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"Symbol der Hoffnung"

Koreas Handballer schreiben Sport-Geschichte

10.01.2019 18:42
Young Shin Cho ist der Trainer von Korea
Young Shin Cho ist der Trainer von Korea

Die Spieler der politisch verfeindeten Brüder-Nationen lauschten Hand in Hand dem koreanischen Volkslied "Arirang". Die Fans im kleinen koreanischen Block feierten in T-Shirts mit der Vereinigungsflagge und roten Klatschpappen eine ausgelassene WM-Party. Und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und IOC-Boss Thomas Bach lächelten auf der Tribüne zufrieden.

Der erste gemeinsame Auftritt des vereinten Teams aus Korea bei einer Handball-WM im Eröffnungsspiel gegen Deutschland ging weit über die Grenzen des Sports hinaus. Millionen Fans am Fernseher und 14.800 Zuschauer in der Berliner Arena am Ostbahnhof, darunter zahlreiche hochrangige Politiker und Sportfunktionäre, wurden Zeuge einer besonderen Friedensmission. Ausgerechnet im ehemals geteilten Deutschland, in der einstigen Mauerstadt Berlin.

"Ich hoffe, dass wir den Anstoß geben können, damit eines Tages Nord- und Südkorea vereint sein werden", sagte Korea-Trainer Young Shin Cho im "ZDF". Bach betonte, die Zusammenstellung des Teams sei eine Fortsetzung der IOC-Initiative bei den Winterspielen in Pyeongchang 2018 mit dem gemeinsamen Einmarsch beider koreanischen Mannschaften und dem gemeinsamen Frauen-Eishockeyteam.

Auch Außenminister Heiko Maas fühlte sich "an die bewegenden Bilder" von Pyeongchang zurückerinnert. "Seitdem hat auf der koreanischen Halbinsel ein politisches Tauwetter eingesetzt, das viele nicht für möglich gehalten hatten", sagte der SPD-Politiker. Der gemeinsame Auftritt bei der Handball-WM sei "für uns alle ein Symbol der Hoffnung". Das Team würde "ein starkes Zeichen für Frieden und Annäherung" setzen.

Weltverbands-Präsident Hassan Moustafa war zufrieden. Es war seine Idee, dass das, was bei den Olympischen Winterspielen gut funktionierte, auch bei der Handball-WM für Aufsehen sorgen wird. "Wir glauben fest daran, das Sport mehr als nur ein Spiel ist", sagte der Ägypter bei seiner Eröffnungsrede.

Korea startet bei der WM mit dem Länderkürzel COR, unterm Hallendach hing die weiß-blaue Flagge, die das vereinte Land symbolisiert. Als einziger Teilnehmer darf Deutschlands Auftaktgegner mit einem 20-köpfigen Kader bei der WM-starten: 16 Süd- und 4 Nordkoreaner.

Das vereinte Team aus Korea solle in Berlin "Mauern einreißen und Brücken bauen", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann. Und es soll ein Motor für die gemeinsame Bewerbung von Nord- und Südkorea für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2032 sein.

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