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BVB-Keeper hat Bayern-Torwart hinter sich gelassen

Bürki vs. Neuer: Verkehrte Welt zwischen den Pfosten

31.01.2019 12:12
Roman Bürki (li.) vs. Manuel Neuer: Im Duell der Keeper liegt der BVB-Schlussmann zur Zeit vorn
© getty / Bildmontage: Chris Rohdenburg
Roman Bürki (li.) vs. Manuel Neuer: Im Duell der Keeper liegt der BVB-Schlussmann zur Zeit vorn

Während Manuel Neuer beim FC Bayern München in dieser Saison nicht mehr die Souveränität der letzten Jahre ausstrahlt, hat sich Roman Bürki bei Borussia Dortmund zum unverzichtbaren Rückhalt gemausert. Verkehrte Welt zwischen den Pfosten, könnte man meinen. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Vor gerade einmal einem guten Jahr war es Bürki, der im Umfeld der Schwarz-Gelben extrem in der Kritik stand. "Ginge es nach manchen Leuten, hätte es beim BVB schon dreimal einen Torwartwechsel geben müssen", sagte der Schweizer im Spät-Herbst 2017, nachdem er in der Fußball-Bundesliga und in der Champions League wiederholt durch Unsicherheiten aufgefallen war und sich böse Pfiffe von den Fans anhören musste. 

Doch in der aktuellen Spielzeit hat sich das Bild verkehrt. Der Schweizer rettete der Favre-Elf ein ums andere Mal die Punkte, kassierte in der Königsklasse lediglich zwei Gegentreffer in sechs Spielen (zum Vergleich: In der Vorsaison waren es dreizehn) und sicherte seiner Borussia auch im DFB-Pokal durch starke Paraden das Weiterkommen.

Von fehlender Konstanz und Verlässlichkeit war plötzlich nichts mehr zu spüren. Geradezu sinnbildlich für seine Entwicklung trägt Bürki mittlerweile die Nummer eins auf dem Rücken, die er in der Sommerpause vom scheidenden Roman Weidenfeller übernahm. 

Als Bestätigung seiner Leistungen wurde der 28-Jährige vom "kicker" in seiner Winter-Rangliste der Torhüter nicht nur auf Platz eins geführt, sondern gleichzeitig in einer Umfrage unter allen Bundesliga-Profis zum Primus zwischen den Pfosten gewählt. Der Schweizer ist einer der Garanten für den seit Saisonbeginn anhaltenden Höhenflug der Dortmunder.

Neuer und der Abwärtstrend beim FC Bayern

Rund 600 Kilometer weiter südlich sah es zwischenzeitlich beim FC Bayern ganz anders aus. Der deutsche Rekordmeister rutschte im Herbst in die Krise. Mittendrin: Manuel Neuer. An kaum einem Spieler ließ sich der Abwärtstrend der Münchner so gut belegen wie am 32-Jährigen.

Ende Oktober versuchten die Münchner Verantwortlichen die aufkeimende Kritik an ihrem Torwart bei der vielbeachteten Medienschelte-PK noch mit roher Wortgewalt wegzubügeln. Doch keine zwei Wochen später offenbarte "Opta" das ganze Dilemma.

"Die letzten acht Schüsse, die auf das Tor von Manuel Neuer in der Bundesliga kamen, waren alle drin", vermeldete der Datendienst. In den Partien gegen Gladbach (0:3), Wolfsburg (3:1), Mainz (2:1) und Freiburg (1:1) verfehlten die Abschlüsse der gegnerischen Angreifer entweder das Gehäuse, oder aber der Ball zappelte im Netz. 

Neuer war zwar bei keinem der Gegentore der Alleinschuldige. Doch "in einer guten Phase hält er vielleicht den einen oder anderen, weil er auch ein bisschen glücklicher agiert", brachte Fortuna-Coach Friedhelm Funkel das Problem des Nationalkeepers auf den Punkt, der über längere Zeit keinen "Unhaltbaren" mehr herausfischen konnte.

Neuers Straucheln ist an Werten abzulesen

Während der Bayern-Torwart in den Saisons vor seinen Fußverletzungen jeweils mit über 75 Prozent gehaltener Torschüsse zur nahezu unüberwindbaren Mauer mutierte, rutschte seine Quote gegen Ende des letzten Jahres zeitweise sogar auf unter 50 Prozent und hat sich mittlerweile im mittleren 50er-Bereich eingependelt. Die Gründe dafür sind nur schwer auszumachen.

Auch wenn sich der deutsche Rekordmeister gefangen hat: 20 Gegentore zu diesem Saisonzeitpunkt sprechen dafür, dass der Defensivverbund samt Neuer im Vergleich zu vorherigen Jahren mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat. 2016/2017 kassierte Neuer beispielsweise nur 22 Tore - in der kompletten Saison. Folgerichtig verzichtete der "kicker" vor einigen Wochen darauf, den 32-Jährigen in seine Rangliste der besten Keeper aufzunehmen. 

Mittlerweile zeigt die Formkurve des Nationaltorhüters allerdings nach oben. In den letzten sechs Spielen musste Neuer nur zwei Mal hinter sich greifen. Unsicherheiten waren nicht mehr zu spüren. Gut möglich, dass Neuer sich langfristig fängt und wieder zum Garanten in wichtigen Spielen wird. 

Wie einem Torhüter in der höchsten Spielklasse vollends die Kehrtwende gelingt, hat indes sein Kontrahent Roman Bürki eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Gründe für Bürkis Positivtrend beim BVB

Der BVB-Torwart arbeitete nicht nur intensiv an seinen Defiziten im Spiel mit dem Ball, sondern engagierte zudem einen Mental-Coach.

"Ich habe die Balance zwischen Anspannung und Lockerheit gefunden", verriet der Keeper im Winter-Trainingslager und gab gleichzeitig zu: "Ich hatte enorme Schwierigkeiten, mit Kritik umzugehen. Aber du musst einen Weg finden, damit fertig zu werden."

Mittlerweile hat sich der 28-Jährige Rituale angeeignet, die offenbar fruchten. Dazu gehört ein Telefonat mit einem guten Freund vor der Abfahrt ins Stadion oder kleine Notizen mit Zielen für das jeweilige Spiel.

Außerdem analysierte Bürki intensiv die Fehler der letzten Saison und zog für sich einen Schlussstrich. "Da konnte ich mir sagen, jetzt geht es wieder von Null los."

Zudem scheinen den Schweizer der Abschied von Teddy de Beer und das damit zusammenhängende Engagement von Matthias Kleinsteiber beflügelt zu haben. "Ich wusste, dass unser neuer Torwarttrainer ein bisschen fortschrittlicher ist, was die Trainingsarbeit angeht, als es Teddy war. Das hat mich sicherlich auch einen Schritt nach vorne gebracht", bestätigte Bürki. 

Bayern-Kapitän Neuer ist am Zug

Ob durch den Verzicht auf die Reisen zur Schweizer Nationalmannschaft, den gewonnenen internen Zweikampf im BVB-Kader mit Sommer-Neuzugang Marwin Hitz oder dank der Zusammenarbeit mit seinem Landsmann Lucien Favre: Roman Bürki hat seine innere Ruhe in Dortmund gefunden.

Längst hat sich auch das Verhältnis im Dortmunder Umfeld ins andere Extrem verändert: Bürki gilt beim BVB als einer der Erfolgsgaranten und zählt, zusammen mit Kapitän Marco Reus und Spielgestalter Axel Witsel in dieser Spielzeit zur Kategorie 'unverzichtbar'.

600 Kilometer weiter südlich ist es nun an Manuel Neuer, den jüngsten Aufwärtstrend zu bestätigen und seinen Teil dazu beizutragen, das Meisterrennen spannend zu gestalten. Erst dann ist die Welt zwischen den Pfosten nicht mehr verkehrt.

Chris Rohdenburg

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Tabelle

#MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1Bayern MünchenBayern MünchenFC Bayern34246488:325678
2Borussia DortmundBorussia DortmundDortmund34237481:443776
3RB LeipzigRB LeipzigRB Leipzig34199663:293466
4Bayer LeverkusenBayer LeverkusenLeverkusen341841269:521758
5Bor. MönchengladbachBor. MönchengladbachM'gladbach341671155:421355
6VfL WolfsburgVfL WolfsburgWolfsburg341671162:501255
7Eintracht FrankfurtEintracht FrankfurtFrankfurt341591060:481254
8Werder BremenWerder BremenSV Werder341411958:49953
91899 Hoffenheim1899 HoffenheimHoffenheim341312970:521851
10Fortuna DüsseldorfFortuna DüsseldorfDüsseldorf341351649:65-1644
11Hertha BSCHertha BSCHertha BSC3411101349:57-843
121. FSV Mainz 051. FSV Mainz 05Mainz 05341271546:57-1143
13SC FreiburgSC FreiburgSC Freiburg348121446:61-1536
14FC Schalke 04FC Schalke 04Schalke 0434891737:55-1833
15FC AugsburgFC AugsburgAugsburg34881851:71-2032
16VfB StuttgartVfB StuttgartVfB Stuttgart34772032:70-3828
17Hannover 96Hannover 96Hannover 9634562331:71-4021
181. FC Nürnberg1. FC NürnbergNürnberg343102126:68-4219
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