Anzeige

Euphoriewelle schwappt durch das Land

Fünf Gründe! Darum wird Deutschland Handball-Weltmeister

22.01.2019 14:12
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft steht im WM-Halbfinale
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft steht im WM-Halbfinale

Handball-Deutschland träumt spätestens nach dem hart erkämpften 22:21-Sieg gegen Kroatien am Montagabend vom Weltmeistertitel. Doch wie realistisch ist der Triumph beim Heimturnier wirklich? Was wird am Ende den Ausschlag dafür geben, dass sich die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop den vierten Titel nach 1938, 1978 und 2007 sichert? sport.de nennt die Faktoren, die den Unterschied ausmachen. 

1. Die beste Abwehr der Welt

"Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften!" Eine vermeintlich abgedroschene Phrase, die sich bei der WM 2019 allerdings einmal mehr bewahrheiten könnte. Die deutsche Hintermannschaft um die THW-Kiel-Stars Andreas Wolff im Tor sowie Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler im Deckungszentrum leistet eine überragende Defensivarbeit, die grundlegend für den bisherigen Turniererfolg ist.

Patrick Wiencek (r.) ist der vielleicht beste Abwehrspieler dieser WM
Patrick Wiencek (r.) ist der vielleicht beste Abwehrspieler dieser WM

Neben dem THW-Trio stehen auch die Nebenleute stabil in der Hintermannschaft und verleihen dem gesamten deutschen Spiel die nötige Sicherheit. Unter 21 Gegentore im Schnitt sind absoluter Top-Wert bei dieser WM - noch vor den Dänen, die bisher das vermeintlich leichtere Programm zu absolvieren hatten. Überzeugend ist zudem, mit welcher Flexibilität das Team mittlerweile decken kann. Ohne Qualitätsverlust wird im Spiel mehrfach zwischen verschiedenen Systemen geswitcht. 

2. Die Kaderbreite

Was haben Andreas Wolff, Uwe Gensheimer, Steffen Fäth, Martin Strobel, Silvio Heinevetter, Jannik Kohlbacher und Fabian Wiede in diesem Turnier gemeinsam? Alle haben bereits eine WM-Partie zugunsten der DHB-Auswahl entschieden, waren die "Unterschiedspieler". Diese Breite sucht bei der laufenden WM ihresgleichen und lässt die Gegner verblüfft zurück.

Während die verbliebenen Mitfavoriten Frankreich, Dänemark und Norwegen vor allem von den Top-Leistungen ihrer Starspieler Kentin Mahé, Mikkel Hansen und Sander Sagosen profitieren, wirft die deutsche Nationalmannschaft eine große Unberechenbarkeit in die Waagschale.

3. Der Turnier-Flow

Betrachtet man die Konstellation in der Gruppenphase, die Entwicklungen im Turnierverlauf und den Ausblick auf die kommenden Tage, lässt sich ohne Weiteres feststellen: Besser hätte es nicht laufen können! Mit den leichtesten Aufgaben gegen Korea und Brasilien gestartet zu sein, erwies sich in der ersten Turnierwoche als großer Vorteil. Dass dann auch noch der ärgerliche Punktverlust gegen Russland keine Auswirkungen auf die Hauptrunde hatte, ist ebenfalls als glückliche Fügung zu sehen.

Im kräftezehrenden Duell gegen die Kroaten war vor allem im zweiten Durchgang zu erkennen, dass die Deutschen im Gegensatz zum Kontrahenten einen Ruhetag hatten und nicht zweimal innerhalb von 26 Stunden um das Weiterkommen fighten mussten. Durch den vorzeitigen Einzug in die Vorschlussrunde hat die DHB-Auswahl jetzt erneut genügend Zeit, um die Kraftreserven aufzuladen. 

Fabien Wiede (r.) überragt im rechten Rückraum und der Mitte
Fabien Wiede (r.) überragt im rechten Rückraum und der Mitte

4. Der Faktor Heimvorteil 

"Ein absolut geiles Gefühl. Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich jetzt noch drüber rede!", fasste Hendrik Pekeler die Atmosphäre nach dem ersten Spiel vor fast 20.000 Zuschauern zusammen. Die Kölner Lanxess Arena ist längst wieder zur Handball-Kathedrale geworden, an den TV-Geräten fiebern bislang rund zehn Millionen Zuschauer mit - Tendenz steigend. Wie schon vor zwölf Jahren, als an gleicher Stelle die großen Siege auf dem Weg zum letzten Weltmeistertitel gefeiert wurden. 

Halten auch die euphorisierten Hamburger Zuschauer im Halbfinale am Freitag den Geräusch- und Stimmungspegel wie zuvor in Berlin und Köln, könnte der Heimvorteil ein weiteres Mal genutzt werden. Ob und wie es sich auswirkt, in einem möglichen Finale das erste und einzige "Auswärtsspiel" im dänischen Herning zu bestreiten, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier ...

5. Die Geschlossenheit im Team

So zerrüttet das Verhältnis zwischen Bundestrainer Christian Prokop und den deutschen Leistungsträgern nach der verpatzten Europameisterschaft im letzten Jahr war, so geschlossen tritt das Team bei dieser Heim-WM auf. "Gefühlt ist die Stimmung im Team so gut wie noch nie", stellte Abwehr-Boss Patrick Wiencek fest und auch Nachrücker Kai Häfner sprach von einer "sensationellen" Atmosphäre innerhalb des Teams.

Egal ob Stammkräfte, Ergänzungsspieler oder Nachrücker: Alle Akteure im deutschen Dress haben ihre Rolle gefunden und fügen sich in das Gebilde ein. Vor allem diese interne Geschlossenheit sowie die Entwicklung des Bundestrainers hinsichtlich interner Kommunikation, richtigen Entscheidungen in der Match-Hektik und öffentlichem Auftreten werden am Wochenende über die Frage nach dem kommenden Handball-Weltmeister entscheiden.

Mats-Yannick Roth

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige