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Deutschland verliert in letzter Sekunde

Blech statt Bronze! DHB-Team verspielt WM-Medaille

27.01.2019 16:14
Deutschland hat das Spiel um Platz drei gegen Frankreich verloren
© getty, Martin Rose
Deutschland hat das Spiel um Platz drei gegen Frankreich verloren

Blech statt Bronze: Die deutschen Handballer haben ihre erste WM-Medaille seit zwölf Jahren nach einem weiteren Krimi verpasst.

Die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop unterlag im kleinen Finale im dänischen Herning gegen den entthronten Titelverteidiger Frankreich 25:26 (13:9) und musste nach der schmerzhaften Halbfinal-Niederlage gegen Norwegen die zweite große Enttäuschung innerhalb von 48 Stunden verkraften. Daran änderten auch sieben Tore von Kapitän Uwe Gensheimer und zahlreiche Paraden des starken Torhüters Andreas Wolff nichts.

Nikola Karabatic traf eine Sekunde vor dem Ende zum Sieg der Franzosen. Damit geht die Durststrecke der Auswahl des Deutschen Handballbundes bei einer WM weiter. Die letzte Medaille gab es beim goldenen Wintermärchen 2007. "Der Schmerz ist sehr groß, die Franzosen waren heute cleverer", sagte Prokop im "ZDF".

"Das war sehr bitter. Wir spielen wir in den Schlusssekunden einen Harakiri-Pass, anstatt das Ding runterzuspielen. Wir haben sehr gut gespielt, haben uns mit eigenen Dummheiten aber um die Medaille gebracht. Insgesamt war es eine tolle WM für unsere Mannschaft", erklärte Torwart Andreas Wolff.

Gensheimer ergänzte: "Wir waren in der ersten Halbzeit viel besser als die vier Tore Vorsprung. Unsere Abwehr stand bombig. Das Ende war verrückt. Sowas tut halt weh. Wir haben trotzdem ein großes Turnier gespielt, wir können uns nichts vorwerfen."

Deutsche Abwehr wieder auf der Höhe

Im zehnten Spiel innerhalb von 18 Tagen beeindruckte das DHB-Team mit einer starken Willensleistung. Das Abwehr-Bollwerk um Patrick Wiencek fand zurück zu alter Stärke, Torhüter Andreas Wolff war im Gegensatz zum Halbfinale gegen Norwegen (25:31) wieder ein starker Rückhalt. Bis zur Halbzeit verzeichnete der Kieler sieben Paraden.

Im Positionsangriff hatte die DHB-Auswahl bei ihrem ersten Spiel außerhalb Deutschlands zwar wieder Probleme, doch dank der Ballgewinne in der Defensive sorgte Gensheimer per Tempogegenstoß für die 9:6-Führung (17.).

Frankreich nutzt deutsche Fehler aus

Die Franzosen, die im Halbfinale gegen Dänemark völlig chancenlos waren (30:38), taten sich in der Offensive trotz Superstar Nikola Karabatic weiter schwer, profitierten aber von Fehlern der deutschen Mannschaft. Gensheimer und Co. blieben gegen den Rekordweltmeister 9:11 Minuten ohne eigenes Tor und mussten den Ausgleich zum 9:9 (23.) hinnehmen.

Doch der Einsatz stimmte, es wurde um jeden Ball gekämpft. Der Lohn war eine Vier-Tore-Führung zur Halbzeit. "Wir waren in der ersten Halbzeit viel besser als die vier Tore Vorsprung. Unsere Abwehr stand bombig", sagte Gensheimer nach dem Spiel.

Wiencek sieht Rot, DHB-Team verteilt Geschenke

Der deutsche Angriff war auch zu Beginn des zweiten Durchgangs das Problem. Schwache Abschlüsse und technische Fehler brachten die Franzosen wieder ins Spiel. Wiencek sah zudem nach seiner dritten Zeitstrafe früh die Rote Karte und auf einmal lag das Prokop-Team mit 14:15 zurück (beides 38.).

"Wir müssen jetzt bei uns bleiben. Wir kämpfen, derzeit schenken wir es ihnen", sagte Prokop beim Stand von 16:18 in einer Auszeit (44.) - zunächst mit Erfolg. Gensheimer glich zum 22:22 aus (54.). Doch am Ende hatte Frankreich das bessere Ende für sich. "Das Ende war verrückt. Sowas tut halt weh", sagte Gensheimer, stellte aber fest: "Wir haben trotzdem ein großes Turnier gespielt."

Die Teilnahme an einem Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio hatte das deutsche Team bereits vor dem kleinen Finale sicher - ein schwacher Trost.

Deutschland - Frankreich 25:26 (13:9)

Deutschland: Wolff (Kiel), Heinevetter (Berlin) - Gensheimer (Paris/7/1), Drux (Berlin/4), Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen/3), Wiencek (Kiel/2), Fäth (Rhein-Neckar Löwen/2), Wiede (Berlin/2), Pekeler (Kiel/1), Böhm (Hannover/1), Groetzki (Rhein-Neckar-Löwen/1), Weinhold (Kiel/1), Musche (Magdeburg/1/1), Lemke (Melsungen), Häfner (Hannover), Suton (Lemgo)
Frankreich: Dumoulin, Gerard - Mahe (7/1), Fabregas (3), N Guessan (3), Abalo (3), N. Karabatic (2), Mem (2), Remili (2), Richardson (2/2), Porte (1), Guigou (1)

 

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