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Vorwurf des Missbrauchs

Sponsor verbietet Sportlern Einnahme von Medikament

05.04.2019 12:23
Die Jumbo-Visma-Mannschaft um Tony Martin engagiert sich gegen Hormon-Präparate
Die Jumbo-Visma-Mannschaft um Tony Martin engagiert sich gegen Hormon-Präparate

Der niederländische Sponsor Jumbo-Visma hat Athleten aus den von ihm unterstützten Sport-Mannschaften die Einnahme eines Schilddrüsenhormons verboten. Für Jumbo-Visma starten unter anderem der deutsche Radsportstar Tony Martin und die Eisschnelllauf-Olympiasieger Sven Kramer und Kjeld Nuis.

"Wer das Medikament Thyrax einnimmt, kommt nicht ins Team, auch wenn es notwendig sein sollte", sagte Teamarzt Gee van Enst in der TV-Sendung "Nieuwsuur". Das Medikament steht nicht auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, steht aber dennoch in der Kritik.

Anlass des Vorstoßes sind Vorwürfe von Medikamentenmissbrauch im niederländischen Eisschnelllauf bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang. Überdurchschnittlich viele Eisschnellläufer gaben bei Dopingkontrollen an, Thyrax einzunehmen.

Unter anderem hatten Rekord-Olympiasiegerin Ireen Wüst und die Massenstart-Olympiadritte Irene Schouten zugegeben, das Schilddrüsenmedikament von ihren Ärzten verordnet bekommen zu haben. 

Als Konsequenz hatte der niederländische olympische Sportbund NOCNSF vor einigen Wochen beschlossen, dass Sportärzte keine Hormonpräparate mehr verschreiben dürfen. Sie müssen Leistungssportler an neutrale Fachärzte überweisen.

Medikament erhöht Herzinfarkt-Gefahr

Seit Jahren versucht die niederländische Anti-Doping-Agentur "Doping-Autoriteit" vergeblich, das Mittel auf die Liste der verbotenen Stoffe der WADA setzen zu lassen. Eine leistungssteigernde Wirkung ist nicht bewiesen, für gesunde Menschen bestehen jedoch große Gesundheitsgefahren wie zum Beispiel Herzinfarkte.

Von neuen Mitgliedern der Jumbo-Visma-Mannschaften werden inzwischen Haarproben analysiert, um festzustellen, ob sie in der Vergangenheit verbotene oder umstrittene Medikamente eingenommen haben. Um Doping zu verhindern, werden seit einiger Zeit auch die Blutwerte der Teammitglieder kontrolliert.

Für unnötige Medikamenteneinnahme hat Sportarzt van Enst kein Verständnis. "Ich habe zehn Jahre lang auf hohem Niveau gerudert. Damals hatte niemand Probleme mit seinen Lungen oder mit der Schilddrüse", sagte der frühere Ruderer, der 1968 im Holland-Achter an den Olympischen Sommerspielen in Mexiko teilgenommen hatte.

"Warum haben gesunde Sportler Thyrax oder andere Medikamente nötig? Es ist nicht normal, es gehört sich nicht, dass es im niederländischen Eisschnelllauf so viele Personen gibt, die als chronisch Kranke Medizin einnehmen. Bewegen muss zu weniger Medikamenten führen und nicht umgekehrt", sagte der 74-Jährige, der als erster Niederländer eine Sportarztausbildung absolviert hat.

 

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