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"Fall Semenya": Erneute Kritik an Testosteron-Regel

21.03.2019 11:31
Caster Semenya erhält Rückendeckung aus der Wissenschaft
© getty, Lukas Schulze
Caster Semenya erhält Rückendeckung aus der Wissenschaft

Die südafrikanische 800-m-Olympiasiegerin Caster Semenya hat in ihrem Kampf gegen die umstrittene "Testosteron-Regel" des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF weitere Rückendeckung aus der Wissenschaft erhalten. In der renommierten britischen Fachzeitschrift BMJ übten zwei Medizinerinnen deutliche Kritik an dem Vorhaben der IAAF, für bestimmte Strecken (400 m bis Meile) einen Testosteron-Grenzwert für Frauen von fünf Nanomol pro Liter einzuführen. Dagegen geht Semenya derzeit vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS vor. Ein Urteil soll bis zum 26. März fallen.

Die beiden Medizinerinnen erklärten laut der englischen Tageszeitung The Guardian, die Annahme der IAAF, dass Testosteron der Hauptindikator für das Geschlecht und die Leistungsfähigkeit von Sportlern sei, widerspreche dem wissenschaftlichen Forschungsstand. "Männer haben normalerweise einen höheren Testosteronwert als Frauen - aber nicht immer. Das Hormonlevel im Blut hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Beispielsweise Alter, Gesundheitszustand oder Stress", erklärte Dr. Sheree Bekker von der Universität Bath: "Aufgrund dessen kann es Überschneidungen in der Testosteronkonzentration im Blut von Männern und Frauen, insbesondere bei Sportlern geben."

Was man derzeit sehe, sei eine Überwachung des weiblichen Körpers, problematischerweise gerechtfertigt mit dem Verweis auf das Fair Play oder den Schutz anderer Frauen. "Wir müssen nicht beschützt werden vor anderen Frauen wie Männer nicht vor anderen Männer beschützt werden müssen", sagte Bekker: "Kommen wir irgendwann an einen Punkt, an dem wir großen Leute verbieten, Basketball zu spielen oder Schwimmer mit langen Armen verbannen? Dies sind natürliche Vorteile."

Die IAAF hatte bereits 2015 vor dem CAS eine Niederlage hinnehmen müssen und daraufhin zwei Jahre Zeit bekommen, wissenschaftliche Beweise für die Einführung eines Grenzwertes zu liefern. Der Verband beruft sich nun auf eine Studie von 2017, nach der Athletinnen mit erhöhtem Testosteronwert auf bestimmten Strecken einen Vorteil von bis zu 4,5 Prozent haben sollen. Allerdings gibt es an dieser Studie ebenfalls harsche Kritik, weil dort rund ein Drittel der einbezogenen Werte fehlerhaft gewesen sein soll.

 

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