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Himmelhoch und tief im Dopingsumpf

Gewinner und Verlierer der Nordischen WM

03.03.2019 13:06
Die Nordische WM hatte einige Highlights zu bieten
Die Nordische WM hatte einige Highlights zu bieten

Am Sonntag endeten in Seefeld denkwürdige Nordische Ski-Weltmeisterschaften. In guter Erinnerung werden die Erfolge der deutsche Springer bleiben, seinen Eintrag ins Schwarzbuch des Weltsports wird der Dopingskandal erhalten. Wir ziehen die WM-Bilanz.

  • DIE GEWINNER VON SEEFELD

Die WM an sich:

Kurze, bestens organisierte Wege auf dem Seefelder Hochplateau, perfekte Sportstätten, meist herrlichstes Winterwetter: Was das WM-OK planen und umsetzen konnte, tat es in perfekter Weise, bei allem anderen half das nötige Glück - wenn man mal von den Auswirkungen des hässlichen Dopingskandals absieht. Wie auch immer: Die Latte für Oberstdorf, wo in zwei Jahren die Nachfolgeveranstaltung stattfindet, liegt hoch.

Markus Eisenbichler:

Einen besseren Werbeträger kann sich eine Sportart nicht wünschen. Der dreifache Skisprung-Weltmeister von Seefeld war sportlich über jeden Zweifel erhaben und blieb auch in den Momenten des größten Erfolges der authentische Sympathieträger mit den klaren Werten. Der "Eisei" eben. Also: Sancto subito! Oder zumindest schon jetzt für den Sportler des Jahres vormerken.

Eric Frenzel:

Früher hat der kleine Sachse die Weltcup-Saison dominiert und eine WM-Goldmedaille geholt, 2013 und 2015 zum Beispiel. Heute verpatzt er die Weltcup-Saison schon mal gründlich und wird dann eben zweimal Weltmeister. So wie in Seefeld. Frenzel bleibt ein Phänomen.

Norwegen:

Erstmals seit 2001 blieben Norges Skisprung-Männer ohne Medaille. Dass Norwegen trotzdem ein neues Rekordergebnis erzielte und mit himmelweitem Vorsprung vor Deutschland erfolgreichste WM-Nation wurde, darf der Konkurrenz durchaus Angst machen: Finden die Springer zu alter Stärke zurück, wird es für die Gegner der nordischen Großmacht hässlich.

Gleichberechtigung:

"Unsere Disziplin ist ein Gewinner von Seefeld", meinte Andreas Bauer, Bundestrainer des Frauen-Skispringens, und hatte gute Argumente auf seiner Seite. Der neue Teamwettkampf war spannend und - was in dieser Form nicht unbedingt zu erwarten war - durchaus hochklassig. 2021 in Oberstdorf soll ein Großschanzen-Springen der Frauen hinzukommen, zudem feiern die Kombiniererinnen Premiere. Das Programm von Männern und Frauen wird dann fast angeglichen sein - noch 2007 hatten die Herren der Schöpfung doppelt so viele Wettkämpfe wie die Damen.

  • DIE VERLIERER VON SEEFELD

Der Skilanglauf:

Am unsäglichen Mittwoch der zweiten WM-Woche war nicht mehr klar, ob das alles nur noch zum Weinen oder schon zum Lachen war. Alles rund um die Dopingrazzien schien irrsinnig: Ein österreichischer Langläufer, der mit Nadel im Arm verhaftet wurde. Täter und Mittäter, die so naiv, skrupellos oder dumm waren, ungeniert auf der großen Bühne dieses Sports ihrem schändlichen Treiben nachzugehen, wo doch klar war, dass nach dem Fall Johannes Dürr der große Knall bevorstand. Der Schaden für die originär wunderbare Disziplin Skilanglauf ist riesig, zumal die herausragende Athletin von Seefeld in Therese Johaug eine Ex-Sünderin war. Dass die deutsche Loipensparte eine bemerkenswerte Renaissance erlebte, war da leider Nebensache.

Peter Schröcksnadel:

Wer über den Dopingskandal berichtete, kam am ewigen Präsidenten des Österreichischen Skiverbandes nicht vorbei. Es ist gelinde gesagt erstaunlich, wie der 77-Jährige seit 1990 sämtliche Krisen und Skandalen aussitzt, dabei in seinen Entschuldigungs-Monologen stets wirkt, als trete er gerade in Peter Steiners Theaterstadl auf. Zu den Betrügern in seinem Team fiel Schröcksnadel nur ein, dass "Eltern ja auch erst als letztes erfahren, wenn die Kinder Drogen nehmen". Klang alles wie Satire, war es aber leider nicht.

Walter Hofer:

Der letzte WM-Einzelwettbewerb unter der Regie des zum Saisonende scheidenden Skisprung-Renndirektors des Weltverbandes verkam zur Farce. Weil Hofer und seine Mitstreiter das Springen von der Normalschanze durchprügeln wollten, obwohl der Schnee die Anlaufspur minütlich unbrauchbarer machte, fiel auf die Siegerprämie vermutlich Glücksspielsteuer an. Das einzig Ehrenrettende: Im Polen Dawid Kubacki gewann einer, der auch unter regulären Bedingungen dazu fähig gewesen wäre.

Andreas Wellinger:

Im Vorjahr war der Ruhpoldinger als Olympiasieger die große Nummer unter den deutschen Skispringern, jetzt lief die WM völlig an ihm vorbei. Platz 32 belegte Wellinger auf der Großschanze, es blieb sein einziger Einsatz und er der einzige männliche DSV-Adler ohne Medaille. Tröstlich: Mit immer noch erst 23 Jahren wird es nicht seine letzte Chance gewesen sein.

Innsbruck:

Der Plan klang gut: Die Seefelder Organisatoren wollten die Begeisterung glorreicher Vierschanzentournee-Tage in die WM hinüberretten und ließen von der 30 km entfernten Großschanze in Innsbruck springen. Den Bergisel hatten die Österreicher aber schon zuletzt bei der Tournee nicht ausverkaufen können, nun schwankten die Besucherzahlen zwischen nicht mehr messbar (Kombinations-Springen) und ordentlich (Spezialspringen), die offiziellen Angaben wurden deutlich geschönt. Allerdings: Die Innsbrucker Variante war immer noch deutlich dem Bau einer zusätzlich Großschanze in Seefeld vorzuziehen.

 

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