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Domagoj Duvnjak: Herz und Seele der "Kauboji"

14.01.2019 10:58
Domagoj Duvnjak will mit den Kroaten für Furore sorgen
Domagoj Duvnjak will mit den Kroaten für Furore sorgen

Der Kieler Domagoj Duvnjak war die tragische Figur der Kroaten bei der Heim-EM im letzten Jahr. Das WM-Turnier ist für den ehemaligen Welthandballer auch deshalb von ganz besonderer Bedeutung.

Der hünenhafte Domagoj Duvnjak steht in der Spielfeldmitte der Münchner Olympiahalle und animiert mit wilden Armbewegungen die kroatischen Anhänger zu Begeisterungsstürmen. Prompt reagiert die große rot-weiß-blaue Fanschar mit lautstarken Rufen und Gesängen. So gekonnt wie der Kieler Regisseur seine Mannschaft lenkt, so spielerisch hat er auch die Menge im Griff.

Duvnjak ist das kroatische Handball-Idol schlechthin - und das WM-Turnier in Deutschland und Dänemark hat für ihn einen ganz besonderen Anstrich. Die Fixgestalt der Kroaten sollte eigentlich schon die Heim-EM 2018 prägen, das ganze Land hoffte auf seine Großtaten. Dann der Schock: Duvnjak verletzte sich im ersten Spiel am ohnehin maladen Knie, die "Kauboji" (Cowboys) mussten sich ohne den Welthandballer von 2013 letztlich mit Rang fünf begnügen.

"Er hat gemerkt, dass es keinen Sinn macht, über das Limit zu gehen"

"Es war eine Riesenenttäuschung. Ich war richtig traurig, aber so ist das im Sport", erinnert sich der 30-Jährige. Er hat dieses Missgeschick hinter sich gelassen, konzentriert sich ganz pragmatisch auf das Hier und Jetzt. Ihm kommt zugute, dass der THW Kiel diese Saison nicht in der Champions League spielt. Das Knie? "Ein bisschen dosieren, aber es ist alles gut, viel besser als letztes Jahr", sagt Duvnjak.

Seine Teamkollegen sind heilfroh. "Er ist in wirklich toller Verfassung. Er hat gemerkt, dass es keinen Sinn macht, über das Limit zu gehen", erklärt Rückraumspieler Luka Stepancic über das Herz, die Seele der kroatischen Nationalmannschaft, die in der WM-Hauptrunde auf die deutsche Auswahl treffen könnte. Duvnjak umgibt eine besondere Aura. "Er ist der wichtigste Spieler", meint Stepancic, "jeder hört ihm zu, jeder weiß, was er für uns bedeutet".

Trainerlegende Lino Cervar, der Kroatien 2004 zu Olympia-Gold geführt hatte und deshalb ehrfürchtig "der Magier von Umag" genannt wird, hat um Duvnjak ein hungriges Team gruppiert mit vielen neuen Gesichtern - sein großer Star ist der uneingeschränkte Anführer. "Wir hatten ohne ihn ein Problem, ich bin sehr glücklich, dass er hier dabei ist", sagt Cervar.

Duvnjak tritt auf die Euphoriebremse

Zum WM-Auftakt (31:27 gegen Island, 35:27 gegen Japan) begeisterten Duvnjak und Co. phasenweise bereits. Dennoch übt sich der Kapitän in Zurückhaltung. "Es gibt so viele gute Mannschaften, deshalb ist unser erstes Ziel, unter die ersten Sieben zu kommen", sagt Duvnjak. Die Erfüllung der Minimalvorgabe würde immerhin zur Teilnahme an einem Olympia-Qualifikationsturnier für Tokio 2020 genügen.

Durch die Vorrunde in München tragen Duvnjak und seine Kollegen auch viele kroatische Fans, es kommt angesichts dieser großen Kolonie gar so etwas wie Heimspielatmosphäre auf. Nicht nur Duvnjak, für den Deutschland wie eine zweite Heimat ist - seit 2009 spielt er in der Handball-Bundesliga -, findet die Stimmung "überragend". Er wird mit seinem Spiel und seinen Gesten alles dafür tun, dass das so bleibt. Dann könnte das Trauma des Vorjahres in der Tat bald vergessen sein.

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