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Deutschlands Skisprung-Ass ist Sportler des Monats Januar

Eisenbichler exklusiv: "Wünschen uns alle mehr Siege!"

05.02.2019 20:48
Markus Eisenbichler sprang auf den zweiten Platz der Vierschanzentournee
© getty, Stanko Gruden/Agence Zoom
Markus Eisenbichler sprang auf den zweiten Platz der Vierschanzentournee

Markus Eisenbichler blickt auf hervorragende letzte Wochen zurück. Die Highlights setzte er rund um die Jahreswende, als er zu Beginn der Vierschanzentournee zweimal aufs Podium sprang und am Ende herausragender Zweiter in der Gesamtwertung wurde.

Am letzten Wochenende bestätigte der 27-Jährige zudem seine großen Fähigkeiten im Skifliegen, als er beim Oberstdorf-Trio dreimal in die Top Ten sprang und sein weitester Flug erst bei sagenhaften 237,5 Meter endete

Ganz klar: Für sport.de ist Markus Eisenbichler der Sportler des Monats Januar. sport.de sprach mit dem Mixed-Mannschaftsweltmeister von 2017 exklusiv über die emotionalen Momente bei der Tournee, die bevorstehende Ski-WM und und die große Frage, wann es endlich mit dem ersten Weltcupsieg klappt.

Herr Eisenbichler, Ihr Skiflug-Wochenende in Oberstdorf verlief mit den Plätzen zwei, drei und zehn hervorragend. Zuvor lief es allerdings nicht mehr ganz so gut. Woran hat es bei den Springen in Sapporo und Zakopane denn genau gehapert?

Markus Eisenbichler: Nach der Tournee ging es Schlag auf Schlag weiter. Ich habe schon gemerkt, dass der Körper eigentlich mal etwas Ruhe bräuchte. Das Grundniveau war nicht mehr ganz so da, die Spannung ist auch ein bisschen abgefallen. An und für sich mag ich Japan auch sehr gerne, nur manchmal ist es mit der Zeitumstellung ein bisschen schwierig. In diesem Jahr habe ich es leider nicht so gut hinbekommen. Wenn der Körper eigentlich schlafen will, wenn es ans Springen geht, ist es nicht einfach. Dann muss man mit solchen Platzierungen einfach leben. Wenn man beim Skispringen zu viel denkt, kann es schnell in die Hose gehen. Ich habe aber schon oftmals Rückschläge erlebt und mich dann wieder zurückgekämpft.

Ihr großer Erfolg mit dem zweiten Platz bei der Vierschanzentournee liegt nun einige Wochen zurück. Wie haben Sie diese herausragende Leistung mittlerweile aufgearbeitet und welchen Stellenwert hat diese Tournee 2018/2019 für Sie?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich es noch gar nicht richtig verarbeitet! Da fehlt mir einfach im Moment die Zeit für. Richtig realisieren, was ich da gemacht habe, werde ich es glaube ich erst zum Ende der Saison, wenn die Spannung nachlässt und ich mehr Ruhe habe. Nach dem zweiten Platz habe ich mich sehr gefreut, war dann aber auch froh, als ich daheim war und den ganzen Trubel etwas beiseite schieben konnte.

Bei den ersten beiden Springen auf deutschem Boden in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen sind Sie auf einem Niveau mit Überflieger Ryoyu Kobayashi gesprungen. Da schien sogar der Gesamtsieg möglich. Wie groß war dann nach dem 13. Platz von Innsbruck die Enttäuschung bei Ihnen?

Enttäuschung würde ich nicht sagen! Ich wusste natürlich, dass ich nicht meine besten Sprünge abgeliefert hatte. Bergisel ist für mich eh immer schwierig. Ich bin auch in diesem Jahr nicht so gut reingekommen in den ersten Sprüngen. Dann ist es eher ein Kampf gegen die Schanze. Dafür ging es mit Platz 13 noch einigermaßen glimpflich aus. Natürlich hätte ich mir bessere Sprünge gewünscht, aber an dem Tag hat es leider nicht gereicht.

Aber bei Ihnen überwiegt nach Platz zwei in der Gesamtwertung dennoch das Positive?

Auf jeden Fall! Ich bin die beste Tournee meiner Karriere gesprungen. In Innsbruck hätte ich mir ein paar Punkte mehr gewünscht, habe das dann aber abgehakt und in Bischofshofen neu angesetzt. Als ich nach dem letzten Sprung wusste, ich bin sicher Zweiter, war ich sehr glücklich und auch erleichtert, dass es vorbei ist. Die Siegerehrung war schon ein ganz besonderer Moment für mich. Acht Sprünge so herunterzubringen, dass man am Ende mit auf dem Podest steht – das muss man erst einmal schaffen!

Während und nach der Tournee ist das Interesse an Ihrer Person deutlich gestiegen. Gefällt Ihnen diese Rolle, plötzlich besonders im Mittelpunkt zu stehen und so etwas wie die Nummer eins im deutschen Team zu sein?

Gefallen würde ich nicht unbedingt sagen. Ich mache halt meine Arbeit, versuche gut Ski zu springen und die Medienarbeit gut zu erledigen. Wenn ich nachher im Hotel bin, versuche ich das Ganze etwas von mir wegzuschieben und mich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Aber es gehört zum Sport dazu und ich bin auch sehr froh, dass unser Sport so viel Anerkennung in der Öffentlichkeit erfährt. Ich mache den Sport einfach sehr gerne und das steht für mich auch immer im Mittelpunkt.

Markus Eisenbichler (l.) und Stephan Leyhe (r.) jubeln über ihre starke Vierschanzentournee
Markus Eisenbichler (l.) und Stephan Leyhe (r.) jubeln über ihre starke Vierschanzentournee

 

Wie haben Sie das Abschneiden des deutschen Teams bei der Tournee insgesamt gesehen?

Ich bin schon sehr stolz darauf, dass wir das als Team so gut gemeistert haben und mit dem Stephan (Leyhe, Anm. d. Red.) noch jemanden auf dem Podest hatten. Es war wirklich eine sehr gute Tournee von uns allen. Natürlich hätten wir uns auch gewünscht, dass einer von uns ganz oben steht. Ryoyu Kobayashi ist aber einfach in absoluter Topform gesprungen. Das müssen wir neidlos anerkennen. Ich war froh, dass ich bei den ersten beiden Springen auf Augenhöhe war.

Es war jetzt schon mehrere Male sehr knapp bei Ihnen. Wann klappt es denn endlich mit dem ersten Weltcupsieg?

Ich habe mir kein konkretes Ziel gesetzt. Irgendwann will ich natürlich einen Weltcupsieg erreichen. Wenn es nicht passiert, bin ich aber auch nicht traurig. Ich habe in den letzten Jahren so viel erreicht, was ich mir vorher gar nicht erträumt habe wie zum Beispiel die WM-Medaillen 2017. Ich bin auch sehr stolz darauf, dass ich vor zwei Jahren den deutschen Weitenrekord aufgestellt habe (248 Meter beim Skifliegen in Planica, Anm. d. Red.), das war ein Kindheitstraum von mir. Wenn ich die richtige Form habe und einen guten Tag erwische, wird es auch mit einem Weltcupsieg irgendwann klappen. 

Vor allem bei der Tournee waren Sie die Nummer eins im deutschen Team. Hat sich Ihre Rolle innerhalb der Mannschaft in der letzten Zeit dadurch verändert?

Ach, da hat sich eigentlich nicht viel verändert. Wir sind ein gutes Team und gute Freunde untereinander. Da ist es egal, wer vorne ist, es wird sich für denjenigen mitgefreut! Für uns ist es wichtig, dass am Ende einer von uns Deutschen mit vorne ist und die Fahne hochhält. Wer das am Ende ist, ist uns in der Mannschaft erst einmal egal. Aber natürlich sind wir alle Sportler und wollen selbst so weit wie es geht nach vorne kommen.

Gewisse Leader-Rollen im Team haben wir eigentlich nicht. Das ist bei uns auch ganz schön: Wenn einer mal etwas schwächelt, ist ein anderer sofort zur Stelle und übernimmt den Part. Das macht es für alle angenehm, dass wir so gut zusammenhalten im deutschen Team, ist glaube ich unsere größte Stärke.

Die deutsche Weltcup-Bilanz sieht mit einem Sieg in dieser Saison von Karl Geiger dennoch etwas mager aus. Wie fällt bei Ihnen im Team die bisherige Fazit dazu aus?

Es ist klar, dass wir uns alle mehr Siege wünschen. Sie kriegen es aber an der Schanze und vor dem Fernseher gut mit, dass es in den letzten Jahren zwischen den ersten zehn Platzierungen wirklich extrem eng geworden ist. Das Niveau ist sehr hoch. Da musst du es überhaupt erst einmal schaffen, unter die ersten Fünf zu kommen. Wir wollen uns mit möglichst vielen Springern in den Top Ten festbeißen und jeder im Team gibt sein Bestes dafür. Manchmal geht halt einfach nicht mehr. Skispringen ist so komplex, da steige ich manchmal ja selbst nicht durch (lacht).

Das Gespräch führte Mats-Yannick Roth

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