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Skisprung-Wahnsinn! Dawid Kubacki springt von 27 auf 1

DSV-Adler verpassen Medaillen nach Wind- und Schneechaos

01.03.2019 17:45
Karl Geiger wurde am Ende nur 18.
Karl Geiger wurde am Ende nur 18.

Wie begossene Pudel standen Karl Geiger und Markus Eisenbichler im Schneeregen, während der völlig perplexe Weltmeister Dawid Kubacki auf den Schultern seiner Teamkollege zur Ehrenrunde aufbrach: In dem einer Weltmeisterschaft unwürdigen Chaosspringen von der Seefelder Normalschanze sind die deutschen Ski-Adler übel ausgebremst worden und ohne Medaille geblieben.

"Gerecht war da nix mehr", sagte ein konsternierter Geiger, der nach seinem von ihm unvermeidbaren Absturz von Platz zwei auf Rang 18 Trost bei seinen Eltern Monika und Roman suchte: "Ich war hier zwei Stundenkilometer langsamer als die anderen. Das ist schon unfair. Bei dem Wetter kannst du gar nichts machen, die Spur wurde von Springer zu Springer langsamer. Aber sie wollten es unbedingt durchziehen. Was soll's, Haken dran."

Der 26-Jährige hatte bei teils starkem Rückenwind und Dauerschneefall, der die Anlaufspur zu einer stumpfen Farce machte, wie andere Topstars nicht den Hauch einer Chance - der nach dem ersten Durchgang führende Japan-Überflieger Ryoyu Kobayashi landete auch nur auf Platz 14. Sieger Kubacki war zur Halbzeit noch 27., die nur rund 2000 Zuschauer erlebten eine schiere Lotterie statt eines fairen Springens.

Eisenbichler, bei den beiden Springen in Innsbruck Doppelweltmeister im Einzel und Team, war im ersten Durchgang verblasen worden, schaffte es aber immerhin noch von Platz 25 auf sieben. "Das waren schwierige Bedingungen, brutal hart. Ich hab es im ersten Durchgang vergeigt, aber bei diesen Verhältnissen war nicht mehr drin", sagte der 27-Jährige, fand aber: "Unfair war es nicht."

Kubacki gesteht: "Hatte nie damit gerechnet"

Kubacki setzte sich mit Sprüngen auf 93,0 und 104,5 m (218,3) knapp vor seinem Landsmann Kamil Stoch (215,5) und Titelverteidiger Stefan Kraft aus Österreich (214,8) durch. "Damit hätte ich nie gerechnet", sagte Kubacki. Bester Deutscher war Richard Freitag als Fünfter vor Stephan Leyhe auf Rang sechs. 34 Jahre nach dem WM-Triumph von Jens Weißflog an gleicher Stelle wurde es nichts aus einem erneuten deutschen Feiertag.

Getrübt war die Freude selbst bei Polens Nationaltrainer Stefan Horngacher - trotz des Doppelsiegs: "Ich hätte mir gewünscht, dass die Jury das Springen bei solchen Bedingungen auf Sonntag verlegt hätte", sagte Horngacher, Topkandidat auf die Nachfolge des scheidenden Bundestrainers Werner Schuster, im "ZDF".

Schuster zeigt sich als guter Verlierer

Schuster selbst meinte: "Es war ein sehr schwieriger Wettkampf für alle Beteiligten. Zustande gekommen ist das Ergebnis auf sehr kuriose Art und Weise. Aber wir sollten nicht zu negativ über unseren Sport sprechen, im Endeffekt sind nicht die Falschen vorne." Dennoch war Schuster "ein bisschen traurig, dass es uns heute nicht gelungen ist, unsere beste Performance zu zeigen. Auch wir hatten unsere Chancen. Karl hat einen sehr guten ersten Sprung gemacht, aber im zweiten war er einfach chancenlos."

Dies galt auch für Kobayashi. Der Vierschanzentournee-Sieger hatte mit 101,0 m vor Geiger zur Halbzeit geführt. Im zweiten Durchgang schaffte es der unbestritten beste Springer der Saison ebenso wie Geiger nur noch auf 92,5 m und wurde durchgereicht.

Dennoch haben die deutschen Skispringer noch die Chance, eine glänzende WM mit insgesamt drei Goldmedaillen zu einem glänzenden Abschluss zu bringen. Im abschließenden Mixed-Wettbewerb am Samstag (16:00 Uhr) ist das DSV-Team mit Eisenbichler, Geiger, Vizeweltmeisterin Katharina Althaus und Juliane Seyfarth noch einmal der große Favorit auf Gold.

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