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Biathlon-Lager in Sorge: Die zweite Reihe schwächelt

18.03.2019 11:11
Franziska Preuß wusste bei der WM nicht zu überzeugen
© getty, Alexander Hassenstein
Franziska Preuß wusste bei der WM nicht zu überzeugen

Laura Dahlmeier und Denise Herrmann haben bei der WM in Östersund geliefert - aber dann? Hinter dem Duo drängte niemand in den Vordergrund, das könnte auch noch ein paar Jahre so bleiben.

Als Laura Dahlmeier und Denise Herrmann am Montag den Flieger nach Oslo bestiegen, war ihr Erfolgshunger trotz der beeindruckenden Biathlon-WM noch lange nicht gestillt. "Ich will den positiven Schwung mitnehmen, an so einem traditionellen Ort ist man immer motiviert", sagte Herrmann, die den Trip von Östersund zum letzten Weltcup der Saison mit einem kompletten Medaillensatz antrat. Ihre doppelt mit Bronze dekorierte Teamkollegin Dahlmeier versprach: "Ich werde mich voll reinhauen."

Ehrgeizige Worte, die eigentlich jene Athletinnen hätten aussprechen sollen, die bei den Titelkämpfen enttäuschten. Franziska Preuß, Vanessa Hinz und Franziska Hildebrand behielten den Drang nach Wiedergutmachung - sofern es ihn gab - allerdings lieber für sich. Vielleicht auch ein Grund für den Zustand im Lager der deutschen Skijäger, den vor allem Dahlmeier bemängelte.

Gefährlicher Status quo?

"Es ist in den letzten Jahre schon oft so gewesen", hatte die Doppel-Olympiasiegerin vor dem Finale der WM am Rande eines Sponsorentermins gesagt, "dass die Medaillen eben nicht von allen, sondern eher von einzelnen Sportlern gewonnen wurden". Sie befinde sich zwar keinesfalls in der Position, Auftritte der Teamkolleginnen zu beurteilen, "aber das ist so, das muss man nicht schönreden", sagte Dahlmeier.

In der Sache lag die 25-Jährige, über deren Karriereende immer wieder spekuliert worden war, völlig richtig. Die blanken Zahlen belegten schließlich den gefährlichen Status quo: Abgesehen von den beiden Medaillengewinnerinnen lief keine DSV-Athletin in einem Rennen unter die Top 15, Tiefpunkt war der 65. Rang von Hinz im Sprint, der sie gar die Teilnahme am Verfolger kostete.

"Das war nicht zufriedenstellend. Sie haben zum Saisonhöhepunkt nicht ihre besten Leistungen gebracht", sagte Disziplintrainer Kristian Mehringer. In der Analyse soll aufgearbeitet werden, woran das lag - es hatte schließlich auch die favorisierte deutsche Frauenstaffel eine Medaille gekostet.

Horchler in die "2. Liga" versetzt

Dass vor allem Hinz und Preuß in den kommenden Jahren noch bedeutend für den DSV sein werden, beweist auch der Blick in den IBU-Cup. Dort, wo sich die jungen Athleten für den Weltcup in Stellung bringen wollen, sind zumindest bei den Frauen zu selten die Deutschen vorne dabei. "Dabei gelingt Leistungssport genau dann", sagte Sportdirektorin Karin Orgeldinger, "wenn viele Athleten von hinten drücken".

Orgeldinger wirkte vermutlich nur deshalb entspannt, weil "die Entwicklung im Frauenbereich viel schneller geht als bei den Männern" - und vielleicht ja schon im kommenden Winter jemand den Durchbruch schafft. Dass gute Resultate im IBU-Cup allerdings nicht automatisch zu Erfolgen in der Liga der Etablierten führen, wurde dem Deutschen Skiverband (DSV) ebenfalls in Östersund vor Augen geführt.

Karolin Horchler, zu Saisonbeginn in der "zweiten Liga" ziemlich erfolgreich, erhielt bei der WM keinen einzigen Einsatz. Zudem war die Rolle, die ihr Bundestrainer Mark Kirchner zuschrieb, auch alles andere als aufmunternd.

"Man braucht immer auch Ersatzleute, die Hilfestellungen leisten, die andere Aufgaben erfüllen", sagte Kirchner. Er nannte als Beispiel "Küchen- und Fahrdienste, aber auch das Jubeln bei den Siegerehrungen". Schöner wäre es freilich, wenn sie selbst bejubelt werden.

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