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"Schalke 07" nach CL-Debakel zwischen Spott und Mitleid

13.03.2019 11:46
Der FC Schalke 04 befindet sich weiter in der Krise
© getty, Michael Regan
Der FC Schalke 04 befindet sich weiter in der Krise

Nach dem 0:7-Debakel von Schalke 04 bei Manchester City schloss Trainer Domenico Tedesco einen Rücktritt aus. Doch die Tage des 33-Jährigen bei dem abgestürzten Vizemeister sind gezählt.

Ein kurzer Händedruck mit Pep Guardiola, dann war Domenico Tedesco im Kabinengang verschwunden. Mit seinen Spielern, so schien es, wollte der angezählte Trainer von Schalke 04 nach dem historischen Debakel von Manchester nichts mehr zu tun haben.

Eine halbe Stunde später stellte der 33-Jährige allerdings klar: Ein Rücktritt kommt nicht infrage. "Ich habe keine Sekunde daran gedacht, irgendwas zu verändern meinerseits", sagte er nach der 0:7 (0:3)-Demütigung im Champions-League-Achtelfinale bei Manchester City.

"Ich bin selbst jetzt stolz, Trainer des FC Schalke 04 zu sein", betonte Tedesco: "Ich bin auch in dieser schwierigen Situation gerne hier und gebe alles."

Auch wenn es nach der höchsten Europapokalniederlage der Vereinsgeschichte und der deutlichsten Pleite eines Bundesliga-Klubs in der Königsklasse auf den ersten Blick anders ausgesehen hatte, stellte er fest: "Ich fühle mich nicht im Stich gelassen."

Tedesco glaubt noch an Trendwende beim FC Schalke 04

Unterstützung aus der Chefetage erhielt Tedesco zunächst nicht. Der neue Sportvorstand Jochen Schneider schwieg nach dem Spiel, der angeschlagene Coach ging davon aus, dass er den abgestürzten Vizemeister auch im Bundesliga-Abstiegskampf am Samstag gegen RB Leipzig weiter betreuen wird.

Trotz einer erschütternden Bilanz von sieben Ligaspielen in Folge ohne Sieg und fünf Pflichtspielpleiten in drei Wochen mit 21 Gegentoren.

Der als Interimstrainer gehandelte Mike Büskens, UEFA-Cup-Sieger von 1997, saß in der schwärzesten Schalker Europacup-Stunde fassungslos auf der Tribüne.

"Sky"-Experte Dietmar Hamann mutmaßte: "Für Tedesco würde eine Entlassung wie eine Erlösung wirken." Doch davon wollte der Jung-Trainer, der auf Bewährung arbeitet, nichts hören.

Die vor einer Woche von Schneider geforderte "Trendwende" traut er sich selbst immer noch zu: "Ich glaube definitiv daran, 100-prozentig", sagte er, "wir geben uns natürlich nicht auf. Wenn wir jetzt nicht an uns glauben, wer dann?"

Leroy Sané fühlt mit dem FC Schalke 04

In Manchester erntete Schalke dagegen nur Mitleid. Selbst der überragende Leroy Sané, der mit einem Tor und drei Vorlagen die "Demolition men" ("The Telegraph") anführte, litt mit seinem Ex-Klub.

"Es tut mir heute noch mehr weh", sagte der Nationalspieler mit Blick auf den 3:2-Sieg im Hinspiel auf Schalke, als er mit einem Traumtor die Königsblauen aus allen Träumen gerissen hatte. Allerdings konnte er sich dabei ein Lachen nicht verkneifen.

Und wie er auf dem Feld gleich drei Schalker nacheinander schwindelig gespielt hatte, erst Weston McKennie, dann Jeffrey Bruma, schließlich Hamza Mendyl, hatte ihm ganz offensichtlich viel Spaß gemacht.

"Ich versuche, jede Minute auf dem Platz zu genießen", sagte er. Einen Schalker Abstieg kann er sich allerdings nicht vorstellen: "Es ist ein sehr großer Verein, der in die Bundesliga gehört. Deswegen hoffe ich, dass sie noch die Kurve kriegen."

Ob dass mit Tedesco als Trainer gelingt, ist äußerst fraglich geworden. Auch wenn Stürmer Guido Burgstaller versprach: "Wir werden uns mit dem Trainer aufbäumen, die Ärmel hochkrempeln und weiterkämpfen." Seit Wochen schon fehlen nach solchen Sprüchen aber die Taten.

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