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Politt der deutsche Hoffnungsträger bei den Klassikern

03.04.2019 12:49
Nils Politt will bei den großen Klassikern überzeugen
Nils Politt will bei den großen Klassikern überzeugen

In Nils Politt wächst ein weiterer deutscher Klassikerspezialist heran. Der 25 Jahre alte Kölner ist in der Weltspitze angekommen und könnte schon bei der Flandern-Rundfahrt einen Überraschungscoup landen.

Dem Klassikerfieber ist Nils Politt bereits in seiner Jugend verfallen. Schon damals liebte der Kölner die besonderen Rennen in Belgien, das spezielle Flair, "weil der Radsport dort einfach populärer ist", wie er im "SID"-Gespräch erzählt.

Inzwischen kann der 25-Jährige auf diesem Terrain selbst Akzente setzen, er wird auch am Sonntag bei der 103. Flandern-Rundfahrt zu den Fahrern gehören, die man beachten sollte. "Dieses harte Ausscheidungsfahren, die engen Straßen, die Positionskämpfe, das alles liegt mir."

In den Vordergrund schiebt sich Politt aber lieber nicht, er fühlt sich als Außenseiter wohl. "Klar könnte ich sagen, ich will in die Top Ten, aber diese Rennen sind einfach nicht vorhersehbar", sagt der Profi aus dem Team Katusha-Alpecin. Gleichwohl, betont Politt, habe er "über den Winter nochmal einen Sprung gemacht", der sich an bisher überzeugenden Ergebnissen auch ablesen lässt.

Flandern-Rundfahrt als wichtige Standortbestimmung

Das jüngste Ausrufezeichen war am vergangenen Freitag der sechste Platz beim E3-Klassiker in Harelbeke, der sogenannten kleinen Flandern-Rundfahrt, stets ein wichtiger Indikator für die Verfassung vor dem größten belgischen Rennen. Die "Ronde van Vlaanderen" nimmt Politt am Sonntag als Kapitän seiner Mannschaft in Angriff. "Ich bin selbstbewusst", sagt er.

In der Branche ist längst aufgefallen, dass der 1,92-m-Schlaks womöglich reif für einen Überraschungscoup ist, eben weil das Rampenlicht den Stars wie dem dreimaligen Weltmeister Peter Sagan (Slowakei) oder Olympiasieger Greg van Avermaet (Belgien) gehört. "Vielleicht ist das seine große Chance, dass ihn keiner auf der Rechnung hat", mutmaßt Ex-Profi Fabian Wegmann im Podcast von cyclingmagazine.de. Denn: "Er hat gezeigt, dass er ganz vorne mitfahren kann. Die Power hat er."

Einen Ruf als begabter Helfer genießt der zweimalige Tour-de-France-Teilnehmer ohnehin schon eine ganze Weile. Sein Etappensieg bei der Deutschland Tour im vergangenen August, der erste Erfolg als Radprofi, war aber ein Schlüsselerlebnis. Politt wurde bewusst: Ich kann selbst Rennen gewinnen. "Die Hoffnung wird größer, die auf ihm ruht", sagt Wegmann.

Politt konnte sich "in der zweiten Reihe langsam entwickeln"

Die Reife für die großen Klassiker holte sich Politt in den vergangenen Jahren im Schatten erfahrener Teamkollegen wie dem Norweger Alexander Kristoff oder Ex-Zeitfahrweltmeister Tony Martin, die beide mittlerweile in anderen Mannschaften fahren. "Da", sagt Politt, "konnte ich mich in der zweiten Reihe langsam entwickeln."

Nun ist seine Chance gekommen. Die Lehrzeit des Allrounders ("Ich kann quasi von allem etwas") ist vorüber. Politt besitzt den Biss, die Härte und Schmerztoleranz für die giftigen Hellingen in Flandern oder auch das gefürchtete Kopfsteinpflaster von Paris-Roubaix, das ihm "noch einen Zacken" besser liegt.

In Dirk Demol und Erik Zabel hat er zudem sportliche Leiter, die ob ihrer Vergangenheit in der Hochdoping-Ära zwar ein ramponiertes Image haben, aber eben auch einen renntaktisch reichen Erfahrungsschatz besitzen. "Bei Erik sollte man auf jeden Fall genau zuhören", sagt Politt, "was er vorhersagt, tritt meistens auch ein."

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