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Mimen, Barden, blaues Blut: Promis im Sport

19.02.2019 11:19
Mickey Rourke versuchte sich einst als Boxer
Mickey Rourke versuchte sich einst als Boxer

Ob Bud Spencer, Johnny Weissmüller oder Arnold Schwarzenegger: Sportler, die hernach anderweitig Karriere machten, gibt es reichlich. Seltener ist der umgekehrte Weg. 

Vanessa Mae (Jahrgang 1978/Musikerin - Ski alpin)

Unter seriösen Geigenvirtuosen wird die frühzeitig zum Wunderkind ernannte Populär-Fiedlerin bei allem Talent eher belächelt, und auch unter ernsthaften alpinen Skiläufern taugt Vanessa-Mae Vanakorn Nicholson, so der bürgerliche Name des britisch-thailändischen Weltstars, kaum zur Referenzgröße. 2014 schaffte sie es zwar zu den Olympischen Spielen nach Sotschi und wurde 67. im Riesenslalom, der Weltverband FIS sah die Qualifikationsrennen aber im Nachhinein als manipuliert an und sperrte Frau Vanakorn für vier Jahre. Zwar rehabilitierte sie der Sportgerichtshof CAS später, eine Schulterverletzung auf dem Weg zu Olympia 2014 bedeutete aber den Schlussakkord des Pisten-Solos.

Mickey Rourke (Jahrgang 1952/Schauspieler - Boxen)

In den 80ern und 90ern gehört Rourke zur Elite Hollywoods, schauspielerte sich mit Filmen wie 9 1/2 Wochen oder Angel Heart in Oscar-Nähe. Weil ihn wurmte, dass er eine vielversprechende Karriere als Amateur-Boxer als 16-Jähriger wegen einer Gehirnerschütterung hatte aufgeben müssen, zog es Rourke zurück in den Ring, "um mich wieder wie ein Mann zu fühlen", wie er der Berliner Zeitung sagte. Zwischen 1991 und 1994 bestritt Rourke acht Profikämpfe gegen Gegner, die mit Fallobst noch recht wohlwollend beschrieben sind. Immerhin blieb Rourke ungeschlagen (sechs Siege, zwei Remis), seinen größten Auftritt zwischen den Seilen hatte er aber im Karriere-Herbst auf der Leinwand: 2008 als grandios abgetakelter Catcher im Drama The Wrestler.

Paul Newman (1925 - 2008/Schauspieler - Motorsport)

Als schauspielender Draufgänger mit eisblauen Augen brachte es Newman zu Legendenstatus, seit jeher war seine zweite große Liebe aber der Motorsport. Ab den 70ern wagte sich Newman im gesetzten Alter ins Renngeschehen, wurde an der Seite der rheinischen Racing-Ikone Rolf Stommelen 1979 Zweiter der 24 Stunden von Le Mans, auch wenn sich seine Lenkzeiten dabei in Grenzen hielten. 1983 gründete er mit Carl Haas das "Newman Haas Racing Team", das in einem knappen Vierteljahrhundert siebenmal die CART Championship, den Vorgänger der amerikanischen Formel-1-Variante IndyCar, gewann - unter anderem mit Mario Andretti und Nigel Mansell als Fahrern. Sein letztes Rennen fuhr Newman 2007 als 82-Jähriger - ein Jahr vor seinem Tod.

Albert Grimaldi (Jahrgang 1958/Hochadel - Bobsport)

Bevor Albert Fürst von Monaco wurde, war er Prinz - und Bobfahrer. Letzteres brachte ihm fünf Olympia-Teilnahmen ein, dreimal war er Monacos Fahnenträger und bei seinem besten Ergebnis 1988 in Calgary 25. im Zweier. Damit erschöpfte sich die sportliche Vita des Herrn Grimaldi freilich nicht: Albert war Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee, fuhr die Rallye Paris-Dakar, erwarb einen schwarzen Gürtel im Judo, ist Miteigentümer bei AS Monaco - und er heiratete Charlene Wittstock, eine südafrikanische Olympia-Schwimmerin.

Geena Davis (Jahrgang 1956/Schauspielerin - Bogenschießen)

Die filmischen Erfolge der Oscar-Preisträgerin Geena Davis liegen eine ganze Weile zurück, vor allem Thelma & Louise (1991) und Eine Klasse für sich (1992), in dem sie eine Baseball-Pionierin in der Zeit des 2. Weltkriegs an der Seite Madonnas mimte, wurden Klassiker. Mit 41 Jahren entdeckte Davis das Bogenschießen für sich und trat mit nur 24 Monaten Erfahrung 1999 zur US-Ausscheidung für Olympia in Sydney an. Es reichte zwar nicht zum Ticket, aber zum höchst beachtlichen Platz 24 unter 300 Teilnehmern.

Hubertus Prinz zu Hohenlohe (Jahrgang 1959/Adel - Ski alpin)

Sowohl im internationalen Adels-Ranking als auch bei seiner großen Liebe Skifahren gehört der rasante Blaublüter mit ausgeprägter Jetset-Erfahrung nicht zu den ganz großen Nummern. Was den Sohn von Ira zu Fürstenberg und Alfonso Prinz zu Hohenlohe hingegen auszeichnet, ist eine gnadenlose Hartnäckigkeit: 37 Jahre nach seinem Debüt im Ski-Weltcup schlüpft der in Österreich aufgewachsene "Hubsi" immer noch für sein Geburtsland Mexiko in den von ihm entworfenen extravaganten Renndress, verbuchte nun im schwedischen Are seine sage und schreibe 18. WM-Teilnahme. Und wenn nichts dazwischenkommt, wird es 2022 mit dann 63 Jahren auch die siebte Olympia-Teilnahme des Vierten (!) im Kombinations-Weltcup 1981/82 geben.

Costa Cordalis (Jahrgang 1944/Musiker - Skilanglauf)

Ausgerechnet den Bilderbuch-Hellenen und Anita-Barden Cordalis besetzte das ZDF in einer 70er-Jahre-Vorabendserie als polyamourösen Schweizer Skilehrer. Was längst im öffentlich-rechtlichen Giftschrank verschwunden ist, motivierte Cordalis aber zu einer Nebenkarriere als "Loipenhengst" (Neue Zürcher Zeitung) mit gehörigem Ehrgeiz: Nach einem Start beim Wasalauf verhinderte Griechenlands NOK noch einem Start des Troubadours bei Olympia 1984 in Sarajevo, Cordalis ließ sich aber nicht unterkriegen und schaffte es bei der WM 1985 an die Startlinie. Über 30 km kam er als 75. und Letzter ins Ziel.

Prinzessin Anne (Jahrgang 1950/Hochadel - Pferdesport)

Die britischen Royals sind standesgemäß große Pferdefans, und erfolgreichste der gebürtigen Blaublüter ist zweifellos Anne, die Tochter von Queen Elizabeth II. Ihr Talent brachte "Her Royal Highness" in jungen Jahren EM-Gold 1971 im Military, den Titel als Großbritanniens Sportlerin des Jahres im selben Jahr, eine Olympia-Teilnahme 1976, in Mark Phillips (Olympiasieger 1972) einen noch erfolgreicheren Vielseitigkeitsreiter als (heutigen Ex-)Mann und eine immens begabte Tochter Zara im gleichen Betätigungsfeld (Weltmeisterin 2006, Olympia-Zweite 2012) ein.

Juan Carlos I (Jahrgang 1938/Hochadel - Segeln)

Zumindest der Ausflug in den Schießsport misslang dem langjährigen spanischen König gründlich: Ein Foto des stolzen Bourbonen mit einem bei der Großwildjagd in Botswana erlegten Elefanten bescherte Juan Carlos vor einigen Jahren einen Shitstorm der entsetzten Öffentlichkeit. Mehr Applaus hatte der Monarch 1972 kassiert, als er bei den Olympischen Sommerspielen in München als Segler kompetierte. In der Drachenklasse reichte es für S.A.R. Juan Carlos de Borbon, wie ihn die Ergebnisliste halbbürgerlich führte, immerhin zu Platz 15 unter 23 Bewerbern.

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