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Biathlon-Weltmeisterin ist Sportlerin des Monats März

Herrmann exklusiv: "Immer noch ein bisschen unglaublich!"

02.04.2019 13:59
Denise Herrmann feierte ihren Weltmeistertitel bei einem Empfang mit Familie und Freunden (Bildquelle: KUSE)
Denise Herrmann feierte ihren Weltmeistertitel bei einem Empfang mit Familie und Freunden (Bildquelle: KUSE)

Die neue Biathlon-Weltmeisterin Denise Herrmann blickt auf den besten Monat ihrer sportlichen Laufbahn zurück. Die Goldmedaille im Verfolgungsrennen bei der WM in Östersund bedeutete den größten Karriereerfolg der 30-Jährigen. Daneben gewann Herrmann auch noch Silber in der Mixed-Staffel und Bronze im Massenstart. 

Ganz klar: Für sport.de ist Denise Herrmann die Sportlerin des Monats März. sport.de hat exklusiv mit der Sächsin über die herausragenden WM-Leistungen, die mentalen Probleme im Dezember und die Planungen für den kommenden Winter gesprochen.

Frau Herrmann, mit welchen Emotionen blicken Sie auf den besten Monat Ihrer Karriere zurück?

Nach der WM ging es in Oslo direkt weiter, da war noch gar keine Zeit, um alles zu verarbeiten. Aber jetzt kommt so langsam alles an. Ich hatte in der letzten Woche auch einen Empfang in Ruhpolding mit vielen Freunden. Da wird es noch einmal ein bisschen klarer, was ich eigentlich bei der WM erreicht habe. Wenn ich nachts wach wurde und mal drüber nachgedacht habe, war es immer noch ein bisschen unglaublich. Dass es nun Realität ist und ich einen Weltmeistertitel habe, habe ich mir natürlich lange gewünscht und es war mein Ziel, auf das ich hingearbeitet habe. Jetzt ist es aber doch etwas verrückt!

Ihr großes Highlight bei der WM in Östersund war das Verfolgungsrennen, welches Sie mit über 30 Sekunden Vorsprung gewonnen haben. Beschreiben Sie uns bitte noch einmal aus Ihrer Sicht, wie das Rennen genau gelaufen ist.

Die WM ging für mich super los mit dem kurzfristigen Einsatz in der Mixed-Staffel und der Silbermedaille. So ein erfolgreicher Start ist sehr viel wert. Nach dem sechsten Platz im Sprint wusste ich schon, dass in der Verfolgung etwas geht, mein Körper fühlte sich auch sehr gut an. Während des Rennens musste ich mich bei den Windverhältnissen aber die ganze Zeit sehr konzentrieren. Da hangelt man sich dann von Schießen zu Schießen und macht einfach das, was zu tun ist. Als Mona Brorsson beim letzten Stehendschießen ein paar Fehler gemacht hatte und bei mir eine Null-Serie kam, dachte ich mir nur noch: Jetzt laaauf!

Bis zum höchsten Punkt auf der Strecke habe ich dann auch voll durchgezogen. Zum Schluss ging es eigentlich nur noch bergab, trotzdem fragt man sich die ganze Zeit, wo noch etwas schief gehen könnte. Der letzte Kilometer war dann wirklich sehr aufregend. Am Ende ging es nur noch darum, einfach über die Ziellinie zu kommen. Umso schöner, als ich dann endlich im Ziel war.

Nach Ihrem Weltmeistertitel schien der Knoten komplett geplatzt zu sein, Sie haben zum Ende der Saison acht Top-Ten-Ergebnisse nacheinander eingefahren. Sind Sie seit der WM-Goldmedaille mit einer anderen Einstellung in die Rennen gegangen?

Nach dem Verfolger war ich schon extrem erleichtert. Wenn man schon zwei Medaillen gewonnen hat, läuft man ein bisschen im Flow und bewegt sich auf dieser Euphoriewelle. Mir ging es körperlich richtig gut und auch das Schießen hat für meine Verhältnisse sehr gut geklappt. So bin ich die letzten Rennen sehr positiv angegangen, was sich dann auch ausgezahlt hat.

Durch ihre starken letzten Wochen in Midway, Östersund und Oslo hat es am Ende sogar noch für den achten Platz im Gesamtweltcup gereicht – das beste Ergebnis Ihrer Karriere! Wie ordnen Sie diese Platzierung für sich ein?

Den Gesamtweltcup zu planen, ist immer schwierig. Mein großes Ziel war schon die WM in Östersund in diesem Jahr. Darauf war auch das Training ausgerichtet. In der ersten Phase der Saison hatte ich bei den Weltcup-Rennen schon Probleme, vor allem beim Schießen lief es noch nicht so gut. Wir haben dann um Weihnachten herum versucht, das besser in den Griff zu kriegen. Gerade der Dezember fiel mir mental ziemlich schwer. Ich wusste: Wenn ich treffe, kann ich ums Podest mitlaufen, aber die Scheiben sind einfach nicht gefallen. Da bin ich in einen kleinen Negativstrudel reingeraten.

Über Weihnachten habe ich nochmal versucht, daran zu arbeiten. Auch das Rennen auf Schalke hat mir noch einmal sehr viel Auftrieb gegeben. Ab Januar lief es dann schon immer besser, da kommt das Vertrauen in die eigenen Leistungen auch zurück. In Kanada und in den USA ist der Knoten dann richtig geplatzt, sodass ich mit großer Selbstsicherheit zur Weltmeisterschaft fahren konnte.

Sind Sie jetzt trotzdem froh, dass erst einmal Pause ist, oder hätte die Saison für Sie in der zuletzt gezeigten Form nicht lieber einfach weiter gehen sollen?

Es ist für mich nicht so ganz ungewohnt gewesen, dass der Saisonhöhepunkt erst so spät war. In Östersund war es auch noch schön winterlich. Da kam es mir gar nicht vor wie Mitte März. Wenn jetzt aber die frühlingshaften Temperaturen kommen, bin ich schon froh, die Saison auch endlich mal Revue passieren lassen zu können. So gut wie in diesem Winter bin ich eigentlich noch nie in meiner ganzen Sportlerkarriere durchgekommen. Die Laufleistungen waren sehr konstant, ich hatte nur ganz wenige Momente, in denen es mir mal richtig schlecht ging.

Ich bin schon froh, dass ich jetzt auch mal etwas anderes machen kann und dafür mal Zeit habe. Wenn es hinten raus gut läuft, geht man natürlich auch mit einem sehr guten Gefühl in die Saisonpause. Da braucht der Körper vielleicht auch eine Woche weniger, um sich zu regenerieren.

Wie geht es für Sie unmittelbar nach dem Ende Ihrer besten Saison jetzt weiter?

Ich bin froh, die freie Zeit jetzt zu genießen und auch mal in Ruhe über alles nachzudenken. Über das, was war und darüber, wie es weitergehen soll und woran man in Zukunft schrauben möchte. Wir haben auch unsere Saisonabschlussgespräche und die Gespräche, wie die neue Saison geplant werden könnte.

Wie fühlt es sich denn darüber hinaus an, die neue deutsche Nummer eins im Biathlon zu sein?

Ich weiß, dass wir eine sehr starke Mannschaft haben. Sich da intern erst einmal zu behaupten, ist schon eine ziemlich große Aufgabe, aber hilft einem auch, sich tagtäglich im Training zu messen und besser zu werden. Klar, Laura (Dahlmeier, Anm. d. Red.) hat in diesem Winter eine schwierige Saison gehabt, aber trotzdem sind wir mit fünf Mädels in dieser Saison aufs Podest gelaufen. Ich denke, das ist schon ein Zeichen der Mannschaftsstärke.

Dass ich im Team eine der Älteren bin, weiß ich selbst. Das hat sich zuletzt aber auch richtig ausgezahlt, weil ich einfach schon so viele Trainingsjahre in mir habe. Ich freue mich auf jeden Fall, dass es am Ende so gut für mich gelaufen ist. Ich denke aber auch, dass wir als Team eine gute Saison hatten.

Im neuen Jahr geht es dann für Sie darum, diesen Status zu verteidigen. Das dürfte eine ganz neue Herausforderung für Sie sein?

Es ist schon eine andere Situation, wenn ich weiß, dass ich fest im Weltcup dabei bin und auch bei der WM in Antholz schon einen Startplatz für Sprint/Verfolgung sicher habe. Das ist für die Planungen eine extreme Erleichterung. Man muss sich natürlich immer wieder neu durchsetzen, aber so soll es ja auch sein. Als deutsche Mannschaft wollen wir den anderen das Leben so schwer wie möglich machen. Den Nationencup haben uns die Norwegerinnen in dieser Saison leider weggeschnappt. Das wollen wir aber für die nächste Saison so nicht stehenlassen.

Wie sieht Ihr grob gesteckter Zeitplan für die kommenden Wochen und Monate aus?

In ein paar Tagen geht es erst einmal für zwölf Tage in den Urlaub, einfach auch mal weg vom Sport. Dann geht es einmal in die Heimat, wo ich auch schon eine ganze Weile nicht mehr war. In diesem Jahr bin ich auch über Weihnachten in Ruhpolding geblieben und habe nicht mit der Familie gefeiert. Das ist der Preis, den man dann manchmal zahlen muss. Umso mehr freue ich mich auch darauf, mal wieder nach Hause zu kommen. Ende April geht es dann nach Mallorca, wo ich locker auf dem Rad wieder einsteigen will.

Können Sie uns schon etwas über Ihre Ziele für 2019/2020 verraten?

Ich will vor allem an der Waffe weiter basteln, damit sich meine Trefferleistung weiter steigert. Die Ergebnisse waren schon besser und es ist alles gut gelaufen. Aber wenn Sie sich die Schießstatistiken angucken, muss es einfach noch besser werden! Ich war noch unter den 80 Prozent, da geht auf jeden Fall noch mehr. Die Weltspitze schießt um die 95 Prozent an beiden Anschlägen. Und auch was die Schießzeiten angeht, ist noch einiges drin.

Das Gespräch führte Mats-Yannick Roth

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