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Hahnenkamm-Rennen endet mit Horror-Sturz

Ferstl setzt Ausrufezeichen auf der Streif - Paris siegt

25.01.2019 14:47
Josef Ferstl fuhr in Kitzbühel beim Hahnenkamm-Rennen auf Rang 7
© getty, Christophe Pallot/Agence Zoom
Josef Ferstl fuhr in Kitzbühel beim Hahnenkamm-Rennen auf Rang 7

Der Südtiroler Dominik Paris feiert seinen vierten Sieg in Kitzbühel. Vor den Augen von Vorjahressieger Thomas Dreßen überzeugen auch Josef Ferstl und Dominik Schwaiger.

Thomas Dreßen traute seinen Augen nicht. Als Josef Ferstl bei der Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel über die Ziellinie raste und die "1" aufleuchtete, stieß der Sieger des vergangenen Jahres einen Jubelschrei aus. Allzu lange hielt sich der mit Nummer vier gestartete Ferstl erwartungsgemäß nicht auf dem Sitz des Führenden, am Ende aber wurde er hervorragender Siebter, so gut wie nie auf der furchterregendsten Strecke der Welt. "Das ist ein geiles Ergebnis für ihn", sagte Dreßen. Als später Dominik Schwaiger überraschend noch 17. wurde, ergänzte er: "auch geil!"

Davon abgesehen erwies sich Dreßen als wahrer Prophet. Sein Favorit war Dominik Paris aus Südtirol gewesen, am Ende eines Rennens mit einigen Kapriolen und einem schweren Sturz behielt er damit Recht. Paris, ein Bär von einem Mann, fuhr zu seinem schon vierten Sieg auf der Streif, dem dritten in der Abfahrt, er raubte damit zugleich dem unglücklichen Schweizer Beat Feuz (+0,20 Sekunden) die Hoffnung auf den ersten Triumph. Die Ehre der Österreicher rettete als Dritter Otmar Striedinger (+0,37), der mit Nummer 27 von stark verbesserter Sicht profitierte.

>> Der LIVE-Ticker des Hahnenkamm-Rennens auf der Streif zum Nachlesen

Knapp zwei Wochen vor dem Abfahrtsentscheidung bei der WM in Are/Schweden (5. bis 17. Februar) präsentierten sich die drei verbliebenen deutschen Rennläufer vor den Augen des verletzten Dreßen in einer bemerkenswert guten Verfassung. Ferstl gelang es ausgerechnet auf der Streif, wo Vater Sepp Ferstl 1978 und 1979 gewonnen hatte, sein bestes Abfahrtsresultat vom Dezember 2014 in Santa Caterina/Italien zu wiederholen. "Wenn man mir gesagt hätte: Top Ten - das hätte ich sofort unterschrieben", betonte er. Ähnlich äußerte sich Schwaiger. Manuel Schmid wurde 28.

Horror-Sturz auf der Streif: "Das Wichtigste ist, dass wir alle heil im Ziel ankommen."

Ebenso bemerkenswert: Es wäre mehr drin gewesen. Ferstl wurde nicht nur durch Striedinger nach hinten geschoben, auch der junge Österreicher Daniel Danklmaier, am Montag der Sieger der Europacup-Abfahrt auf der Streif, drängte sich mit Nummer 41 vor ihn - und damit auch vor Schwaiger, der drauf und dran war, für eine kleine Sensation zu sorgen: Ein übler Fehler im "U-Hackler" nach der Mausefalle kostete ihn gut und gerne eine dreiviertel Sekunde, ohne diese Verspätung wäre er nur knapp am Siegerpodest vorbeigefahren.

All das ist nicht selbstverständlich, neben Dreßen fehlt den Deutschen ja auch noch Andreas Sander, der im vergangenen Jahr als hervorragender Sechster ebenfalls nur haarscharf mindestens am Podest vorbeigefahren war. "Trotzdem sieht man", sagte Ferstl nicht ohne Stolz, "dass wir Schritte nach vorne machen." Dies galt besonders für Schwaiger, der 2017 bei einer überragenden Fahrt auf der Streif nur knapp einem Sturz entging und ausschied - und auch diesmal wieder nahe dran war: "Das war teilweise auch wieder am Limit", sagte er grinsend - und erleichtert.

Dreßen streifte derweil im Zielraum umher, er umarmte Sieger Paris und blickte mit ihm den Berg hinauf, er betonte aber auch, "wie nah Freud' und Leid beieinander liegen".

Mitfavorit Max Franz (Österreich) etwa schied mit einem Fersenbruch aus, er wird auch die WM verpassen; sein Teamkollege Vincent Kriechmayr, ebenfalls Sieganwärter, vermied nur mit Mühe zweimal einen Sturz; Alexander Köll (Schweden) musste nach seinem Abflug im Zielhang mit dem Hubschrauber abgeholt werden, erlitt aber keine schweren Verletzungen. Sieg hin oder her, "im Endeffekt", sagte Dreßen daher ernst, "ist das Wichtigste, dass wir alle heil im Ziel ankommen."

 

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