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"Bam Bam" Wiencek ist der heimliche Star des DHB-Teams

20.01.2019 12:39
Patrick Wiencek ist der heimliche Star des DHB-Teams
Patrick Wiencek ist der heimliche Star des DHB-Teams

Die Schwerstarbeit stand Patrick Wiencek ins Gesicht geschrieben. Das Blut an seiner Lippe war zwar inzwischen geronnen, doch im rechten Mundwinkel des Kreisläufers klaffte ein zwei Zentimeter großer Cut.

"Nichts Bedeutendes", kommentierte Wiencek die offensichtlichen Spuren der Abwehrschlacht der deutschen Handballer gegen Island (24:19), referierte kurz von "Emotionen und Adrenalin" und sprach dann lieber von den nächsten schweren WM-Aufgaben. Ruhig, gerade heraus, bescheiden - ein typischer Wiencek eben.

Doch wehe, wenn der Anpfiff ertönt. Dann wird aus dem liebenswerten Blondschopf, der in Anlehnung an den kräftigen Jungen aus der Zeichentrickserie Familie Feuerstein von den meisten nur "Bam Bam" gerufen wird, eine Furie, die weder sich noch ihren Gegner schont. Dann wirft sich Wiencek mit seinen knapp 110 Kilogramm Körpergewicht in jeden Zweikampf, stopft in der Abwehrzentrale zusammen mit Hendrik Pekeler und Finn Lemke die Lücken und rudert immer wieder wild mit den Armen, um die Fans noch mehr anzustacheln.

Pekeler, Lemke und Wiencek sind "das Herzstück der Abwehr

"Er ist extrem wichtig mit Peke und Finn zusammen. Sie sind das Herzstück", sagt Bundestrainer Christian Prokop: "Die drei haben das Abwehr-Chefkommando, sprechen sich vor den Spielen ab." Das klappt bislang hervorragend: Zusammen mit den ebenfalls starken Torhütern Andreas Wolff und Silvio Heinevetter hat die deutsche Defensive in sechs Spielen erst 129 Gegentore bekommen, im Schnitt sind das mit 21,5 pro Spiel die wenigsten nach Dänemark (insgesamt 125).

Im Schatten des Scheinwerferlichts auf Torhüter Wolff ist Teamplayer Wiencek der heimliche Star der hoch gelobten deutschen Defensive. Er macht die Drecksarbeit, geht immer dahin, wo es wehtut. Nachdem er die EM 2016 aufgrund eines Kreuzbandrisses verpasst hatte, ist die Heim-WM für den gebürtigen Duisburger bislang das Turnier seines Lebens.

Vordenker und Vorkämpfer Wiencek

"Patrick ist unser Vordenker, der Vorkämpfer in der Abwehr und ein total lieber Mensch", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning und reihte sich damit ein in die Schar der Gratulanten. Fabian Böhm nannte die Leistung Wienceks "absolut beeindruckend", Andi Wolff fand sie "phänomenal", und Patrick Groetzki meinte treffend: "Patrick ist von Anfang an total heißgelaufen, er spielt ein grandioses Turnier."

Doch so aufgedreht und mitreißend Wiencek auf dem Spielfeld daherkommt, so ruhig und bescheiden ist der gelernte Anlagemechaniker daneben. Große Sprüche und Schlagzeilen sind nicht sein Ding, er verbringt die Zeit in seiner Wahlheimat Kiel am liebsten mit Ehefrau Fabiane und den beiden Kindern Lotta und Paul. "So wild wie der Patrick auf der Platte ist, so lieb und ruhig ist er sonst", erzählt Steffen Weinhold, Wienceks Teamkollege beim THW Kiel. Der Linkshänder spricht aus berufenem Munde: "Ich kann das beurteilen, ich teile mit ihm ein Zimmer, und da hat er noch nix angestellt."

Und Wiencek? Der beschäftigte sich lieber schon mit dem nächsten Gegner. Kroatien verfüge über viele Weltklasse-Spieler, sagte der 29-Jährige und hob seinen Kieler Mannschaftskollegen Domagoj Duvnjak hervor: "Es wird schwierig sein, ihn auszuschalten." Wiencek wird da sicherlich etwas einfallen.

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