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Deutschland fordert den Top-Favoriten

Frankreich als Reifeprüfung - Rätselraten um Karabatic

14.01.2019 11:31
Nikola Karabatic könnte für Frankreich auflaufen
Nikola Karabatic könnte für Frankreich auflaufen

Ob mit oder ohne Nikola Karabatic: Titelverteidiger Frankreich zählt bei der Handball-WM zu den großen Favoriten. Kein DHB-Spieler kennt den deutschen Dienstag-Gegner so gut wie Kapitän und Paris-Legionär Uwe Gensheimer.

Spielt er oder spielt er nicht? Das Rätselraten um Nikola Karabatic überstrahlte vor dem Prestige-Duell der deutschen Handballer gegen Frankreich alles.

Doch egal ob mit oder ohne seinen Superstar: Der Titelverteidiger gehört bei der WM zu den großen Favoriten - und ist für die DHB-Auswahl eine Reifeprüfung auf dem Weg zur ersehnten Medaille bei der Heim-WM.

"Wir kennen sie sehr gut. Sie spielen alle in Topklubs in Europa und haben eine sehr hohe Qualität", sagte Kapitän Uwe Gensheimer mit Blick auf das kniffelige zweite Duell des deutschen WM-Doppelpacks am Dienstag (ab 20:30 Uhr im LIVE-Ticker), nur 26 Stunden nach der Partie gegen Russland.

Gensheimer spricht aus berufenem Munde. Seit zweieinhalb Jahren spielt der Linksaußen bei der französischen Weltauswahl von Paris Saint-Germain, machte, wie er es nennt, den "Schritt raus aus der Komfortzone" bei den Rhein-Neckar Löwen und kennt deswegen viele der WM-Gegenspieler aus dem Effeff.

Eine Qualität von ihnen sei es, so Gensheimer, in kritischen Situationen im Spiel gelassen zu bleiben. Von Karabatic und Co. habe er selbst gelernt, "cool zu bleiben, wenn es mal eng wird und seiner eigenen Stärke zu vertrauen".

Christian Prokop schwärmt von "Dauer-Weltmeister" Frankreich

Dieses Vertrauen kommt nicht von ungefähr. Vier der fünf letzten WM-Titel gingen an Frankreich. Bei den Olympischen Spielen gab es seit 2008 zweimal Gold und einmal Silber.

"Sie kommen über eine ganz starke Torwart- und Abwehrleistung und haben etwas im Tempospiel zugelegt", analysierte Bundestrainer Christian Prokop vor dem Turnier. Er sehe sie "in der Favoritenrolle". Für Dänemarks Coach Nikolaj Jacobsen ist die Equipe Tricolore "die beste Mannschaft der Welt".

Doch so groß die Erfolge in der Vergangenheit auch waren, der Respekt vor dem deutschen Team in der Gegenwart ist riesig. Zahlreiche Handball-Schlachten haben sich beide Nationen auf dem Parkett schon geliefert, unvergessen bleibt Deutschlands dramatischer Halbfinalsieg beim WM-Triumph 2007.

"Deutschlands Stärke ist die Abwehr. Gegen den großen und beweglichen Mittelblock müssen wir uns etwas einfallen lassen", sagte der langjährige Bundesligaprofi Kentin Mahe. Die Karabatic-Personalie spielt für ihn eine untergeordnete Rolle. "Wir haben uns so auf das Turnier vorbereitet, dass wir auch ohne ihn spielen können", sagte der Spielmacher.

Nikola Karabatic vor seiner achten Handball-WM

Karabatic, der vor drei Monaten wegen eines Schiefstandes des großen Zehs am linken Fuß operiert worden war und seine WM-Teilnahme eigentlich bereits abgesagt hatte, war erst am Sonntag ins Training der Franzosen eingestiegen. Ob seine Fitness schon für das Deutschland-Spiel reicht, entscheidet sich kurzfristig.

Karabatic selbst strotzt vor seiner achten WM-Teilnahme, dem 21. Turnier in Folge, vor Tatendrang. Er fühle sich "wie ein kleiner Junge", betonte der dreimalige Welthandballer und Kapitän seines Teams: "Ich habe alle meine Träume erfüllt, aber ich bin noch nicht satt. Ich will noch mehr."

Das französische Team verfügt aber auch ohne Karabatic über reichlich Erfahrung und individuelle Klasse. Zudem wollen sich Top-Talente wie Dika Mem, Ludovic Fabregas und Melvyn Richardson präsentieren. "Wir haben das Glück, dass unser Förderungssystem sehr gut funktioniert", sagte Trainer Guillaume Gille, der die "Experten" gemeinsam mit Didier Dinart betreut, jüngst im "kicker".

Für Frankreich ist das Halbfinale am 25. Januar in Hamburg das Minimalziel. "Wir sind mehr als jede andere Nation die Gejagten", sagte Mahe. Die Jagd ist eröffnet.

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