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Streif versetzt Dreßen "einen Schlag in die Magengrube"

24.01.2019 15:18
Thomas Dreßen wäre auch 2019 gerne auf der Streif gefahren
© getty, Alain Grosclaude/Agence Zoom
Thomas Dreßen wäre auch 2019 gerne auf der Streif gefahren

Vor einem Jahr gewann Thomas Dreßen die Abfahrt in Kitzbühel. Mittlerweile ist die deutsche Speed-Mannschaft arg dezimiert und der Sohn eines Kitzbühel-Siegers der einzige Hoffnungsträger.

Als Thomas Dreßen am Anfang dieser Woche auf Kitzbühel zufuhr, da bereitete ihm der Anblick fast körperliche Schmerzen. "Es hat mir schon mal einen Schlag in die Magengrube gegeben", räumt er ein. Die Rückkehr an den Ort seines bislang größten Sieges löste gemischte Gefühle bei ihm aus. Ja, betont Dreßen glaubhaft, er freue sich, "dieses besondere Rennen aus einer anderen Perspektive zu sehen". Aber ja, "logisch wäre es mir lieber, wenn ich gesund wäre und am Start stehen könnte". Auch logisch: Er wäre einer der Favoriten.

Einstweilen jedoch bleibt Dreßen, bleibt auch dem Deutschen Skiverband (DSV) nur die schöne Erinnerung an den 20. Januar des vergangenen Jahres. Zehn Monate und zehn Tage nach seiner grandiosen Schussfahrt über die legendäre Streif, die ihn auf immer und ewig zu einem "Kitzbühel-Sieger" machte, stürzte Dreßen bei der Weltcup-Abfahrt in Beaver Creek/USA. Im rechten Knie ging unter anderem das Kreuzband kaputt, zudem kugelte er sich die linke Schulter aus. Saison-Aus, kein Start in Kitzbühel, kein Start bei der WM in Are/Schweden (5. bis 17. Februar).

Der abrupte Knick der steilen Karriere versetzte den Verband, versetzte vor allem die aufstrebende Abfahrtsmannschaft in eine Art Schockstarre. "Ein absoluter Weltklassemann für das Podium" falle da aus, sagt Alpinchef Wolfgang Maier. Kurz nach dem Jahreswechsel meldete sich dann auch noch Andreas Sander ab - ebenfalls Kreuzbandriss. Für den Westfalen war die Saison bis dahin nicht gut gelaufen, aber: Beim Sieg von Dreßen vor einem Jahr in Kitzbühel war er Sechster geworden - nach einem Fehler im Zielhang, ohne den vielleicht sogar er gewonnen hätte.

Dreßen glaubt an seine Teamkollegen

Bleibt von den besten drei deutschen Abfahrern einstweilen nur Josef "Pepi" Ferstl, der Sohn des zweimaligen Kitzbühel-Siegers Josef "Sepp" Ferstl (1978 und 1979). Er ist nun der Vorfahrer, soll seine Mannschaftskollegen wie Manuel Schmid oder Dominik Schwaiger mitziehen. Ferstl sagt, der Ausfall von Dreßen und Sander sei "für das Team schon blöd", er versichert allerdings tapfer: "Wir sind geschwächt, aber das heißt ja nicht, dass wir nichts können. Wir machen weiter, greifen an." Auf der Streif anzugreifen, ist verdammt mutig. Und riskant.

Doch Ferstl fährt seit Kindesbeinen "mit einem Lächeln" hinein nach Kitzbühel, und obwohl die Streif in diesem Jahr ganz besonders eisig ist, versichert er: "Aktuell bin ich gut drauf, die Form stimmt." Dazu komme, dass er in der Vergangenheit in Kitzbühel "immer ordentliche Ergebnisse einfahren konnte". Nun ja: Platz acht beim Super-G vor zwei Jahren war sein bestes Resultat - ohnehin liegt ihm die zweitschnellste Disziplin eher als die Abfahrt, die wegen der ungünstigen Wetterprognose für das Wochenende von Samstag auf Freitag (11:30 Uhr) vorgezogen wurde. Ferstls Chancen sind größer im Super-G, der nun am Sonntag (13:30 Uhr) stattfinden soll.

Dreßen könnte, wenn alles gut geht, im nächsten Jahr wieder mitfahren. Sein Ziel ist ein Comeback am 30. November in Lake Louise/Kanada. Bis dahin versucht er sich auch als Mutmacher für die Gesunden, nicht zuletzt mit Blick auf die WM, auf die sich die deutschen Abfahrer drei Jahre lang auch vor Ort in Are gezielt vorbereitet hatten: "Der Pepi, der Schmid Manuel, der Schwaiger Dominik, die können alle super Ski fahren", sagt Dreßen: "Und wenn sie einen guten Tag haben, können die da vorne mitfahren."

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