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Pro League als Chance und Belastungsprobe

08.02.2019 13:36
Janne Müller-Wieland spielt mit der Nationalmannschaft in der Pro League
© getty, Christof Koepsel
Janne Müller-Wieland spielt mit der Nationalmannschaft in der Pro League

Mit der Pro League soll das Hockey die nächste Stufe erklimmen. Der neue weltweite Wettbewerb bringt die deutschen Nationalmannschaften aber auch an die Belastungsgrenze.

Janne Müller-Wieland bekam sofort zu spüren, wie kräftezehrend die Hockey-Weltreise wird. Der Trip zur ersten Partie der neuen Pro League in Australien hatte es gleich in sich: Check-In in Frankfurt, vier Stunden Aufenthalt in Dubai, dann 14 Stunden Flug nach Melbourne, Zollkontrolle.

Anschließend weiter nach Tasmanien - alles in der Holzklasse. "Wenn die Schlaftablette dann bei dir nicht wirkt, ist das ziemlich ärgerlich", sagte die Kapitänin der deutschen Hockey-Frauen dem "SID".

Müller-Wieland steckt ungeachtet der Strapazen voller Vorfreude auf die internationale Serie, die die Sportart in neue Sphären hieven soll. Mehr mediale Aufmerksamkeit und größere finanzielle Erträge erhofft sich der Weltverband FIH aus den Duellen der Topnationen.

"Es ist genial, so etwas zu haben", sagte die 32-Jährige. Der Modus mit Partien auf dem ganzen Globus stellt die Athleten aber gleich in mehrerer Hinsicht vor größte Herausforderungen.

Nach den Partien beider deutschen Nationalmannschaften am Sonntag (5:00 und 7:00 Uhr) in Hobart gegen Australien folgen für die Teams der Frauen- und Männer-Bundestrainer Xavier Reckinger und Stefan Kermas Reisen nach Christchurch in Neuseeland (15. Februar) und Buenos Aires (22. Februar). Die Damen spielen am 6. März auch noch in China.

Für die Athleten bedeutet dies, dass sie ihr Zusammenspiel mit den Klubs organisieren müssen, denen im Ligabetrieb herausragende Akteure fehlen. Und dann sind auch noch viele berufliche Gespräche nötig - die Fehlzeiten sind erheblich.

"Der Alltag mit Studium und Job ist sehr schwierig mit der Pro League zu vereinbaren", sagte Mats Grambusch, ein Führungsspieler von Kermas: "Viele von uns sind deswegen extra an Fernunis gegangen oder an Fachhochschulen, wo es einfacher ist mit der Kooperation." Die großen Unis nehmen eher keine Rücksicht.

Müller-Wieland: "Man muss die Spiele schon ernst nehmen"

Dabei ist die Pro League sportlich von hohem Wert. Auf dem Weg zu Olympia 2020 sammeln die Teams wichtige Weltranglistenpunkte. Nach den fünften Plätzen beider Auswahlteams bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr will der Deutsche Hockey-Bund zudem den Abstand zu den absoluten Topteams verringern.

"Man muss die Spiele schon ernst nehmen", sagte Müller-Wieland: "Es geht einfach darum, welche Mannschaft es schafft, über einen Zeitraum von einem halben Jahr immer wieder auf einem Toplevel zu performen." Die besten vier Teams erreichen dann das Finalevent Ende Juni im niederländischen Amstelveen.

Bis dahin ist es buchstäblich noch ein weiter Weg für den DHB, der bei seinen Heimspielen im April und Juni im Hockeypark in Mönchengladbach und in Krefeld auf großen Zuschauerzuspruch hofft.

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