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Biathlon-Sprint in Oberhof

"Einfach kacke": Biathletinnen erleben historische Pleite

10.01.2019 17:07
Franziska Preuß enttäuschte genauso wie ihre Biathlon-Kolleginnen
Franziska Preuß enttäuschte genauso wie ihre Biathlon-Kolleginnen

Wenigstens in der Analyse des historischen Debakels für die deutschen Biathletinnen zeigte sich Franziska Preuß treffsicher. "Das komplette Rennen heute war einfach kacke", sagte sie nach einem rabenschwarzen Tag für das sonst so erfolgsverwöhnte deutsche Team zum Start des Heimweltcups in Oberhof.

Ohne Doppel-Olympiasiegerin und Vorzeigeläuferin Laura Dahlmeier schaffte es keine Athletin des Deutschen Skiverbands im Sprint über 7,5 km unter die besten 30 - so schlecht hatten die DSV-Frauen noch nie abgeschnitten.

Karolin Horchler (1 Strafrunde) war auf einem indiskutablen 34. (!) Platz noch die beste deutsche Biathletin. Nach dem krachenden Fehlstart ins neue Jahr verstand Disziplintrainer Kristian Mehringer die Welt nicht mehr. "Wir sind sehr enttäuscht. Wir hatten hohe Erwartungen, die Mädels haben aber am Schießstand nicht konzentriert gearbeitet. Das ist sehr ärgerlich", sagte er völlig konsterniert.

Während sich die Italienerin Lisa Vittozzi in 22:34,6 Minuten ohne Fehlschuss ihren ersten Sieg im Weltcup vor Anais Chevalier (Frankreich/0/5,3) und Hanna Öberg (Schweden/15,0) holte, ging bei den DSV-Frauen gar nichts. Hinter Horchler erlebten Denise Herrmann (Oberwiesenthal/4) als 36., Franziska Hildebrand (2) auf Rang 40, Nadine Horchler (1/41.), Preuß (3/45.) und Anna Weidel (1/80.) ein Rennen zum Vergessen.

Herrmann steht vor einem "Rätsel"

Vor allem Herrmann, die sich so viel vorgenommen hatte und dann gleich vier Strafrunden drehen musste, enttäuschte einmal mehr. "Ich weiß langsam nicht mehr, was ich sagen soll. Je näher der Wettkampf kommt, desto schlechter schieße ich", sagte die 30-Jährige, deren beste Platzierung in diesem Winter ein 26. Platz war, ernüchtert: "Das ist mir schon auch ein Rätsel. Das Mannschaftsergebnis war heute besonders schlecht."

Gerade auf Herrmann hatten in Abwesenheit der Ausnahmeathletin Dahlmeier große Hoffnungen geruht. "Wir haben uns viel vorgenommen heute und mit Denise Herrmann die Erwartungen gehabt, dass wir um das Podest mitlaufen können", sagte Trainer Mehringer. Doch weit gefehlt.

Was drin gewesen wäre, zeigte Herrmann in der Loipe: Keine Läuferin war auf der Strecke schneller. Doch wie so oft patzte sie am Schießstand. "Das ärgert mich", sagte sie: "Natürlich wird die Ungeduld immer größer. Man will sich ja auch nicht immer unter Wert verkaufen."

Laura Dahlmeier fehlt an allen Ecken und Enden

Damit ist bei den deutschen Biathletinnen weiter der Wurm drin. Die bislang einzige Podestplatzierung in diesem Winter hatte Dahlmeier als Zweite im Sprint von Nove Mesto erreicht. Wegen eines erneuten Infektes hatte die 25-Jährige jedoch auf einen Start in Oberhof verzichtet. Eine Teilnahme an den Rennen in Ruhpolding von 16. bis 20. Januar ist angedacht, die siebenmalige Weltmeisterin befindet sich bereits wieder im Training.

Als Ausrede für das schlechte Abschneiden sollte das Fehlen Dahlmeiers aber nicht gelten. "Uns nervt es eher, dass das Thema kein Ende nimmt. Biathlon ist eine Einzelsportart", klagte Preuß und fügte süffisant hinzu: "Nächste Woche ist Laura wieder dabei und dann sind alle glücklich."

Doch erst einmal müssen die DSV-Frauen noch ohne Dahlmeier auskommen - und nach dem schwachen Sprint droht im Verfolger am Samstag (12:45 Uhr) gleich die nächste Pleite. "Die Ausgangspositionen sind natürlich nicht gut", sagte Mehringer: "Da können wir einfach nur sagen: Attacke nach vorne."

 

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