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"Hammer"-Affäre: Verband wehrt sich gegen "Fake News"

28.01.2019 11:55
Chinesischer Verband verteidigt Schwimmstar Sun Yang
© AFP/SID/MARTIN BUREAU
Chinesischer Verband verteidigt Schwimmstar Sun Yang

Der chinesische Schwimmverband hat sich in der "Hammer"-Affäre wenig überraschend schützend vor seinen Athleten Sun Yang gestellt. Der Verband bezeichnete den Bericht der englischen "Sunday Times", wonach dem dreimaligen Olympiasieger eine lebenslange Sperre drohe, weil er bei einem unangemeldeten Test im September 2018 in seinem Haus den Behälter mit seinem Blut mit einem Hammer zerstören ließ, als "Fake News".

Sun Yang habe gegen keine Anti-Doping-Regel des Weltverbandes FINA verstoßen, betonte der chinesische Schwimmverband. Man habe dem 27-Jährigen geraten, "vollumfänglich mit der FINA zu kooperieren, und das hat er getan."

Sun und seine Gefolgsleute, darunter seine Mutter Ming Yang, hätten bei der Ansicht der Ausweispapiere der Kontrolleure Zweifel an deren Authentizität bekommen, berichtete die Times. Daraufhin soll es zur Zerstörung des Testbehälters durch einen Sicherheitsmann von Sun gekommen sein. Die Kontrolleure, die im Auftrag des weltweit operierenden schwedischen Anti-Doping-Dienstleisters IDTM getestet hatten, dokumentierten den Vorfall. 

Im Januar war es deswegen zu einer Anhörung gekommen, bei der die Dopingkommission des Schwimm-Weltverbandes FINA laut Times der Argumentation Suns gefolgt sei und keine Maßnahmen verhängt habe. Es sei nicht mehr möglich, den Fall im Nachgang lückenlos zu rekonstruieren, so die FINA. Die Wahrheit werde man wohl "nie erfahren".

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA soll den FINA-Bericht der Times zufolge als "unglaublich und inakzeptabel" bezeichnet haben und eine Klärung des Falls vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS anstreben. Die WADA bestätigte dem "SID" auf Anfrage: "Wir kennen den Fall und werden ihn entsprechend weiterverfolgen."

Ein Anwalt Suns bestätigte in einer Stellungnahme, dass Zweifel an der Identität der Kontrolleure bestanden hätten. Die Zerstörung des Behälters thematisierte er nicht, kündigte aber an, rechtliche Schritte gegen die Times zu prüfen.

Schon in der Vergangenheit hatte sich der Weltverband im Umgang mit Sun milde gezeigt. Nach einer positiven Dopingprobe im Jahr 2014 (Trimetazidin) war der siebenmalige Weltmeister nur zu einer Sperre von drei Monaten verurteilt worden, die Strafe wurde zudem erst verspätet publik. Bei der WM 2015 in Kasan kam Sun außerdem straffrei davon, obwohl er eine brasilianische Schwimmerin im Aufwärmbecken attackiert haben soll.

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