der Portugiese taktisch flexibel einsetzbar. So agiert Felix zumeist als hängende Spitze. Doch auch im Sturmzentrum als auch auf beiden Außenbahnen kam der Lissabon-Profi schon zum Einsatz.

Neuer Ronaldo? Benfica-Trainer bremst

Gegen Eintracht Frankfurt sorgte Felix vergangene Woche nun also erstmals auch auf europäischer Bühne für Furore. Aufgrund seines imposanten Aufstiegs bezeichnete der amerikanische Sportsender "ESPN" den Spielmacher im Anschluss gar als den "neuen Ronaldo".

Dabei unterscheidet sich der Senkrechtstarter in seinen Anlagen durchaus von seinem überragenden Landsmann. "War Cristiano Ronaldo immer die Athletik, ist der schmächtige Joao Félix eher die Poesie", brachte die "Neue Zürcher Zeitung" das Spiel des leichtfüßigen Joao Félix auf den Punkt. 

Benfica-Trainer Bruno Lage warnte jedoch jüngst vor zu großer Erwartungshaltung: "Wir werden Joao Félix jetzt nicht direkt zum Superhelden machen. Er ist ein fantastischer Spieler, muss aber technisch und auch taktisch noch eine Menge lernen", so der 42-Jährige: "Wir wollen ihn nicht unter Druck setzen. Er soll einfach weiter sein Spiel durchziehen und daran wachsen."

Fest steht: Felix hat das Potenzial um in Zukunft einer der besten Spieler der Welt zu werden. Gegen Eintracht Frankfurt (ab 21 Uhr im Live-Ticker) geht es für den Youngster mit Benfica nun jedoch erst einmal um den Einzug in der Halbfinale der Europa League. Bei einem Weiterkommen würde für Lissabon zudem der Traum vom ersten europäischen Titelgewinn seit 1962 weiter leben.

 

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