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Meinungspanel zur Handball-WM

Kaum Glaube an das DHB-Team - Dänemark vor großem Wurf

25.01.2019 15:08
Das deutsche Team hofft auf den WM-Titel
Das deutsche Team hofft auf den WM-Titel

Deutschland steht im Halbfinale der Handball-Weltmeisterschaft und will gegen Norwegen (ab 20:30 Uhr im LIVE-Ticker) den Einzug ins Endspiel perfekt machen.

Doch wie groß sind die Chancen der DHB-Truppe wirklich, den ersten WM-Titel seit zwölf Jahren einzufahren? Wer wird der Star der K.o.-Spiele? Wir haben uns in der sport.de-Redaktion umgehört.

Wer sichert sich am Sonntag den Titel im Finale? 

Lars Plantholt: Hallo, hier spricht die Partybremse. Der Finaleinzug wird für die deutsche Auswahl noch klappen, dann aber reicht es in Dänemark gegen Frankreich nicht zum ganz großen Wurf. Was aber den Respekt vor der Leistung der Mannschaft nicht schmälern sollte. 

Lissy Beckonert: Deutschland wird Weltmeister! Bedanken können sich die Jungs von Prokop bei Final-Gegner Frankreich. Der amtierende Weltmeister räumt die favorisierten Dänen im Halbfinale aus dem Weg und ebnet dem DHB-Team damit den Weg zum Titel. Im Endspiel lässt sich Deutschland nicht noch einmal den Sieg von den Franzosen nehmen - im Gegensatz zur Gruppenphase, in der mit dem Schlusspfiff der Ausgleich kassiert wurde. Es kommt zu einem Finale à la 2007. Damals musste sich das DHB-Team zu Beginn des Turniers noch Polen geschlagen geben, setzte sich aber beim Wiedersehen im Finale klar durch.

Philipp Küsters: An Dänemark führt (leider) kein Weg vorbei. Der Co-Gastgeber hat bisher alle acht WM-Spiele gewonnen und das teilweise extrem souverän. Gerade im Duell gegen Schweden und Norwegen war zu erkennen, dass die Dänen, angeführt von Superstar Mikkel Hansen, in diesem Jahr nicht zu schlagen sind. 

Mats-Yannick Roth: Auch ich glaube an den kommenden Weltmeister Dänemark. Der Olympiasieger war im bisherigen Turnierverlauf einfach zu souverän. Im Duell der Gastgeber werden die Dänen im Finale ihren Heimvorteil in Herning ausspielen und das deutsche Team in einem Handball-Thriller bezwingen. 

Wer wird der Star der K.o.-Spiele?

Mats-Yannick Roth: Nicht Top-Torschütze Mikkel Hansen, sondern Torwart Niklas Landin wird der entscheidende Mann in den beiden K.o.-Spielen der Dänen. Der Schlussmann des THW Kiel steht ohnehin schon bei knapp 40 Prozent gehaltener Bälle und wird gegen Frankreich und Deutschland zum Albtraum der gegnerischen Angriffsreihen.

Philipp Küsters: Mikkel Hansen ist der dominierende Mann der Weltmeisterschaft. Immer wenn er auf dem Feld ist, wird es gefährlich. Dosiert wurde der Weltstar von Paris Saint-Germain eingesetzt, um genau jetzt für die wichtigen Spiele fit und ausgeruht zu sein. Coach Nikolaj Jacobsen hat einen super Job gemacht und das zahlt sich nun aus.

Lissy Beckonert: Jannik Kohlbacher! Der 23-Jährige feiert bei der WM nicht nur seinen internationalen Durchbruch, sondern avanciert auch in den K.o.-Spielen zum Matchwinner. Sowohl im Halbfinale als auch im Finale ist der bullige und dennoch wendige Kreisläufer nicht zu bändigen. Die Rechnung ist einfach: Bekommt Kohlbacher den Ball, erzielt er entweder ein Tor oder holt einen Siebenmeter heraus. Damit bringt er jeden Gegner an den Rand der Verzweiflung. Auch in der Abwehr wächst der Youngster über sich hinaus.

Was ist die wichtigste Lehre der Handball-WM?

Lars Plantholt: Trotz aller Zurückhaltung bezüglich anhaltender Effekte ist es immer gut zu sehen, wenn andere Sportarten die alles überschattende Dominanz des Fußballs zumindest zeitweise durchbrechen können. Sowas ist immer auch ein kleiner Hoffnungsschimmer für den Erhalt der sportlichen Vielfalt bis hinunter in den kleinen Dorfsportverein.

Lissy Beckonert: Die beeindruckende Entwicklung von Prokop! Unabhängig vom Ausgang des Turniers: Der ehemalige Buhmann ist nun Hoffnungsträger des DHB. Die nach dem frühen EM-Aus hochkochende Kritik am 40-Jährigen ist längst in Vergessenheit geraten. Auch von Unstimmigkeiten innerhalb der Mannschaft ist absolut nichts zu spüren. Prokop hat dazugelernt: Der Coach zieht seinen eigenen Stil nicht mehr stur durch, sondern bezieht die Mannschaft um Gensheimer aktiv mit ein. Die wichtigste Erkenntnis also: Mut zahlt sich aus - Chapeau, Prokop!

Mats-Yannick Roth: Am Ende gewinnen doch die besten Einzelspieler! Unser DHB-Team glänzte im Turnier mit überragenden Leistungen, konnte sich vor allem in der Hauptrunde auf ein herausragendes Kollektiv verlassen. Diese Geschlossenheit führt die Prokop-Truppe bis ins Finale. Die Entscheidung besorgen dann aber doch die weltbesten Individualisten auf ihrer Position um Niklas Landin, Mikkel Hansen, Rasmus Lauge oder Anders Zachariassen. 

Philipp Küsters: Lernfähige Schiedsrichter! Scheinbar jeder Körperkontakt wurde in der ersten Turnierwoche mit einer Zwei-Minuten-Strafe bestraft, sodass die Spieler aus den Top-Ligen sich deutlich umstellen mussten. Jetzt, wo die wichtigen Hauptrunden-Spiele durch sind und die K.o.-Spiele anstehen, hat sich die Situation geändert. Endlich können die Akteure wieder den Handball spielen, mit dem sie ihre besten Leistungen auf die Platte bringen können. Davon profitiert der Sport und der Zuschauer vor Ort.

Wird der Handball in Deutschland nachhaltig von der WM profitieren?

Lissy Beckonert: Nein, leider! Die Euphoriewelle verpufft - und das nicht zum ersten Mal: Nach dem Sensationscoup bei der EM 2016 war die Begeisterung für den Handballsport riesig. Nur zwei Jahre später war vor der WM davon absolut nichts mehr zu spüren. Das Handball-Fieber in Deutschland musste wieder neu entfacht werden und keimte erst mit anhaltendem Erfolg des DHB-Teams auf. Ein Kreislauf, aus dem der Handball wohl nicht so schnell herauskommen wird.

Philipp Küsters: Das kann ich mir nicht vorstellen! Die Stimmung während der Spiele ist einzigartig, die Einschaltquoten bemerkenswert und die Spiele sehenswert, aber nachhaltig wird sich in Deutschland nichts tun. König Fußball ist und bleibt das Lieblingskind der Deutschen. 

Lars Plantholt: Wenn das Finale nur bei deutscher Beteiligung live übertragen wird, ist die Frage doch eigentlich schon wieder beantwortet, oder? Ich erinnere im Übrigen zaghaft an ähnliche Euphorien nach dem deutschen Eishockey-Wunder vor einem knappen Jahr in Südkorea.

Mats-Yannick Roth: Nicht, was das breite Interesse in der Bevölkerung angeht. Da beobachten wir das Event-Phänomen, welches wir nur allzu gut von den Olympischen Spielen kennen. Immerhin: Die mediale Präsenz der deutschen Handballer wird zunehmen - zu gut liefen die gezeigten WM-Spiele in den Öffentlich-Rechtlichen. 

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