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Norweger mit Bundesliga-Blut haben "Lust auf Edelmetall"

24.01.2019 12:15
Norwegens Keeper Bergerud spielt in der HBL
Norwegens Keeper Bergerud spielt in der HBL

Vize-Weltmeister Norwegen greift erneut entschlossen nach einer Medaille. Trainer Christian Berge setzt auf viel Bundesliga-Power - und auf "Super-Sagosen".

Christian Berge und Bjarte Myrhol standen lächelnd bei Minus vier Grad vor ihrem Mannschaftshotel in Herning. Die klirrende Kälte? Die war den beiden Anführern der norwegischen "Wikinger" ziemlich egal. Angriffslustig nahmen sie ihre nächste Heldentat ins Visier.

"Jetzt haben wir Lust auf Edelmetall", sagte Norwegens Kapitän Myrhol bei einer kurzfristig einberufenen Presserunde zu später Stunde - soeben hatten die Überflieger aus dem hohen Norden auf dem Sofa die Vorschlussrunde in Hamburg erreicht.

Am Freitagabend (20:30 Uhr) fordert der Vize-Weltmeister die furios aufspielende deutsche Mannschaft in der Hansestadt heraus. "Deutschland ist Favorit. Sie haben die Fans im Rücken", sagte Nationaltrainer Berge, bevor er sein nächtliches Videostudium der DHB-Auswahl startete. Die Mannschaft um den früheren Bundesliga-Star Myrhol und ihren Topspieler Sander Sagosen von Paris St. Germain wittert aber ihre Chance auf den ersten WM-Titel.

Berge hätte den Einzug ins Halbfinale beinahe verpasst - erst vom Jubel seines Teams schreckte der 45-Jährige hoch von einer Natur-Doku. Sein Team hätte nach dem eigenen 35:26-Erfolg im letzten Hauptrundenspiel gegen Ungarn auch noch ausscheiden können - doch im Skandinavien-Roulette setzte sich der WM-Co-Gastgeber Dänemark letztlich souverän mit 30:26 gegen Schweden durch und im norwegischen Hotel Scandic Regina in Herning brach Euphorie aus.

Prokop lobt Norwegen: "Kontinuierlich weiterentwickelt"

Die Entwicklung unter dem langjährigen Flensburger Bundesliga-Profi Berge in den vergangenen Jahren ist spektakulär. Binnen drei Jahren führte der 45-Jährige seine Nation nun schon zum dritten Mal bei großen Turnieren ins Semifinale. 2016 scheiterte Norwegen erst nach Verlängerung am späteren Europameister Deutschland, Myrhol betonte daher nun, dass er Revanche nehmen wolle. Bei der WM 2017 war erst im Endspiel Gastgeber Frankreich eine Nummer zu groß.

Bundestrainer Christian Prokop hat Respekt vor dem Spiel des Gegners, der zehn Bundesliga-Profis in seinem Kader hat. "Norwegen ist eine Mannschaft, die sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt hat", sagte Prokop und lobte Berge als "ausgewiesenen Fachmann und Kenner der Szene". Der deutsche Gegner funktioniere als Team und habe mit Sagosen einen Extrakönner in seinen Reihen. "Wir verdienen die Halbfinal-Teilnahme", sagte der 23 Jahre alte Spielmacher selbstbewusst: "Unser Handball gehört in die beste Gesellschaft."

"Super-Sagosen", wie das norwegische Boulevardblatt "VG" den Starspieler nennt, ist der Schlüssel zum Erfolg. Er setzt die gefährlichen Außen wie Magnus Jöndal (SG Flensburg-Handewitt/46 Tore) immer wieder kreativ ein und ist mit 42 Toren der zweitbeste Werfer seiner Mannschaft. "Sie sind stark im Eins-gegen-eins, spielen sehr, sehr schnell nach vorne", sagte Deutschlands Kapitän Uwe Gensheimer.

Ein weiterer Faktor ist Espen Christensen von GWD Minden. Mit 42 Prozent abgewehrten Würfen ist der 33-Jährige bislang der statistisch beste Torhüter des Turniers - Andreas Wolff kommt auf 36 Prozent. Auf dem Weg zum Finale am Sonntag in Herning stellt Norwegen Prokops Auswahl vor eine große Aufgabe.

 

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