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Die sport.de-Prognose zum Start in die Formel-1-Saison

Hulk beendet Horror-Serie - Kubica mehr Risiko als Chance

14.03.2019 15:22
Wie schlägt sich Vettel? Wird Hamilton wieder Formel-1-Weltmeister?
Wie schlägt sich Vettel? Wird Hamilton wieder Formel-1-Weltmeister?

Am Freitag startet die Formel 1 mit ihrem ersten freien Training in Australien (02:00 Uhr im sport.de-Live-Ticker) in die neue Saison. Bevor die Motoren in Melbourne aufheulen, ist für uns die Zeit gekommen, einen kleinen Ausblick zu wagen und in Thesenform Antworten auf wichtige Fragen zu liefern.

These 1: 2019 ist Vettels letzte Chance bei Ferrari!

Chris Rohdenburg: Das stimmt! Aber viel wichtiger: Er wird seine Chance nutzen! Fünftes Jahr bei Ferrari und bislang noch kein Titel? Da war doch was! Klar, kein Geringerer als Michael Schumacher hatte eine ähnliche Phase zu durchleben, bevor er gleich fünf Weltmeisterschaften in Folge mit der Scuderia holte. Die Roten haben ihre Lektion gelernt, der neue Teamchef Mattia Binotto hält den Laden zusammen und hebt ihn auf ein neues Level. Und auch Vettel wirkt reifer. Kann er seine eigenen Übermut eindämmen, wird er am Ende der Saison nicht nur ganz Maranello zum Beben bringen. 

Christian Schenzel: So sollte es sein! Für Ferrari zählen nur Titel und Vettel hätte in dann fünf Jahren (!) nicht einen einzigen geliefert. Was die Bilanz angeht, ist er kein Stück besser als Fernando Alonso, Rubens Barrichello oder Felipe Massa. In einem starken Auto kann jeder talentierte Fahrer ab und zu ein Rennen gewinnen. Für den WM-Titel muss aber alles passen. Vettel hat in den letzten Jahren gezeigt, dass er nicht (mehr) in der Lage ist, eine volle Saison hochkonzentriert und fehlerfrei zu fahren.

Florian Pütz: Wir werden nie erfahren, ob es seine letzte Chance gewesen wäre. Vettel holt den WM-Titel 2019 und lässt damit keine Diskussion aufkommen, ob er noch der richtige Mann als Nummer eins bei Ferrari ist.

Mats-Yannick Roth: Seine Aussetzer und Fahrfehler bekommt Vettel 2019 in den Griff. Im letzten Jahr hat ihm das wohl noch den Titel gekostet. Mit seinem Können, Know-How und seiner Erfahrung ist und bleibt er der Star bei der Scuderia - ob mit oder ohne WM-Titel am Ende des Jahres. Auch 2020 wird er im Ferrari sitzenbleiben!

These 2: Ferrari stürzt Mercedes in diesem Jahr vom Thron!

Christian Schenzel: Keine Chance! Gerade während der Saison macht Mercedes seit Jahren die entscheidenden Fortschritte. Ferrari schafft es dagegen, das Auto während der Saison zurückzuentwickeln (siehe 2018). Das Theater hinter den Kulissen macht die Sache für Ferrari nicht einfacher. Ob neues Team, neue Fahrer oder neue Führungskräfte: Ein perfektes Zusammenspiel braucht klare Ansage und Zeit. Bei Ferrari gibt es nichts davon.

Florian Pütz: Ein deutscher Pilot, Ex-Weltmeister, der neu zu Ferrari kommt und vier Jahre lang keinen Titel holt? Das kennt man doch aus der Formel-1-Historie. Dem großen Michael Schumacher ging es nämlich ähnlich wie Sebastian Vettel. Der schreibt in dieser Saison Geschichte und holt - wie Schumi - im fünften Ferrari-Jahr seinen ersten Titel mit den Roten.

Mats-Yannick Roth: Weniger die Roten, als vielmehr die Silbernen selbst machen sich in diesem Jahr das Leben schwer. Valtteri Bottas gibt sich in seinem dritten und womöglich letzten Jahr bei Mercedes nicht mehr mit der Steigbügelhalter-Rolle zufrieden und muckt auch auf der Strecke auf. Das sorgt für neue Spannung, birgt aber auch neues Crash- und Zoff-Potenzial. Am Ende kann Ferrari tatsächlich schadenfroh vorbeiziehen. 

Chris Rohdenburg: Absolut, und zwar mit Karacho! Und das hat gleich zwei Gründe! Erstens hat Ferrari mit Vettel und dem jungen Charles Leclerc eine Fahrerpaarung gefunden, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen pusht. Das Zusammenspiel mit Kimi Räikkönen war in den Jahren zuvor viel zu harmonisch, um sich an die Grenzen zu bringen. Und zweitens hat es die Scuderia in diesem Jahr geschafft, einen Boliden zu bauen, der nicht nur gut mithält, sondern tatsächlich vorausfährt. Voller Neid werden die Silberpfeile am Ende der Saison nur noch rot sehen.

These 3: Von 0 auf 100: Hülkenberg fährt erstmals aufs Podest!

Christian Schenzel: Klar. Alles, was es braucht, sind Regen, Unfälle, Ausfälle und andere glückliche Umstände. Hülkenberg hat natürlich das Zeug dazu, aber die Kräfteverhältnisse in der heutigen Formel 1 lassen das unter normalen Umständen einfach nicht zu. Eine kleine Zahl dazu: Von den letzten 162 Podestplätzen (54 Rennen) gingen nur zwei (!) an Fahrer, die nicht im Mercedes, Ferrari oder Red Bull saßen. Wenn's danach geht, könnte man sagen: Die Chancen, dass Hulk aufs Podest fährt, liegen rechnerisch bei 1,234 Prozent. Viel Glück!

Florian Pütz: Vielleicht, wenn wegen Reifenproblemen nur sechs Autos starten dürfen. Soll ja schon vorgekommen sein ...

Chris Rohdenburg: Oh ja, das tut er! Und zwar gleich mehrfach. Renault war schon in der letzten Saison vierte Kraft hinter Red Bull, Ferrari und Mercedes und wird sich in diesem Jahr das ein oder andere Mal auf dem Podest wiederfinden, auch weil sich Neuzugang Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg gegenseitig befruchten. Wenn die Lücke da ist, und sie wird kommen, dann ist der Deutsche dieses Mal definitiv zur Stelle. Spannend wird nur, wie dann wohl sein Jubel aussieht. Vielleicht verleitet ihn sein australischer Kollege ja dazu, aus dem Schuh zu trinken. Wer weiß ...

Mats-Yannick Roth: Renault wird auf das Podium fahren, ja! Allerdings nicht mit Nico Hülkenberg am Steuer. "Honigdachs" Daniel Ricciardo beweist einmal mehr seine Cleverness und nutzt die wenigen sich bietenden Chancen, um für die Gelben aufs Stockerl zu rasen.

These 4: Nur ein PR-Gag: Kubica-Comeback geht völlig in die Hose!

Christian Schenzel: Leider ja. Kubica bringt Williams Sponsoren-Gelder und Schlagzeilen. Viel mehr nicht. Die Frage ist, was Kubica mit dem Comeback bezwecken will. In der Williams-Krücke holt er wahrscheinlich keinen Punkt, viel Geld kassiert er von dem klammen Rennstall auch nicht. Für andere Teams kann er sich mit seinen 34 Jahren auch nicht mehr empfehlen. Die ganze Aktion ist perspektivisch gesehen mehr als fragwürdig und wird sich nicht auszahlen.

Chris Rohdenburg: Zugegeben, es sieht zur Zeit nicht gut aus. Die Testfahrten liefen alles andere als erfolgreich für Williams. Auch Kubica selbst überzeugte nicht. Trotzdem: Schafft das Team die Kehrtwende, ist Kubica einer der ersten, der profitieren und dann zeigen wird, was noch in ihm steckt. Handicap hin oder her! Dass der Pole ein ausgezeichneter Fahrer ist, steht außer Frage. Das ein oder andere Pünktchen ist drin für den Rennstall aus Woking.

Florian Pütz: Das Kubica-Comeback ist erstmal eine Riesengeschichte und aller Ehren wert. In seinen besten Jahren gehörte der Pole zu den Top-Fahrern des Formel-1-Zirkus. Aber das ist lange vorbei. Da selbst Kubicas Kollegen Bedenken äußern, wie er seinen Boliden in schwierigen Kurven optimal lenken soll, sind die sportlichen Erfolgsaussichten fraglich. Aber vielleicht fährt Kubica mit dem Williams mal in die Punkte, schon das wäre aus meiner Sicht ein kleiner Sieg.

These 5: Verstappen rempelt sich zum Titelanwärter!

Florian Pütz: Verstappen gewinnt definitiv mehr Große Preise als in den letzten zwei Jahren (je zwei Siege). Dazu kommt, dass sein neuer Teamkollege Pierre Gasly keine ernsthafte Konkurrenz im Teamduell ist, Punkte wird der Neue Verstappen nicht klauen. Wie weit diese neue Konstellation den Niederländer im Klassement nach oben spült, wird man sehen. Den WM-Titel holt er aber nicht.

Christian Schenzel: Jein. Das sportliche Schicksal von Verstappen hängt einzig und allein von Honda ab. Spielt der Motor mit, muss natürlich mit dem Niederländer gerechnet werden. Ja, er leistet sich immer wieder Ausraster und produziert Blechschäden. Aber er ist auch einer der wenigen Fahrer, die mit ihrem Talent und ihrer aggressiven Fahrweise Plätze gutmachen und Punkte holen, die andere Fahrer nicht holen. Was das angeht, ist er in der gesamten Formel 1 womöglich sogar der Beste von allen.

Chris Rohdenburg: Ja und Nein. Ganz sicher gehört der Niederländer auch in dieser Saison zum Favoritenkreis, auch wenn in Red Bulls Technikabteilung zur Zeit noch Nachholbedarf besteht. Aber obwohl Verstappens erfolgreiche Fahrweise auch darin begründet ist, dass er keinen Zweikampf scheut und innerhalb dieser Duelle teilweise bis über die Grenze des Erlaubten hinweggeht, wird der 22-Jährige in diesem Jahr lernen (müssen), dass manchmal auch in der Ruhe die Kraft liegt. Tut er dies, ist ein weiterer Entwicklungsschritt genommen. Und nur dann darf der Heißsporn auch vom Titel träumen. 

Mats-Yannick Roth: Nein! Auch in seiner fünften Formel-1-Saison hat Mad Max sein Temperament nicht immer im Griff und crasht immer noch zu häufig für einen wahren Spitzenfahrer. Letztlich wird auch die neue Antriebseinheit von Honda nicht ansatzweise so zuverlässig laufen wie der Mercedes- oder Ferrari-Motor. 

These 6: Die jungen Wilden mischen die Formel 1 so richtig auf

Chris Rohdenburg: Das glaube ich eher nicht! Die Grünschnäbel Russel, Giovinazzi, Albon und Norris werden ihre Zeit brauchen, um sich im Kampf der Titanen zurechtzufinden. Etwas anders sieht es da schon bei Leclerc und Gasly aus. Beide haben bereits bewiesen, dass sie sich in der Formel 1 gut zurechtfinden. Sie dürfen in dieser Saison mit deutlicher mehr Power unterm Hintern zeigen, was in ihnen steckt. Hier erwarte ich die ein oder andere Überraschung! 

Christian Schenzel: Absolut! Ich kann mir vorstellen, dass sich Albon, Norris und Russell ein Beispiel an ihren "Vorgängern" nehmen und ohne Angst und übermäßig viel Respekt an den Start gehen. Der Lohn ist außerordentlich reizvoll. Ein Lance Stroll ist in seiner ersten Saison auf das Podest gefahren, ein Leclerc hat sich in nur einer Saison für Ferrari empfohlen - das zeigt, dass die Jugend in der Formel 1 eine Chance bekommt und sie einfach "nur" nutzen muss.

Mats-Yannick Roth: Kommt drauf an! Natürlich wird Charles Leclerc als Youngster im Ferrari einige Top-Platzierungen einfahren, am Ende aber klar das Nachsehen im teaminternen Duell mit Sebastian Vettel haben. Auch Gasly hat in der Endabrechnung gegen Max Verstappen keine Chance bei Red Bull. Da George Russell im Williams einfach in einem viel zu langsamen Auto sitzt, verbleibt nur noch Lando Norris, der im McLaren in seiner Rookie-Saison für Furore sorgen wird. 

 

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