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Malediven statt Madrid: Zverevs Davis-Cup-Frust

03.02.2019 12:35
Alexander Zverev hat keine positiven Worte für den neuen Turniermodus übrig
Alexander Zverev hat keine positiven Worte für den neuen Turniermodus übrig

Alexander Zverev hat Deutschland souverän zum neuen Davis-Cup-Finalturnier geführt, will dort aber selbst nicht spielen. Der 21-Jährige hat sich zum Wortführer der Kritiker an dem so umstrittenen Event aufgeschwungen.

Wenn seine Teamkollegen Ende November in Madrid um den altehrwürdigen Davis Cup kämpfen, lässt sich Alexander Zverev lieber die Sonne auf den Bauch scheinen. "Hoffentlich werde ich dann wieder die ATP-Finals gewonnen haben, dann kann ich auf den Malediven den Jungs zugucken", sagte der deutsche Tennis-Jungstar halb ernst, halb im Scherz, nachdem er seine Mannschaft zum standesgemäßen 5:0-Erstrundenerfolg gegen Ungarn geführt hatte. Das neugeschaffene Finalturnier boykottiert der Weltranglistendritte. Am Ende einer ohnehin langen Saison will er sich stattdessen in den Urlaub verabschieden.

Dabei ist Zverev im Grunde ein riesiger Fan des so traditionsreichen und prestigeträchtigen Nationenwettbewerbs. Das war auch am Wochenende in Frankfurt kaum zu übersehen. Der 21-Jährige genoss diese womöglich für lange Zeit letzte "echte" Davis-Cup-Atmosphäre noch einmal in vollen Zügen, schien jeden Moment aufsaugen zu wollen. Zverev schwenkte jubelnd die schwarz-rot-goldene Fahne, scherzte und kicherte mit den Mitspielern und beteiligte sich zwischen zwei Ballwechseln auch schon mal lachend an La Ola auf den Zuschauerrängen.

Doch über dem eigentlich so stimmungsvollen Wochenende in der am Freitag und Samstag ausverkauften Fraport Arena schwebte stets auch eine dunkle Wolke. Wann Deutschland wieder ein solches Heimspiel austragen darf, ist schließlich völlig unklar. Nach der ebenso radikalen wie umstrittenen Reform des Weltverbands ITF gibt es sie nur noch in der Qualifikation, und auch die darf nicht jede Nation spielen. Unklar ist damit auch, wann Zverev wieder einmal für sein Land auflaufen wird.

Zverev sicher: 90 Prozent sind meiner Meinung

Wann immer er in diesen Tagen über das neue Format sprach, verfinsterte sich sein Gesichtsausdruck binnen Sekunden. Aus seiner Ablehnung macht der gebürtige Hamburger keinen Hehl. Zverev hat sich spätestens in der vergangenen Woche zum Wortführer der Kritiker aufgeschwungen, zumindest derer aus Spielerkreisen. "Ich werde alles tun, damit wir zum alten System zurückkehren", versprach er den Fans am Samstag noch auf dem Platz und schob später nach: "90 Prozent der Topspieler sind nicht dafür. Hoffentlich werden sie es auch so deutlich sagen wie ich."

Demgegenüber stand der Zverev, der die Davis-Cup-Woche im alten Modus und Stil regelrecht zelebrierte. Zwei Punkte holte er in seinen Einzeln gegen die Underdogs Peter Nagy und Gabor Borsos, fieberte bei den deutlich knapperen Siegen von Philipp Kohlschreiber und dem lockeren Doppel-Erfolg von Jan-Lennard Struff und Tim Pütz in der deutschen Box mit. Darüberhinaus schwärmte Zverev vom besonderen Teamgeist in der deutschen Auswahl, von den Skat-Abenden im Hotel oder dem Basketball-Match gegen die Trainer und Betreuer.

Ändern werden seine Entscheidung, auf das Finale zu verzichten, aber auch diese Erlebnisse nicht. "Kein Mensch auf der Welt, kann mich davon überzeugen, da zu spielen", bekräftigte er in Frankfurt noch einmal. Seinen Kollegen, die allesamt teilnehmen wollen, drückt Zverev die Daumen, den Event-Veranstaltern nicht. "Ich hoffe ehrlich gesagt ein bisschen, dass es schief geht", meinte er: "Ich will den Davis Cup eine Tages so gewinnen, wie er seit fast 130 Jahren ausgespielt wurde."

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