Anzeige

Ein Tag nach dem schweren Sturz von David Siegel

Deutsche Skispringer fliegen deutlich am Podest vorbei

20.01.2019 17:58
Die deutschen Skispringer kamen in Zakopane nicht auf die gewünschte Weite
© getty, Sebastian Widmann
Die deutschen Skispringer kamen in Zakopane nicht auf die gewünschte Weite

Stephan Leyhe immerhin noch Siebter, Markus Eisenbichler weit abgeschlagen: Die deutschen Skisprung-Asse haben am Tag nach dem bösen Sturz ihres Teamkollegen David Siegel mit dem Schrecken in den Knochen auch sportlich einen Dämpfer kassiert. Beim Einzelsieg des Österreichers Stefan Kraft im polnischen Hexenkessel von Zakopane konnten die DSV-Adler nicht an ihren teuer erkauften Mannschafts-Triumph anknüpfen.

"Das war heute eine ziemliche Katastrophe, dabei ist es gestern noch so gut bei mir gelaufen. Aber so kann es gehen im Skispringen", sagte Vierschanzentournee-Held Eisenbichler in der "ARD". Im Mannschaftswettbewerb war der Siegsdorfer noch zum Schanzenrekord geflogen, im Einzel stürzte er auf Rang 25 ab: "Es ist einfach hart. Aber ich muss den Kopf oben lassen, relaxen, und dann geht es in Japan weiter."

In einem zähen Wettkampf, in dem Doppel-Weltmeister Kraft knapp vor dem Norweger Robert Johansson und dem Japaner Yukiya Sato für Österreichs ersten Sieg seit März 2017 sorgte, taten sich auch die übrigen DSV-Hoffnungsträger schwer. In Abwesenheit von Aufsteiger Siegel, der nach seiner kapitalen Bruchlandung am Vortag schon mittags auf Krücken das Teamhotel verlassen hatte, war Leyhe noch der mit Abstand beste Deutsche.

"Platz sieben ist vollkommen okay", sagte der Tourneedritte aus Willingen, der weit am ersten deutschen Weltcupsieg auf der tückischen Wielka-Krokiew-Schanze seit Michael Uhrmann 2004 vorbeiflog. Das maue deutsche Gesamtergebnis - der junge Constantin Schmid wurde 15., Karl Geiger (24.) und Richard Freitag (26.) lagen nur knapp vor Eisenbichler - wollte Leyhe nicht überbewerten: "Das war nur ein Tag, ich mache mir keine Gedanken."

Schuster nach dem Springen "überrascht"

Die machte sich dafür Bundestrainer Werner Schuster. "Vor allem bei Markus und Karl war es ein gebrauchter Tag. Ich bin überrascht, dass es so in die Hose ging", sagte der Österreicher: "Der gestrige Tag war speziell, das müssen wir abhaken."

Opfer des speziellen Tages war Siegel. Ein MRT soll bis Anfang der Woche Gewissheit bringen, wie schlimm die Verletzungen sind, die sich der 22 Jahre alte Unglücksrabe bei seinem schweren Sturz zugezogen hatte. Alles deutet aber auf eine schwere Bänderläsion im rechten Knie, womöglich einen Kreuzbandriss, und damit das Saisonaus hin.

"Das ist extrem bitter. Ich will nicht vorgreifen, aber wir haben wohl einen Sportler verloren für den Rest der Saison", sagte ein tief geknickter Bundestrainer Werner Schuster in der "ARD", der sich wie Siegels Mitstreiter nicht über den Mannschaftserfolg freuen konnte, zu dem es trotz des Sturzpechs mit 0,1 Punkten Vorsprung auf Österreich gereicht hatte.

Siegel, der sein Team-Debüt im Weltcup gab, war im zweiten Durchgang auf 142,5 m und damit einen Meter weiter als der bis zum Wettkampfbeginn gültige Schanzenrekord von Kamil Stoch (Polen) geflogen, konnte den Sprung aber bei der Landung nicht abfangen. Unter großen Schmerzen wurde er auf einer Trage aus dem Stadion gebracht.

Eisenbichler war kurz vor Siegel bereits zum Schanzenrekord von 143,0 m gesprungen, danach verringerte die Jury den Anlauf aber nicht ausreichend. "Es war ein großer Fehler der Jury, nicht zu verkürzen", sagte Schuster zornig.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige