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Heim-WM geht in die entscheidende Phase

Euphorie plus Abwehrbollwerk: DHB-Team will ins Halbfinale

20.01.2019 15:18
Das Team von Christian Prokop peilt das Halbfinale an
Das Team von Christian Prokop peilt das Halbfinale an

Euphorie plus Abwehrbollwerk: Die Erfolgsformel der deutschen Handballer ist vielversprechend. Nach dem berauschenden Hauptrundenauftakt gegen Island dürfte die Partie gegen Kroatien das Schlüsselspiel ums WM-Halbfinale werden.

Andreas Wolff versuchte sich beim Dunking, Kapitän Uwe Gensheimer und Torjäger Steffen Fäth warfen sich in der Schulsporthalle Köln-Ostheim locker ein paar Bälle zu, und Silvio Heinevetter starrte ein bisschen ratlos auf den unter die Decke gezogenen Basketball-Korb, an dem sein Ball hängengeblieben war.

Beflügelt und sichtlich beschwingt von den Eindrücken aus dem Tollhaus Kölnarena absolvierte die Mannschaft ihre Vorbereitung auf das Schlüsselspiel gegen Kroatien am Montag (20:30 Uhr).

"Jetzt kommen die richtig harten Brocken auf uns zu. Aber wir sind gewappnet", sagte Gensheimer selbstbewusst. Und Bundestrainer Christian Prokop, der nach dem emotionalen Hauptrundenauftakt vor 19.250 Zuschauern von einem "Highlight des Lebens für uns alle" gesprochen hatte, fordert ein weiteres "emotionales Feuerwerk".

Kroatien verfüge über Spieler wie Domagoj Duvnjak "mit Weltklasse-Format. Wir müssen uns in Topform präsentieren und vor allem mit unseren Zuschauern emotional voll gegenhalten."

DHB-Team will sich gute Ausgangslage verschaffen

Prokop hielt sich am Sonntag im Hintergrund. Er hatte seine Spieler schon morgens zum Videostudium gebeten, und er weiß: Ein Sieg gegen die Kroaten um ihren Kieler Superstar Duvnjak wäre ein riesiger Schritt gen Halbfinale in Hamburg, dem großen Ziel des DHB-Teams.

Dann nämlich würde schon ein Punkt im abschließenden Gruppenspiel am Mittwoch gegen Europameister Spanien (20:30 Uhr) reichen.

Ein gemeinsamer Besuch der Partie zwischen Kroatien und Brasilien am Sonntagabend wurde nicht geplant, um 19:30 Uhr war bereits das Abendessen angesetzt. Sorgen wegen einer möglichen Überlastung macht sich Prokop keine.

Die inzwischen sechs Turnierspiele an zehn Tagen seien für das deutsche Team kein Problem. "Aufgrund unseres tollen Komforts, den wir hier bekommen, und der Energie der Zuschauer ist das Thema Belastung ganz weit weg", versicherte der 40-Jährige. Zudem nannte er die Breite im Kader als einen Vorteil seiner Mannschaft.

Prokop rückt defensive Qualitäten in den Fokus

Zum entscheidenden Trumpf gegen die wurfgewaltigen Kroaten soll aber wieder das deutsche Abwehrbollwerk werden. "Momentan ist es ziemlich schwierig für die gegnerischen Mannschaften, Tore zu werfen. Wir legen unseren größten Wert auf die Abwehr. Das ist das, was uns momentan stärkt", sagte der gegen Island überragende Patrick Wiencek.

Die Defensive ist bislang das Prunkstück im deutschen Spiel. Mit enormer Wucht und ganz viel Emotionen ließen "Vorkämpfer" Wiencek und seine Nebenleute die isländischen Angreifer reihenweise abprallen. "Die Mauer von Berlin steht jetzt in Köln", titelte "ntv" am Sonntag.

Keeper Andreas Wolff war beinahe beleidigt, dass er "nur" zwölf Bälle abwehren durfte. "Die sollen mich mitspielen lassen", scherzte Wolff und sprach seinen "phänomenalen" Vorderleuten ein dickes Lob aus: "Unsere Abwehr hat grenzenloses Potenzial, manchmal ist mir fast langweilig, weil nix auf mein Tor kommt."

Prokop will "hinten in der Abwehr Beton anrühren"

Prokop beobachtet die stete Entwicklung mit Wohlwollen. Er hatte schon vor dem Turnier immer betont, welchen Stellenwert die Defensive für den Erfolg der Medaillenmission hat.

"Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, hinten in der Abwehr Beton anzurühren und dort dem Gegner das Leben mit verschiedenen Systemen so schwer wie möglich zu machen", sagte Prokop und bezeichnete die Abwehrzentrale mit Wiencek, Hendrik Pekeler und Finn Lemke als "Herzstück".

Die Zahlen nach sechs Spielen geben ihm recht: Das deutsche Team hat während der gesamten WM erst 129 Gegentore bekommen, im Schnitt sind das mit 21,5 pro Spiel die wenigsten nach Olympiasieger Dänemark (insgesamt 125).

Hinzu kommt, dass mit Steffen Fäth (6 Tore), Paul Drux (4) und dem nachnominierten Kai Häfner (2) auch der Rückraum immer mehr Fahrt aufnimmt.

"Wenn sie weiter so gut spielen und vielleicht noch etwas besser, dann können die Deutschen Weltmeister werden", sagte Islands genialer Spielmacher Aron Palmarsson voller Bewunderung für das deutsche Spiel.

Zwölf Jahre nach dem letzten WM-Titel träumen auch die Fans längst von einem Wintermärchen 2.0.

 

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