Anzeige

Von Australien bis Brasilien: So bunt ist die Biathlon-WM

11.03.2019 13:15
Bei der Biathlon-WM geht ein gemischtes Teilnehmerfeld an den Start
© getty, Christophe Pallot/Agence Zoom
Bei der Biathlon-WM geht ein gemischtes Teilnehmerfeld an den Start

Wenn Laura Dahlmeier und Co. um Medaillen kämpfen, laufen die Exoten hinterher. Und dennoch leben die Spanier, Australier oder Brasilianer ihren Traum - auch bei der Biathlon-WM in Östersund.

Die "Villa Kunterbunt" beherbergt Spanier, Chilenen und Brasilianer, sogar Skijäger aus Neuseeland und Australien sind dabei.

"Ein ziemlich verrückter Haufen", sagt Luca Bormolini, der selbst Italiener ist und die außergewöhnliche Reisegruppe auch bei der Biathlon-WM in Östersund betreut: "Wir wissen natürlich, dass wir am Ende landen werden."

Das olympische Motto allein hat die Exoten aber nicht nach Schweden getrieben, sie wollen mehr sein als einfach nur dabei. Im Gegensatz zu den Medaillenjägern aus Norwegen, Deutschland oder Russland werden ihre Auftritte aber eben anhand anderer Kriterien als den blanken Zahlen bewertet.

"Wenn es nicht läuft, dann sind sie auch schlecht drauf und wollen erstmal in Ruhe gelassen werden", stellte Bormolini im Gespräch mit dem "SID" klar: "Da heißt es nicht: Wir sind ja nur Australier, es ist ohnehin vollkommen okay, ganz hinten im Feld zu landen."

Ungewohnte Biathlon-Verhältnisse

Jillian Wei-Lin Colebourn war deshalb mit ihrem 90. Platz im Sprint auch nicht wirklich zufrieden. Zwar hatte die 23-Jährige, die in Sydney den Studiengang zur Wirtschaftsingenieurin belegt, drei Athletinnen hinter sich gelassen.

"Aber ich habe mich ziemlich schwer getan. Es waren schwierige Verhältnisse, die Schneebedingungen waren tricky", sagte sie dem "SID".

Worte, die nicht überraschen sollten, wenn sie von einer Person geäußert werden, die den Großteil ihres Lebens auf dem heißesten und trockensten Kontinent verbrachte.

Allerdings "gibt es auch bei uns Berge", sagt Colebourn fast schon stolz: "Wir haben Loipen und eine Schießanlage. Ein paar Leute interessieren sich sogar für Wintersport, aber eher für den Langlauf."

Auch deshalb fehlt die (finanzielle) Unterstützung in der Heimat. Die "Flucht" ins Ausland war wie auch für den Spanier Roberto Piqueras Garcia oder den Brasilianer Matheus de Santana die letzte Möglichkeit, der Leidenschaft nachzugehen.

Unter der Aufsicht von Bormolini leben und trainieren die Exoten während des europäischen Winters im italienischen Livigno, von hier aus bereisen sie diverse Wettkämpfe.

"Sie stecken viel Geld in den Biathlon"

"Alle arbeiten zusammen und unterstützen sich", sagte Bormolini über die nicht immer einfache Arbeit mit seinen Schützlingen. Heimweh und finanzielle Sorgen prägen den Alltag, "sie sind ja lange von ihren Familien weg und stecken viel Geld in den Biathlon".

Der Auftritt von Colebourn, die bei den Titelkämpfen in Östersund ihre ersten zwei Rennen im Weltcup überhaupt bestreitet, wurde deshalb ebenso gemeinsam aufgearbeitet wie der 101. Rang von Piqueras Garcia einen Tag später. Und so wird es auch nach den beiden Einzelrennen am Dienstag und Mittwoch sein - bis die persönlichen Ziele erreicht sind.

"Ich werde so lange weitermachen, bis ich das Maximum aus mir herausgeholt habe", sagte Colebourn, die mit ihren Leistungen vor allem eines bezwecken will: "Mehr Aufmerksamkeit für Biathlon Down Under."

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige