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Bö nach "schrecklichen Fehlern mit Wut im Bauch"

12.03.2019 10:24
Johannes Bö peilt den WM-Titel im Einzel an
© getty, Christophe Pallot/Agence Zoom
Johannes Bö peilt den WM-Titel im Einzel an

Johannes Thingnes Bö ist trotz seines Aussetzers in der Verfolgung das Maß der Dinge. Die Konkurrenz ist frustriert, seine Ehefrau leicht genervt.

Das Leben an der Seite von Johannes Thingnes Bö ist für Hedda Klovstad Dähli nicht ganz so einfach. "Selbst wenn ich nach Hause komme, dreht sich alles um Biathlon. Ich bin dann abwesend. Während des Weltcups hat sie keinen Spaß mit mir. Sie will, dass ich den Gesamtweltcup gewinne, damit das Nachdenken aufhört", erzählte der 25 Jahre alte Norweger unlängst mit einem Schmunzeln. Seine Ehefrau wünsche sich das "so sehr".

Der dringende Wunsch der Gattin ist bereits am Sonntag in Erfüllung gegangen. Trotz seiner fünf Schießfehler und "nur" Platz zwei in der WM-Verfolgung von Östersund krönte sich Bö in der Saisonwertung frühzeitig zum Nachfolger von Martin Fourcade. Ohnehin war es nur eine Frage der Zeit gewesen.

Bö ist in diesem Winter der Überflieger der Skijäger, das hat er auch bei den Weltmeisterschaften eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Gold mit der Mixed-Staffel, Gold im Sprint sowie Silber in der Verfolgung. Auch im Einzel am Mittwoch (16:10 Uhr) über 20 km führt kein Weg am überragenden Norweger vorbei - zumal Bö nun besonders motiviert ist: "Ich werde nach diesen schrecklichen Fehlern mit Wut im Bauch angreifen."

Für die Konkurrenz bedeutet das nichts Gutes. Schon jetzt hat Bö 13 von 20 Weltcups gewonnen. Dass er die Bestmarke des fünfmaligen Olympiasiegers Fourcade, der in der Saison 2016/17 14 Siege holte, bei fünf noch ausstehenden Rennen einstellt oder überflügelt, steht eigentlich außer Frage.

Erik Lesser: "Das ist schon traurig"

"Johannes kann sich nur selbst schlagen. Er hat eine unfassbar krasse Form", sagte der ehemalige Doppelweltmeister Erik Lesser voller Hochachtung. Man müsse ja immer hoffen, "dass er vier Fehler schießt. Das ist schon traurig", fügte Lesser leicht konsterniert an. Bö schnippe nur "mit dem Finger und gibt Vollgas".

Den Kontrahenten bleibt da in der Loipe nur das Nachsehen - und auch ein klein wenig Frust. "Wenn einem die Trainer schon nach zwei Kilometer zurufen, dass man 15 Sekunden hinter Johannes liegt, möchte man das eigentlich nicht hören", sagte Benedikt Doll (Breitnau). Olympiasieger Bö hebe sich deutlich ab.

Selbst Legende Ole Einar Björndalen, mit 94 Weltcupsiegen und 20 WM-Titeln "Mister Biathlon", ist von seinem Nachfolger beeindruckt. "Er läuft brutal stark. Er hat zudem sein Problem mit dem Stehendschießen in den Griff bekommen. Es ist unglaublich", sagte Björndalen dem "SID" anerkennend.

Und Bö selbst? Der Athlet aus der kleinen Kommune Stryn im Innviksfjord ist eigentlich nie zufrieden, wie er selbst einräumte: "Auch wenn ich gewonnen habe, versuche ich immer, mich zu verbessern und auf das nächste Ziel zu fokussieren." Wie einst Björndalen. Doch Vergleiche mit dem Großmeister mag er gar nicht. Dieser sei "noch eine andere Liga". Noch.

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WM 2019 Östersund (SWE)

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