Anzeige

Gensheimer im "Popstar"-Modus

Prokop verordnet "Dschungelcamp-Kur"

13.01.2019 15:44
Christian Prokop (l.) empfiehlt dem DHB eine Dschungelcamp-Kur
Christian Prokop (l.) empfiehlt dem DHB eine "Dschungelcamp"-Kur

Sportlich und emotional ist die Heim-WM für die deutschen Handballer bislang ein Traum. Doch erst der anstehende Doppelpack gegen Russland und Frankreich wird zeigen, wie stark das Team wirklich ist.

Andreas Wolff schwitzte in der Sauna, seine Teamkollegen zappten beim Dschungelcamp rein und legten die Beine hoch. Die deutschen Handballer genossen nach dem mit Bravour bestandenen Härtetest gegen Brasilien (34:21) ihr Entspannungsprogramm. Kraft tanken, Kopf frei bekommen - denn der WM-Doppelpack gegen Russland und Titelverteidiger Frankreich innerhalb von 26 Stunden ist der erste wahre Gradmesser auf ihrer Medaillen-Mission.

"Die sollen 1000 Mal Dschungelcamp gucken. Es ist wichtig, dass sie nach solch einem Adrenalinschub wieder zur Ruhe finden, zur Erholung und Lockerheit", sagte Bundestrainer Christian Prokop: "Das gesamte Team muss es schaffen, nach so einem Highlight cool zu bleiben, damit wir Montag wieder den richtigen Fokus haben."

Dann wollen Kapitän Uwe Gensheimer und Co. gegen den früheren Handball-Riesen Russland (18:00 Uhr) den dritten Sieg im dritten WM-Spiel feiern. Bereits einen Tag später kommt es zum großen Prestige-Duell mit Frankreich (20:30 Uhr). Das seien "zwei Spitzenspiele Schlag auf Schlag", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer, der sich über den "finalen Startschuss für richtigen Vollgas-Handball" freute.

DHB-Vizepräsident Bob Hanning mahnte jedoch: "Wir tun gut daran, erst einmal die Aufgabe gegen die Russen zu erledigen, bevor wir mit den Köpfen bei Frankreich sind". Eines aber ist auch für Hanning klar: "Nach diesen beiden Spielen wissen wir, wo wir wirklich stehen."

Andreas Wolff: "Mit einem Wort: Es ist einfach geil"

Die Erkenntnisse aus dem Sieg gegen Brasilien sind zumindest vielversprechend: Die Verteidigung um Torhüter Wolff und die Abwehr-Riesen Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek stand sicher, im Angriff zeigte sich Gensheimer (10 Tore) erneut eiskalt, im Spielaufbau überraschte das Team mit seiner Variabilität. Und fast noch wichtiger: Die überragende Stimmung in der mit 13.500 Zuschauern ausverkauften Arena ist kein Hemmklotz, sondern verleiht Flügel. "Mit einem Wort: Es ist einfach geil", sagte der mit besonders viel Adrenalin vollgepumpte Wolff.

Für Prokop war es das bislang schönste Länderspiel als Bundestrainer. "Ja, das kann man so beschreiben", sagte der 40-Jährige, der beim EM-Debakel vor einem Jahr noch hart gescholten wurde. Der Neustart mit zahlreichen Gesprächen hat sich offenbar gelohnt. "Gefühlt ist die Atmosphäre im Team so gut wie noch nie", sagte Kreisläufer Wiencek.

Prokop ließ ein Gefühl der Genugtuung aber noch nicht zu: "Das haken wir ab, jetzt geht das Turnier gegen Russland los." Sorgen, dass seine Spieler auf der Welle der Euphorie die Bodenhaftung verlieren, hat Prokop keine: "Bei dieser Mannschaft merkt man den Hunger auf Erfolg."

Gensheimer im "Popstar"-Modus

Dabei geht Käpt'n Gensheimer voran. Der Weltklasse-Linksaußen genoss zwar die schwarz-rot-goldene WM-Party auf den Rängen ("Ich wollte mich immer mal so fühlen wie ein Popstar"), doch sein Blick auf die Realität wurde dadurch nicht getrübt. "Es ist klar, dass wir uns steigern wollen und auch müssen, wenn wir weit kommen wollen", meinte der 32-Jährige.

Ein Fingerzeig für den weiteren Turnierverlauf ist in jedem Fall das Topspiel am Dienstag gegen Frankreich. Zahlreiche Handball-Schlachten haben sich beide Nationen auf dem Parkett schon geliefert, unvergessen bleibt Deutschlands dramatischer Halbfinalsieg beim WM-Triumph 2007. "Das ist nicht vergessen", sagte der französische Shootingstar Romain Lagarde dem Mannheimer Morgen.

Dass Superstar Nikola Karabatic von Paris Saint-Germain zum französischen Team nachgereist ist und gegen die DHB-Auswahl auflaufen könnte, ist für Vereinskollege Gensheimer auch ein Vorteil: "Es kann auch sein, dass die anderen Spieler in kritischen Phasen die Verantwortung an ihn abgeben und dass man sich als Gegner besser darauf einstellt."

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige