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Abschied einer Kämpferin: Hüfner verlässt die Rodelbühne

21.02.2019 13:27
Tatjana Hüfner beendet ihre Karriere
© getty, Lars Baron
Tatjana Hüfner beendet ihre Karriere

Sie hat alles gewonnen, sie hat den Rodelsport geprägt und schwere Verletzungen niedergekämpft: Tatjana Hüfner ist eine der besten Schlittenfahrerinnen der Geschichte. Am Samstag beendet sie ihre Karriere.

Auf der Zielgeraden ihrer Karriere rührte Tatjana Hüfner zuletzt sogar den oft so knorrigen Bundestrainer zu Tränen. Mit feuchten Augen gratulierte Norbert Loch zu EM-Silber in Oberhof, zur letzten großen Medaille ihrer Laufbahn, und würdigte dann noch einmal das Wirken der Rekordweltmeisterin.

"Sie hat Höhen und Tiefen durchlebt", sagte der 56-Jährige mit brüchiger Stimme, "und sie ist so eine fantastische Sportlerin. Sie hat gekämpft, bis sie wirklich nicht mehr konnte."

Dieser Zeitpunkt ist nun gekommen, mit 35 Jahren hat Hüfner genug vom Rodelsport. Nach dem Gewinn eines kompletten olympischen Medaillensatzes, nach fünf WM-Titeln und fünf Siegen im Gesamtweltcup bestreitet eine der besten deutschen Schlittenfahrerinnen am Samstag in Sotschi das letzte Rennen ihrer Karriere.

Titel und Medaillen en masse

Um 11:55 Uhr deutscher Zeit geht Hüfner beim Weltcupfinale in die Bahn, in der sie 2014 zu Olympia-Silber rodelte - die Erinnerungen an die Schwarzmeerstadt sind wohl dennoch nicht die besten. Gleich nach dem Rennen traten damals die Spannungen zwischen Hüfner und Gold-Gewinnerin Natalie Geisenberger offen zutage. Hüfner empfand eine Ungleichbehandlung durch den Verband und prangerte das öffentlich an, es war ein Eklat, über dem deutschen Doppelsieg lag ein Schatten.

Ganz andere Emotionen hatte der erste Auftritt auf olympischer Bühne freigesetzt, im Alter von 22 Jahren holte Hüfner 2006 in Turin Bronze. "Das Größte" überhaupt war dann der Sieg bei den Winterspielen 2010 in Vancouver, "da wollen alle Sportler hin", sagt Hüfner.

Als fast genau so wichtig empfindet sie allerdings einen Triumph im viel kleineren Rahmen: Gold bei der WM 2017 in Innsbruck. Hinter Hüfner lagen damals zahlreiche Niederlagen gegen Geisenberger, der Eklat von Sotschi und Verletzungen an Rücken und Achillessehne. Den bis dahin letzten WM-Titel hatte sie 2012 gewonnen, ihr Karriereende schien schon nah - stattdessen krönte sich Hüfner doch noch einmal zur besten Rodlerin der Welt.

Karriere nach der Karriere ist schon geplant

Das Gefühl von damals sei "ganz nah dran" am Olympiasieg, "weil es mir nach der langen Durststrecke endlich wieder gelungen ist, Gold zu gewinnen". Und doch noch einmal besser zu sein, als die Dauerrivalin Geisenberger. Die Differenzen mit der 31-Jährigen sind längst ausgeräumt, in der Eisbahn konnte Hüfner sie ohnehin kaum noch herausfordern.

Am Samstag dürfte Geisenberger ihren siebten Gesamtweltcup in Serie gewinnen, den einstigen Rekord von Hüfner (5) hatte sie schon im vergangenen Winter geknackt. Hüfner dürfte das egal sein. Die Brandenburgerin hat längst die Karriere nach der Karriere ins Auge gefasst. Die Berufssoldatin hat ein Studium der Pädagogik abgeschlossen und wird sich nun einen Traum erfüllen: "Ich werde in der Bundeswehr in der Abteilung für Kinderbetreuung arbeiten."